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Deutsche Corona-Lage: Das sagen RKI und Gesundheitsminister Jens Spahn

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn während einer Pressekonferenz in Berlin, 9.3.2020
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn während einer Pressekonferenz in Berlin, 9.3.2020   -   Copyright  Michael Sohn/AP
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Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn und Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler informieren in einer Pressekonferenz informieren zur Corona-Lage in Deutschland.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich wegen des sprunghaften Anstiegs der Corona-Neuinfektionen besorgt gezeigt. Die Menschen sollten sich nicht für unverletzlich halten, so Spahn. Das gelte besonders für jüngere. Covid-19 sei weiterhin eine sehr ernstzunehmende Infektionskrankheit.

Deutschland dürfe das bisher Erreichte nicht verspielen. Es sei an allen, das zu schaffen. "Wenn 80 Millionen mitmachen, sinken die Chance für das Virus gewaltig", so Spahn. Er betonte die Wichtigkeit der AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene-Regeln einhalten, Alltagsmasken auf). Ergänzt werden diese Regeln durch ein "L" - das regelmäßige Lüften. Dessen Wichtigkeit sei -auch in der kalten Jahreszeit- nicht zu unterschätzen. Er empfahl auch die Nutzung der Corona-Warn-App, ein weiteres "A" für die Ergänzung der Regeln.

Steht Deutschland vor einem zweiten Lockdown?

Eine Debatte unter diesem Titel zu führen, lehnte Spahn ab. "Wir werden nicht mehr in die Situation vom April kommen, weil wir mehr wissen", sagte der Gesundheitsminister. Gewisse Einschränkungen, gerade bei Feiern und Großveranstaltungen seien unabdingbar, so zum Beispiel ein Alkoholverbot.

Für Gastwirte sei es zudem schwierig, Gäste unter Alkohol-Einfluss auf die Einhaltung der Regeln zu drängen. Spahn plädierte deswegen für die Einführung von Bußgeldern, er sagte: "Wie auf der Autobahn: Wenn man das Gefühl hat, man wird eh nie erwischt, hält man sich weniger an die Regeln."

Wenn die AHA(L)-Regeln eingehalten würden, sei die Erledigung alltäglicher Dinge wie Einkaufen und der Frisörbesuch problemlos weiter möglich.

Aerosol-Experte Martin Kriegel von der TU Berlin sprach sich für die ausreichende Belüftung von Räumen aus. "Je mehr Luft Sie reinbringen, desto weniger Risiko haben wir", so Kriegel. Superspreader-Events seien noch nie in gut durchgelüfteten Räumen vorgekommen.

RKI hält bis zu 10.000 Neuinfektionen täglich für möglich

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wiehler erklärte, dass die seit September kontinuierlich steigenden Infektionszahlen im Sorge bereiteten. "Es ist möglich, dass sich das Virus unkontrolliert verbreitet", so Wiehler. Dabei käme den sogenannten Urlaubsrückkehrern nur noch eine geringe Bedeutung zu. Mehr Neuinfektionen würden dagegen wieder in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Krankenhäuser registriert. Die ansteigenden Infektionszahlen beträfen alle Regionen. Zudem müssten auch wieder mehr Menschen intensivmedizinisch betreut werden. Es sei allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass das Virus nicht so gefährlich sei.

Leiterin der Infektiologie an der Uniklinik Gießen, Susanne Herold, erklärte, dass derzeit 470 Menschen auf der Intensivstation lägen. Inzwischen habe man viel über die Krankheit und ihren Verlauf gelernt. Sie erklärte auch den Einsatz von Medikamenten wie Dexamethason und Remdesivir bei der Behandlung von Covid-19-Patienten, allerdings gibt es noch weiteren Forschungsbedarf.

Er habe aber die Hoffnung, dass sich das Virus beherrschen lasse. "Nur wenn die Infektionen niedrig bleiben, kann das Leben einigermaßen normal weiter gehen", so Wiehler. Er warb ebenfalls für die Benutzung der Corona-Warn-App. Dort sei die Zahl derjenigen, die ihr positives Test-Ergebnis teilten, rasant gestiegen.

Dem RKI zufolge waren am Donnerstag (08.10.2020) 310.144 Menschen mit dem Coronavirus infiziert – ein Plus von 4.058 seit dem Vortag.