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Konflikt um Berg-Karabach: Im Schützengraben mit armenischen Soldaten

Konflikt um Berg-Karabach: Im Schützengraben mit armenischen Soldaten
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Eine Woche nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe ist in der Konfliktregion um Berg-Karabach kein Frieden eingekehrt. Hier in Agdam entlang der Kontaktlinie zwischen dem von Armenien beanspruchten Gebiet und Aserbaidschan liegen die Stellungen der armenischen und aserbaidschanischen Soldaten in unmittelbarer Nähe.

Unter ihnen ein Pilot, ein Koch, ein Informatiker und ein Musiker. Alle sind zwischen 18 und 20 Jahren alt und zum ersten Mal im Krieg. Ein Offizier der Truppe, 28, sieht seine Einheit gut für die Gefechte mit Aserbaidschan gerüstet: "Wir haben Vertrauen in Armenien, jedes Mal, wenn wir im Krieg sind - wir sind bereit für einen harten Kampf."

Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe vor rund drei Wochen sind die Soldaten in der Nähe von Agdam stationiert. Vier Männer schlafen abwechselnd in einem Zimmer. Für die Verpflegung sorgt ein Soldat, der eigentlich Koch ist.

Schützengräben sind immer bemannt

Die Lage war bisher relativ ruhig, am heftigsten gekämpft wird weiter südlich. Auch das Wetter ist gut, die Schützengräben sind trocken, aber mit dem kommenden Winter könnte sich das ändern.

euronews-Reporterin Amanda Coakley: "Die Schützengräben wurden während des Krieges in den frühen 90ern ausgehoben und seit dem immer wieder in Stand gesetzt. Sie sind immer bemannt, die aserbaidschanischen Stellungen liegen nur etwa einen Kilometer entfernt."

Am Morgen waren in der von Armenien als Hauptstadt von Bergkarabach beanspruchten Stadt Stepanakert Explosionen zu hören. Aremnischen Angaben zufolge wurden mindestens drei Zivilisten verletzt. Aserbaidschan meldete schwere armenische Angriffe auf Ganja, der zweitgrößten Stadt des Landes, mit mindestens 13 Toten und 50 Verletzten.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region mit etwa 145 000 Bewohnern. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.

Aus der mehrheitlich von christlichen Karabach-Armeniern bewohnten Bergregion sind inzwischen Tausende Menschen geflohen. Das armenische Verteidigungsministerium sprach von mehr als 600 getöteten Soldaten seit Beginn der neuen Kämpfe am 27. September. Aserbaidschan machte bislang keine Angaben zu Verlusten bei seinen Streitkräften. Bei armenischen Angriffen seien mehr als 50 Zivilisten getötet worden.