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Quasi-Abtreibungsverbot in Polen - Demonstranten gehen auf Kirchen los

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Quasi-Abtreibungsverbot in Polen - Demonstranten gehen auf Kirchen los
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Ihre Wut über ein sehr konservative Abtreibungs-Votum des Verfassungsgerichts war stärker als die Angst vor Corona: In Warschau attackierten "Pro-Choice"-Demonstranten katholische Kirchen, nachdem das regierungsnahe Gericht ein nahezu vollständiges Abtreibungsverbot über Polen verhängt hatte.

Die Polizei nahm mehrere Personen fest, als eine Sonntagsmesse gestört wurde. Eingangstüren wurden bewacht, um Gottesdienste zu schützen. Vertreter der katholischen Kirche hatten die Verschärfung des Abtreibungsrechts begrüßt.

Es war der vierte Protesttag in Folge gegen die neue Rechtlage.

Ola, Verwaltungsassistentin: "Die Situation ist schrecklich, wir haben große Angst. Wir überlegen, wegzugehen. Echt, schon der Gedanke ist schwierig, schwanger zu werden mit allen Konsequenzen... Angst, dass sie uns... medizinischen Beistand verweigern. Sorge, dass man um jeden Preis ein Kind austragen muss, um nicht für eine Abtreibung belangt zu werden, die jetzt als Mord gilt."

Sław, Lehrer: "Wir sind hier im Herzen Europas, im 21. Jahrhundert, und jemand kommt und sagt unseren Frauen, dass sie nicht über ihren Körper entscheiden dürfen – das ist absolut schockierend. Deshalb sind alle so wütend und verärgert."

Das Verfassungsgericht hatte entschieden, dass auch Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen des ungeborenen Kindes verfassungswidrig seien.

Es gibt bisher ungefähr zweitausend legale Abtreibungen pro Jahr in Polen, die überwiegende Mehrheit wegen geschädigter Embryonen. Frauengruppen schätzen die Abbrüche außerhalb des Landes oder der Legalität auf 200.000.

Das Gericht hatte aufgrund einer von konservativen Parlamentariern eingebrachten Beschwerde entschieden, dass Abbrüche nur in Fällen von Vergewaltigung, Inzest gerechtfertigt seien - oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist.

su mit dpa