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Gehorteter Volksschatz: 1,6 Mrd Euro in Peseten gegen Corona-Leid

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Von Lucia Riera Bosqued  & Euronews
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Gehorteter Volksschatz: 1,6 Mrd Euro in Peseten gegen Corona-Leid
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Ob in Schubladen oder Schränken, auf Dachböden oder im Keller. Irgendwo finden sich immer noch ein paar Peseten.

Jüngere Spanier dürften sich kaum noch an die alte Währung erinnern. Ältere bunkern sie oft unbeabsichtigt. Oft werden sie aus nostalgischen Gründen oder schlicht aus Bequemlichkeit nicht in Euro getauscht.

Jetzt haucht die Organisation "Peseta Solidaria" der alten Währung neues Leben ein. Wer sich online anmeldet, bekommt Besuch und kann die Altlast zu Gunsten von Lebensmittel-Tafeln loswerden. Euronews-Reporterin Lucia Riera hat eine Spendensammlerin bei ihren "Haustürgeschäften" begleitet.

Eine ältere Dame sagte bei der Abgabe ihes "Schatzes" vor ihrer Madrider Wohnung: "Man weiß nicht, wohin damit. Und so ist es wenigstens sinnvoll."

"Edles und großzügiges Ende"

Die Gründerin der "Peseta Solidaria", Laura Blanco, will der Währung mit der Aktion zu einem "edlen und großzügigen Ende" verhelfen. Mit wenig Aufwand können Bedürftige so unterstützt werden, sagte Blanco: "Trotz der Krise wollen viele anderen etwas geben. Velleicht haben sie keine Euros übrig, aber sie haben oft noch irgendwo Peseten, und das ist eine Möglichkeit zu helfen. Das reicht von einer Dame in Getafe, die eine Banknoten-Sammlung ihrer verstorbenen Schwester hergegeben hat, bis zu einem Herrn, der die Nachricht hörte, aber kein Internet und keine Mail-Adresse hat. Er rief die Lebensmittel-Tafel an und sagte: Ich habe acht Kilogramm Münzen, und ich möchte sie spenden."

Euronews-Reporterin Lucia Riera kommentierte in Madrid: "Nach offiziellen Angaben befinden sich noch immer umgerechnet 1.6 Milliarden Euro in Peseten wie diesen in spanischen Haushalten.Deshalb hat die Regierung die Frist für ihren Umtausch in Euro, die Ende dieses Jahres auslaufen sollte, bis kommenden September verlängert. Ein Grund zum Feiern für die Macher der 'Peseta Solidaria' , weil sie dadurch mehr Zeit haben, ihre Initiative weiter zu entwickeln."

Mittlerweile klärt Perseta Solidaria auch in anderen Sprachen über das Projekt auf. Hat man da vielleicht die britischen Urlauber und ihre Souvenirs im Visier?

12 Millionen Euro sind nur ein Bruchteil des Bestandes

Ihr Ziel ist es, 12 Millionen Euro zu sammeln. Eine dringend benötigte Hilfe für die Tafeln, deren Bedarf in diesem Jahr aufgrund der durch die Coronavirus--Pandemie ausgelösten Krise um 40 Prozent gestiegen ist. Auch das Profil derjenigen, die Hilfe brauchen, hat sich verändert.

Mila Benito ist die Marketing-Direktorin der spanischen "Tafel" und erläuterte: "Das sind Menschen, die arbeiten und trotzdem in Armut leben, was noch schlimmer ist, weil sie so geringe Gehälter haben, dass sie nicht über die Runden kommen. Mehrere Male habe ich Anrufe von Menschen entgegengenommen, die mir sagten, dass sie früher als Freiwillige für die Tafel gearbeitet haben. Jetzt rufen sie an, weil sie selbst Hilfe brauchen. Und es gibt ein zusätzliches Problem. Durch die Finanzkrise von 2008 haben viele Familien ihre Ersparnisse verloren."

In Spanien heißen die "Tafeln" Banco Alimentos. Sie werden offensiv von Prominenten wie der spanischen Torwart-Ikone Iker Casillas unterstützt. Er machte sich natürlich für die Tafeln in Madrid stark, wo Casillas bei Real Madrid zum Weltklasse-Keeeper reifte.

Schon vor der Pandemie lebten allein in Madrid 350.000 Menschen in Armut. Angesichts der zweiten Infektionswelle befürchten die Tafeln, dass die Krise im Januar ihren Höhepunkt erreichen wird.