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Immuntherapie gegen Covid-19: "Virus entschärfen, bevor es explodiert"

Covid-19: Intensivstation in Krankenhaus in Marseille
Covid-19: Intensivstation in Krankenhaus in Marseille   -   Copyright  Daniel Cole/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved
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In einem Appell in der französischen Zeitung "Le Monde" haben zwölf Medizin-ProfessorInnen gefordert, den Einsatz von Immuntherapien gegen Covid-19 für RisikopatientInnen zuzulassen. Es geht dabei um sogenannte "passive Immuntherapie" für vulnerable Menschen.

"Wie bei anderen Infektionen, z.B. Tetanus oder Tollwut, besteht die passive Immuntherapie darin, dem infizierten Patienten schnell Antikörper zu verabreichen, um die Infektion zu heilen. Die Infusion von Plasma von Genesenen, die gegen das SARS-CoV-2-Virus hyperimmunisiert sind, ist ein Beispiel für eine passive Immuntherapie", schreiben die Unterzeichner des Appells.

Diese Behandlung ermöglicht es, das Virus zu entschärfen und damit die Bombe zu entschärfen, bevor sie explodiert.
Prof. Djilali Annane
Intensivmediziner

Professor Djillali Annane, Leiter der Intensivstation des Krankenhauses Raymond-Poincaré in Garches bei Paris, hat die Kolumne mitunterzeichnet, in der die Zulassung der Immuntherapie gefordert wird. "Diese Behandlung ermöglicht es, das Virus zu entschärfen und damit die Bombe zu entschärfen, bevor sie explodiert", sagt Djillali Annane im Sender franceinfo.

Das Coronavirus kann eine unkontrollierte Entzündungsreaktion des Immunsystems - einen sogenannten Zytokinsturm - auslösen. Dieser kann die Funktion der Lunge und anderer Organe entscheidend beeinträchtigen.

Den französischen Forschern geht es um die Zulassung von Medikamenten zur Immuntherapie. "Mehrere Pharmakonzerne sind an diesem Wettlauf beteiligt, wie auch bei den Impfstoffen. Die Fähigkeit dieser Antikörper-Medikamente, den Eintritt des Virus in die Zellen zu blockieren, wurde im Labor nachgewiesen und dann an kürzlich infizierten Patienten in klinischen Studien getestet, die den höchsten Standards der klinischen Forschung entsprechen (randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studien)", schreiben die zwölf Ärzte zum Beispiel des neuen "Bamlanivimab".

Diese Medikamente werden intravenös, nur bei der Gefahr einer schweren Erkrankung, verabreicht, erklärt Professor Annane.

Sachsen sucht von Covid-19 genesene Plasmaspender

Der DRK-Blutspendedienst in Sachsen sucht laut der Sächsischen Zeitung dringend Menschen, die eine durch einen Arzt oder Labor bestätigte Infektion mit Sars-CoV-2 ausgestanden und seit mindestens vier Wochen keine Symptome mehr haben. Sie sollen sich als mögliche Spender von Blutplasma melden. Denn damit können sie akut erkrankten Covid-19-Patienten bei schwerem Verlauf helfen, teilt DRK-Sprecherin Kerstin Schweiger mit.

Da sich die Zahl der Covid-19-PatientInnen in Sachsen in den vergangenen Wochen weiter erhöht hat, werden mehr Plasma-SpenderInnen, die das Virus bereits hinter sich haben, gesucht.

In den USA bekommen die Spenderinnen und Spender - die ebenfalls eine bestätigte Infektion hinter sich haben müssen - bis zum 15. Januar 2021 einen 25-Dollar-Walmart-Geschenk-Gutschein und eine Fleece-Decke.

BioNTech forscht seit Jahren an Immuntherapie gegen Krebs

Das Mediziner-Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci arbeitet mit ihrer Firma BioNTech seit mehreren Jahren am individualisierten Einsatz von Immuntherapien für Krebs-Patientinnen und -Patienten. Dabei wollen sie die Behandlung jeweils auf die genetische Mutation von Krebszellen anpassen, die bei jeder Patientin und jedem Patienten anders ist.

Der Durchbruch gelang BioNTech mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus.

Auf der BioNTech-Internetseite steht: "Wir wollen Immuntherapien bei Patientenpopulationen breiter einsetzen, die von derzeit verfügbaren Immuntherapien nicht profitieren können. Das betrifft zum Beispiel Tumore mit niedriger Mutationslast wie Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs, die wir mit tumorassoziierten Antigenen bekämpfen wollen. (...) Wir planen, die Produktion individualisierter „On-Demand“ Immuntherapien für den kommerziellen Einsatz zu ermöglichen."

Auf dem Markt sind diese neuartigen Medikamente derzeit noch nicht.