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Die Portugiesen in der Schweiz sind sauer - wegen der Risikoliste

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Portugiesischer Laden in Genf
Portugiesischer Laden in Genf   -   Copyright  SRF Screenshot
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An diesem Donnerstag meldet das Schweizer Bundesamt für Gesundheit erneut eine sehr hohe Zahl von täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus - nämlich 5.041. Am Mittwoch waren es 5.086 gewesen.

Die Zahl der Todesfälle innerhalb von 24 Stunden lag wie am Vortag bei 87.

Die 14-Tage-Inzidenz in der gesamten Schweiz wird mit 608.68 pro 100.000 Einwohner angegeben. Zum Vergleich: Die europäische Behörde ECDC gibt diese für Deutschland mit 311 an, Österreich kommt auf 557, in Italien liegt sie bei 479, in Frankreich bei 230.

Schweizweit ist die 14-Tage-Inzidenz derzeit im Kanton St. Gallen am höchsten mit 879, gefolgt vom Tessin mit 852.

Am 6. Dezember hatten Aktivistinnen und Aktivisten vor dem Parlament in Bern 5.000 Kerzen aufgestellt für die mehr als 5.000 Menschen, die in der Schweiz an oder mit Covid-19 gestorben sind.

An diesem Donnerstag erklärt das BAG, dass 14 Prozent der Covid-19-Patientinnen und -Patienten in den Krankenhäusern keine Vorerkrankungen hatten.

Kein schweizweiter Lockdown?

Die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK-N) hat sich gegen strengere Maßnahmen für die gesamte Schweiz ausgesprochen. Die Einschränkungen sollten auf die Kantone mit hohen Fallzahlen begrenzt bleiben, findet die Parlamentskommission.

An diesem Freitag wollte der Bundesrat - also die Schweizer Regierung - über einen eventuellen Lockdown entscheiden.

Wut bei den Portugiesen

Die Lage ist kritisch, umso größer ist das Unverständnis in der portugiesischen Community. Ab Montag müssen Portugiesen, wenn sie von einem Besuch in ihrer alten Heimat zurückkehren, in der Schweiz in Quarantäne gehen. Denn Portugal steht nun auch auf der Risiko-Liste des Bundesamtes für Gesundheit.

Auch der Zeitpunkt sorgt für Unmut: Weihnachten steht vor der Tür. Viele Portugiesen wollen ihre Familien besuchen.

Teresa Dinis arbeitet in einem Café:

Wir haben wirklich nicht erwartet, dass wir bestraft werden und in dieser Zeit des Jahres nicht nach Hause können. Das macht alle Portugiesen in der Schweiz sehr traurig, glaube ich.
Teresa Dinis
Portugiesin

Umstrittene Risiko-Liste

Auf der Quarantäneliste werden Staaten und Gebiete aufgeführt, deren Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Personen in den letzten zwei Wochen um 60 Fälle höher war als diejenige der Schweiz.

Das trifft auf Portugal und auf Polen allerdings nicht zu: So hatte Portugal in den letzten 14 Tagen eine Inzidenz von 565, die Schweiz von 740.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit verteidigt seine Quarantäneliste: Die Fallzahlen in Portugal und Polen hätten am Stichtag die Voraussetzungen erfüllt. Nur: Der Stichtag war am 2. Dezember, mittlerweile sind die Zahlen rückläufig.

Petition mit 8.000 Unterschriften

Bevor die Regel in Kraft tritt, formiert sich Widerstand. In einer Onlinepetition fordert Samuel Soares die Streichung Portugals von der Quarantäneliste.

Derzeit sinken die Zahlen in Portugal schneller als die in der Schweiz. Deshalb ist klar, dass das Risiko sich in der Schweiz anzustecken, ab Montag höher ist als in Portugal.
Samuel Soares
Initiator

Er arbeitet seit sechs Jahren in der Schweiz, seine Eltern leben in Portugal. Soares hat seit Freitag bereits mehr als 8000 Unterschriften erhalten.