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Krankenhaus-Personal überlastet: Covid-19-Patient (47) auf Intensivstation gestorben

Intensivstation in einem Parkhaus in Israel
Intensivstation in einem Parkhaus in Israel   -   Copyright  Oded Balilty/Associated Press
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In Tel Aviv in Israel ist ein 47-jähriger Mann auf der Intensivstation gestorben. Der an Covid-19 schwer Erkrankte war am Freitag mehrere Minuten lang nicht mehr beatmet worden, nachdem sich ein Schlauch gelöst hatte. Das Personal hat das Problem nicht gleich bemerkt, weil zu viele Alarme auf der Intensivstation gleichzeitig losgingen. Das erklärte das Ichilov-Krankenhaus an diesem Sonntag laut TIMES OF ISRAEL in einer Mitteilung. "Wir erleben eine schwere Belastung, die das Personal hart trifft. Die Krankenhausleitung hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet und wird die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen." Der Patient starb wenige Stunden nach der Unterbrechung der Beatmung.

Das Krankenhaus hat der Familie sein Beileid ausgesprochen, wie Israel National News meldet. Der verstorbene Patient hinterlässt eine Frau und fünf Kinder, das jüngste ist sechs Jahre alt.

Doch nicht nur in Israel arbeiten die Beschäftigten auf den Intensivstationen am Limit und darüber hinaus.

"Nie erlebte Belastung" an der Charité in Berlin

Es gebe eine "nie erlebte Belastung" der Mitarbeiter, erklärte die Leitung der Berliner Charité dem Tagesspiegel. Die Charité ist ein sogenanntes Level-I-Krankenhaus, in das besonders schwere Fälle von Covid-19 vorrangig verlegt werden. Mitte Januar wurden etwa 150 Corona-Patientinnen und -Patienten dort behandelt. Allerdings fallen auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus, weil sie sich selbst mit dem Coronavirus infiziert haben.

Da es an Pflegepersonal fehlt, sollen an der Charité Assistenzärztinnen und -ärzte in der Intensivpflege eingesetzt werden. Das geht aus einer Mitteilung des Krankenhauses hervor, über die t-online berichtet. Doch die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung sind nicht für die hochspezialisierte Arbeit auf der Intensivstation ausgebildet. Schon zuvor seien nicht für die Intensivpflege ausgebildete Personen eingesetzt worden, berichtet ein Arzt, der anonym bleiben möchte. "Wir haben alle Maßnahmen zur Rekrutierung von Pflegekräften ausgeschöpft", erklärt die Charité. Ausprobiert würden jetzt "Einarbeitung von Studierenden" und "Aufrufe in den Medien".

Der Personalrat der Charité Jörg Pawlowski beschreibt die physisch und psychisch schwierige Situation mit vielen Menschen, die an Covid-19 sterben, während das Personal unter Druck steht, im Interview mit Web.de. "Die Situation in der Pflege war vorher schon angespannt und ist es jetzt umso mehr. Wir können das nur stemmen, indem Personal aus anderen Abteilungen wie zum Beispiel der Orthopädie oder der Urologie bei der Behandlung der COVID-19-Patienten einspringt. Sie müssen eingearbeitet werden, aber die Einarbeitungszeit ist kurz, selbst für den Umgang mit komplizierten, organersetzenden Maschinen wie der ECMO."

Pawlowski meint, dass es gelte, die Fachpflegekräfte als "absolute Profis" mehr zu schätzen: "Wird ihr Wert für die Gesellschaft nicht erkannt, sage ich voraus, dass spätestens nach der Pandemie viele Menschen in diesem Beruf aufhören werden, weil sie sich sagen: Unter diesen Bedingungen möchte ich nicht arbeiten."

Impfen in Israel ein Erfolg - Fiasko in anderen Bereichen

In Israel sind offiziellen Angaben zufolge 3.959 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Gleichzeitig hat das Land prozentual viel mehr Einwohnerinnen und Einwohner geimpft als anderswo auf der Welt. So hatten bereits am Donnerstag 75 Prozent der über 60-Jährigen die erste Dosis erhalten. Wie HAARETZ in einem Kommentar schreibt, ist die Impfstrategie in Israel ein Erfolg, in anderen Bereichen sei der Kampf gegen das Coronavirus aber ein Fiasko. So habe der Transportminister mit 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem kleinen Raum seinen Geburtstag gefeiert. Die Zahl der Neuinfektionen war mit 8.000 - 9.000 täglichen Fällen weiterhin hoch. Der HAARETZ-Journalist Amos Harel meint auch, dass eine wirkliche Lösung nicht in Sicht sei, solange Kinder nicht geimpft werden könnten.

Weitere Quellen • Tagesspiegel, t-online, web.de