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Lost generation? "Noch nie so alleine gefühlt" - Studierende in der Corona-Krise

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Lost generation? "Noch nie so alleine gefühlt" - Studierende in der Corona-Krise
Copyright  Caroline Blumberg/MTI/MTVA
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Viele Studierende in Frankreich leiden enorm unter der Corona-Pandemie. Ange-William Etienne kommt aus der Elfenbein-Küste. Die meiste Zeit verbringt der Jura-Student in seinem Zimmer im Studentenwohnheim. Seit er seinen Job verloren hat, hat Etienne Ange Mühe, über die Runden zu kommen.

Der Student erklärt: "All meine Zimmernachbarn hier sind zu ihren Eltern gefahren. Ich fühle mich alleingelassen und mache mir Sorgen um meine Zukunft. So alleine habe ich mich noch nie gefühlt. Sie haben uns gesagt, wir sollten die Psychologin anrufen, aber wenn 30.000 Studierende die eine Psychologin anrufen."

Alle Kurse und Vorlesungen finden im Internet statt - das funktioniert mal mehr und mal weniger gut.

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Jurastudent Ange-William Etienne in LyonEuronews

Ange-William Etienne sagt: "Manche Professoren stellen die Kurse einfach online. Einige erklären etwas, andere nicht. Dann müssen wir irgendwie damit klarkommen. Ich lerne jetzt weniger und bin kaum noch motiviert."

"Lost generation"?

In vielen Ländern in Europa ist wegen der Corona-Pandemie die Rede von der "lost generation", der verlorenen Generation. Nicht alle Studierenden schaffen es, sich den düsteren Aussichten mit Energie entgegenzustellen.

Zwei Selbstmordversuche in einer Woche in Lyon

Ein Drittel der Studentinnen und Studenten in Frankreich haben Umfragen zufolge seit dem Lockdown psychologische Probleme. Vorher waren es etwa 20 Prozent. Allein in Lyon hat es in einer Woche zwei Selbstmordversuche von Studierenden gegeben.

An vielen Unis organisieren sich die Studierenden selbst, es gibt Tafeln und solidarische Läden, in denen Lebensmittel verteilt oder günstiger abgegeben werden.

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Studierende organisieren Lebensmittel-TafelnEuronews

Ein Student, der lieber anonym bleiben will, meint: "Ohne dieses System würde ich mich ruinieren. Jetzt kann ich immerhin etwas Geld beiseite legen."

Immer mehr Bedarf an Telefon-Hotlines

Ärztinnen und Ärzte in psychiatrischen Kliniken sowie Telefon-Hotlines bestätigen, dass immer mehr Studierende nach Hilfe suchen und ihre Dienste in Anspruch nehmen.

Dr. Eve Becache vom psychiatrischen Krankenhaus Le Vinatier in Lyon sagt: "Natürlich gibt es psychologische Probleme, Unsicherheit und auch Depressionen. Das Extremste ist, wenn uns jemand anruft, wenn er oder sie am Fenster steht, um zu springen. Dann schicken wir den Rettungswagen und die Polizei."

Präsident Emmanuel Macron hat angekündigt, dass die Studierenden ab Ende Januar wieder einen Tag pro Woche in die Unis dürfen. Auch die psychologische Hilfe soll ausgebaut werden. Zudem sollten alle Studierende eine Mahlzeit für einen Euro in der Mensa bekommen.

Doch ein zurück auf Normal gibt es in absehbarer Zeit für die Studierenden nicht.

Wenn Sie selbst deprimiert sind, können Sie sich in Deutschland per Chat, Mail oder telefonisch kostenlos und anonym unter 0800/111 0 111 beraten lassen. Ein muslimisches Beratungstelefon gibt es rund um die Uhr unter 030 - 44 3509 821 (oder wenn nicht in Deutschland: 0049 - 30 / 44 35 09 821). In Österreich können Sie sich unter der Telefonnummer 142 beraten lassen oder im Internet. In der Schweiz hilft die Dargebotene Hand im Internet und unter der Telefonnummer 143.

Journalist • Kirsten Ripper