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Jonas Kaufmann an der Bastille: Aida, ein Drama wie ein Filmepos

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Jonas Kaufmann an der Bastille: Aida, ein Drama wie ein Filmepos
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Eifersucht, Verrat, Liebe bis in den Tod: Das ist Verdis Oper Aida. An der Pariser Bastille in einer Produktion der niederländischen Regisseurin Lotte de Beer mit Sopranistin Sondra Radvanovsky in der tragischen Titelrolle und Tenor Jonas Kaufmann als ihrem Liebhaber.

Opern so prächtig wie ein Gemälde - besonders die Werke Giuseppe Verdis sind bekannt für ihre vielschichtigen Klangfarben. Wie in der weltberühmten Oper über die äthiopische Sklavin Aida. Doch zwischen Triumphmarsch und opulenten Chören verbirgt sich eine Tragödie.

"Es handelt von Enttäuschungen, Eifersucht, verschmähter Liebe und Kurzschlusshandlungen junger Menschen, die sich eben von ihren Gefühlen hinreißen lassen", meint Tenor Jonas Kaufmann.

Marionetten auf der Bühne: beängstigend, faszinierend und auch berührend

Die Uraufführung von Giuseppe Verdis „Aida“ fand 1871 am Opernhaus in Kairo anlässlich der Eröffnung des Suezkanals statt. Schauplatz der Oper ist das antike Ägypten zur Zeit der Pharaonen. Giuseppe Verdi setzt den Pomp der ägyptischen Lebenswelt musikalisch mit großen Chören in Szene. Zu den Triumphmärschen ertönen Trompeten und Trommeln, Loyalitäts- und Liebeskonflikte werden von Bläsern und Streichern untermalt.

Schluss mit Pyramiden, Pharaonen, Elefanten. Für die Produktion an der Pariser Bastille hat die niederländische Regisseurin Lotte de Beer alle Stereotypen hinter sich gelassen.

"Ihr Ausgangspunkt ist das Ungleichgewicht im 19. Jahrhundert, zwischen einem Europa, in dem westliche Mächte dominierten, und Völkern, die kolonisiert werden sollten, was zu großen Spannungen führte", so Bariton Ludovic Tézier. "Die Figuren der Aida und ihrem Vater Amonasro werden durch große Marionetten dargestellt, die neben uns bewegt werden. In der Aufführung werden sie zu unseren Doppelgängern. Das ist gleichzeitig beängstigend, faszinierend und berührend, weil sie nicht wirklich lebendig sind."

Sopranistin Sondra Radvanovsky meint: "Es ist fast so, als wäre ich die Erzählerin, die die Geschichte von außen betrachtet."

Zwischen Sandalenfilm und Bergman-Kino

„Aida“ ist ein Drama über die unmögliche Entscheidung zwischen Liebe und patriotischer Pflicht: Die Titelheldin, eine von den Ägyptern gefangene und versklavte äthiopische Prinzessin, und Ramades, ein ägyptischer Feldherr, begehen einen Verrat: Radames verrät aus Liebe zu Aida sein Volk, während Aida aus Pflichtgefühl zu ihrem Vater ihren Geliebten verrät.

Eine Oper, die schon immer begeistert hat: In seiner nie enden wollenden Suche nach menschlicher Wahrheit erreicht Verdi in Aida eine Reife, die inneren Konflikte der Figuren haben durch bewegende Arien eine tief empfundene Aufrichtigkeit.

"Für mich ist es eines der großen Wunder dieser Oper, dass sie so gewaltig wirkt wie ein Sandalen-Film aus Hollywood, aber gleichzeitig sehr intime, spannungsgeladene und auch psychologische Momente enthält, fast wie in einem Bergman-Film", sagt Ludovic Tézier.

Ein Drama wie ein Filmepos. Mit einem Ende, bei dem der gefangen genommene Held zur Strafe in einer Pyramide eingemauert wird. Aida folgt ihrem Geliebten in den Tod. Dazu meint Jonas Kaufmann:

"Dieser Moment, wo die beiden phantasieren, wahrscheinlich schon mit mit Sauerstoffmangel. Dass sich für sie jetzt der Himmel öffnet und die geknechtete Seele den Weg nach oben findet. Also das ist schon, das hört sich ein bisschen dick aufgetragen an, bis man die Musik dazu hört und dann stimmt es wieder."

Und Sondra Radvanovsky sagt: "Ich würde gerne wissen, ob Aida den Tod wirklich gewählt hat, ob sie Angst vor dem Tod hat oder ob sie ihn herbeisehnt. Glaubt sie an ein Leben nach dem Tod, dass sie zusammen an einem besseren Ort sein werden? Ich würde gern wissen, wie es weitergeht."