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Gepanschte Substanzen - Interpol warnt vor gefälschten Impfstoffen

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Von Blanca Castro
Beschlagnahmte Ampullen mit gefälschtem Covid-19-Impfstoff in Campeche, Mexiko, am 17. März 2021
Beschlagnahmte Ampullen mit gefälschtem Covid-19-Impfstoff in Campeche, Mexiko, am 17. März 2021   -   Copyright  AP Photo
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Sie sind mit Wasser gesteckt oder enthalten unbekannte Substanzen - das weltweite illegale Geschäft mit gefälschten Covid-Impfstoffen wächst.

Angefangen hatte alles mit dem Verkauf von minderwertigen Masken und angeblichen Medikamenten gegen Covid-19 zu Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr. Mit dem Start der weltweiten Impfkampagnen haben sich kriminelle Banden schnell umorientiert. Sie bringen gefälschte Impfstoffe in Umlauf und nutzen so das Leid der Menschen aus.

Vor etwa zwei Wochen machte der internationale Flughafen von Campeche in Mexiko Schlagzeilen. Zoll- und Militärbehörden entdeckten in einem Privatflugzeug eine offenbar für Honduras bestimmte Lieferung von Sputnik-V-Impfstoffen. Doch bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich um fast 6.000 gefälschte Dosen des russischen Impfstoffs handelte, die in kleinen Kühlboxen versteckt waren.

Die Beschlagnahmung von gefälschten Impfstoffchargen ist mittlerweile zu einer der Hauptaufgaben von Interpol geworden. In anderen mexikanischen Bundesstaaten wie Nuevo Leon und Sonora wurde diese neue illegale Ware ebenfalls entdeckt. Seit Ende letzten Jahres ist die größte internationale Polizeiorganisation der Welt Covid-Impfstoff-Fälschernetzwerken in Mexiko und anderen Teilen der Welt auf der Spur.

In Südafrika wurden in der Provinz Gauteng etwa 2.400 gefälschte Dosen sowie eine Lieferung gefälschter FPP2-Masken der US-Marke 3M beschlagnahmt. In China haben die nationalen Behörden Mitte Februar dieses Jahres ein Netzwerk zerschlagen, das gefälschte Impfstoffe verkaufte. 80 Personen wurden verhaftet und mehr als 3.000 gefälschte Impfstoffe wurden in einer geheimen Fabrik gefunden. Diese Operationen wurden von Interpol unterstützt.

"Die Netzwerke hinter diesen Verbrechen haben globale Ambitionen. Kein Land und keine Region kann diese Art von Kriminalität allein bekämpfen. Interpol hilft den Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt, kriminelle Netzwerke sowohl zu identifizieren als auch zu zerschlagen", sagte Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock.

In einem Interview mit dem TIME-Magazin sagte Stock, er habe noch nie gesehen, dass sich kriminelle Banden mit solcher Agilität an eine Krise anpassen und von ihr profitieren, wobei die Gewinne im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen. Und der natürlichen Logik dieser neuen Praxis folgend, versuchen kriminelle Banden, Gesundheitsagenturen und Pflegeheime zu betrügen, laut Interpol, die sagt, dass sich die Berichte häufen.

Die finanziellen Konsequenzen sind das eine, aber ein weiterer Aspekt ist das Vertrauen der Menschen. Deshalb ist es wichtig, jetzt vorzubeugen, damit die Menschen darauf vertrauen können, dass sie, wenn sie sich impfen lassen, auch wirklich geimpft werden.
Ville Itala
Direktor des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF)

Nach Masken, Desinfektionsmittel und falschen PCR-Tests, richten Kriminelle ihre Aufmerksamkeit auf den Schwarzmarkt für Impfstoffe. "Das flüssige Gold im Jahr 2021 sind Impfstoffe, und wir sehen schon jetzt, dass sie zu einem immer wichtigeren Zielmarkt werden", sagte Stock dem US-Medienhaus und bezog sich dabei auf die Lieferketten für Impfstoffe.

Der Betrug mit den Covid-Impfstoffen begann bereits, bevor die Labore die echten Impfstoff entwickelten, die derzeit eingesetzt werden, um die Pandemie zu bekämpfen. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) hat jedoch festgestellt, dass sich diese betrügerischen Angebote in der Europäischen Union vervielfacht haben. Die Agentur hat dazu beigetragen, mehr als 1 Milliarde Dosen und Chargen fehlerhafter oder gefälschter Gesundheitsprodukte im Wert von schätzungsweise 14 Milliarden Euro seit der Eröffnung der Untersuchung im März letzten Jahres aufzudecken.

Versuchter Betrug bedrohen nicht nur Einzelpersonen oder Gesundheitszentren auf lokaler Ebene. OLAF stellte fest, dass es "von vielen staatlichen Quellen Informationen über Angebote von Zwischenhändlern zum Verkauf großer Mengen von Impfstoffen erhalten hat", und führt aus, dass die Identifizierung und Verfolgung dieser Beschwerden kompliziert ist, da die meisten von Unternehmen stammen, die in Ländern außerhalb der EU registriert sind.

Die Regierungen der Tschechischen Republik und Italiens haben mehrere Betrugsversuche gemeldet. Prag hat wiederholt berichtet, Angebote zum Kauf von Impfstoffen von AstraZeneca über angebliche Verkäufer in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten zu haben.

Die Region Veneto in Italien erhielt Angebote für 27 Millionen Dosen von anonymen Zwischenhändlern, was bei der Regierung die Alarmglocken schrillen ließ.

Wie Jürgen Stock weist auch der Direktor von OLAF, Ville Itala, darauf hin, dass die Fälschungen von Covid-Impfstoffen "ziemlich massiv" sind, und ist besorgt über die Auswirkungen, die die Zunahme von Betrügereien bei Impfkampagnen in den Mitgliedstaaten haben könnte.

"Die finanziellen Konsequenzen sind das eine, aber ein weiterer Aspekt ist das Vertrauen der Menschen. Deshalb ist es wichtig, jetzt vorzubeugen, damit die Menschen darauf vertrauen können, dass sie, wenn sie sich impfen lassen, auch wirklich geimpft werden", sagte Itala.

Itala berichtete, dass Menschen, die Ihre Internetbestellung erhalten haben, teilweise eine leere Schachtel bekommen haben.

Interpol erinnert die Bürger daran, dass es derzeit keine zugelassenen Impfstoffe für den Online-Verkauf gibt. Alle auf Websites beworbenen Impfstoffe sind nicht seriös, wurden nicht getestet und können gefährlich sein. Jeder, der diese Substanzen kauft, setzt sich einem Risiko aus und gibt sein Geld dem organisierten Verbrechen.
Interpol
Veröffentlicht am 3. März 2021

Wie funktioniert das mit den gefälschten Impfstoffen?

Besonders in den Entwicklungsländern rechnet Interpol mit einer Zunahme des Schwarzhandels mit falschen Impfstoffen. In diesen Ländern verfügen die Behörden in einigen Fällen nicht über die nötige Infrastruktur, um die Flut der betrügerischen Online-Anzeigen zu bewältigen.

Interpol erklärt, dass diese Netzwerke Websites und soziale Netzwerke entwerfen oder kapern und sich als nationale oder internationale Organisationen ausgeben, die Vorbestellungen für Coronavirus-Impfstoffe anbieten.

In einigen Fällen bieten sie die Zahlung mit Bitcoins und Online-Zahlungsplattformen an. Sie verwenden oft die Logos bekannter Pharmaunternehmen.

Rory Corcoran, stellvertretender Direktor für diese Art von Kriminalität, sagte gegenüber Nachrichtenagentur Efe, dass "Kriminelle nicht nur Impfstoffe verkaufen, sondern auch persönliche Daten stehlen wollen".

In den bereits zerschlagenen Netzwerken haben die Mitglieder nach Schätzungen von Interpol etwa zwei Millionen Euro verdient, aber die Ermittlungen gehen weiter, um die möglichen Verästelungen ihrer Aktivitäten zu verfolgen.

Die Kriminalität im Zusammenhang mit der Gesundheitskrise hat auch zu Angriffen auf die Computersysteme von Krankenhäusern, Laboren und Kommunalverwaltungen geführt, die den Zugang zu ihren Daten blockieren. In den meisten Fällen wird Lösegeld verlangt, um die Daten freizuschalten.

"Da kriminelle Banden gefälschte Impfstoffe herstellen, vertreiben und verkaufen, sind die Risiken für die Öffentlichkeit klar: Die Produkte schützen nicht nur NICHT vor Covid-19 schützt, sondern bei Einnahme oder Injektion können sie eine ernsthafte Gesundheitsgefahr darstellen. Diese Produkte werden nicht getestet und unterliegen keinen Sicherheitskontrollen", warnt eine Interpol-Erklärung.

Zusammengepanschte Substanzen - eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit

Die mexikanische Bundeskommission zum Schutz vor Gesundheitsrisiken (Cofepris) hat erklärt, dass die Käufer in den meisten Betrugsfällen keine Lieferung erhalten, in anderen Fällen bekommen sie abgefülltes Wasser statt eines Medikaments. Cofepris warnt, dass zusammengepaschte Substanzen aufgetaucht sind, die aus Laboren ohne Zertifizierung stammen. Solche Substanzen können ein hohes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen.

Mexikanische Behörden haben eine Jagd auf Websites gestartet, die vermeintliche Dosen von Pfizer, AstraZeneca oder Moderna verkaufen. Sie erinnern die Bevölkerung daran, dass nur die Regierungen Zugang zu den Impfstoffen haben, die ausschließlich in autorisierten und klar gekennzeichneten Gesundheitszentren angeboten werden.

Die Behörden versuchen weltweit, so viele verdächtige Substanzen, gepanschte oder verdorbene Dosen wie möglich abzufangen.

Die Verzweiflung die Bürger:innen wird häufig für Betrügereien ausgenutzt, vor allem durch Fehlinformationen in sozialen Netzwerken. Vorsicht ist geboten, selbst wenn es sich im besten Fall nur um Wasser handelt, dass einen verabreicht wird. Trotz der nur langsam voranschreitenden Impfungen, die Gewissheit, eine echte Impfdosis zu erhalten, ist wichtiger als eine Vergiftung zu riskieren.

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