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"Sanfter Riese" oder "high" - Wer war George Floyd?

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Von Kirsten Ripper mit AFP, AP
Erinnern an George Floyd
Erinnern an George Floyd   -   Copyright  Brian Peterson/2019 Brian Peterson/Star Tribune
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Wer war George Floyd, dessen Tod 2020 weltweit Proteste ausgelöst hat?

Vor Gericht in Minneapolis hat Anfang April 2021 die Lebensgefährtin des 46-jährigen George Floyd ausgesagt. Courteney Ross berichtete, wie sie ihn 2017 kennengelernt hatte: er war Sicherheitsmann in einem Obdachlosenheim - und er schlug ihr vor, zusammen zu beten.

Wegen chronischer Schmerzen nahmen beide starke Schmerzmittel ein - und wie Millionen Menschen in den USA waren Courteney Ross und George Floyd von diesen Medikamenten abhängig - wie die Lebensgefährtin vor Gericht aussagte. Er sei wegen der Abhängigkeit auch im Krankenhaus gewesen.

Ross war die erste, die in dem Prozess vom Leben des 46-Jährigen vor seinem Tod sprach.

Die Anwälte des angeklagten Polizisten Derek Chauvin versuchen - zur Wut der Familie von George Floyd - dessen Tod als Folge gesundheitlicher Probleme und der Medikamentensucht darzustellen. Darüber ist Floyds Familie sehr wütend.

Beim Prozess meinte auch der Angestellte des Ladens, in dem George Floyd vor seinem Tod Zigaretten kaufen wollte, er habe ein wenig verstört gewirkt. Offenbar hatte Floyd Mühe, eine einfache Frage zu beantworten.

Auf der Facebook-Seite von Euronews haben wir nach dem Tod von George Floyd wütende Kommentare bekommen, weil wir vorher nicht berichtet haben, dass George Floyd wegen eines Raubüberfalls eine Haftstrafe abgesessen hat. Er sei ein "Schwerkrimineller" gewesen - doch selbst wenn das der Fall wäre, rechtfertigt das seinen Tod? Enthalten solche Kommentare nicht den alltäglichen Rassismus, mit dem viele nicht-weiße Menschen in den USA und in Europa leben müssen? Die Reaktionen anderer User auf die Kommentare zeigen, dass eine Diskussion in Gang gekommen ist zum Thema "Black Lives Matter" (jetzt auch abgekürzt als BLM) - ausgelöst durch den Tod eines schwarzen US-Amerikaners in Minnesota.

An seinem Sarg können viele die Tränen nicht zurückhalten.

Godofredo A. Vásquez/Copyright 2020 Godofredo A. Vásquez/HOUSTON CHRONICLE. All rights reserved.
Trauerfeier in HoustonGodofredo A. Vásquez/Copyright 2020 Godofredo A. Vásquez/HOUSTON CHRONICLE. All rights reserved.

Das Video und die 9 Minuten

Der Name von George Floyd ist für immer verbunden mit dem Video, in dem der 46-Jährige 9 Minuten lang zwischen Autos auf der Straßen liegend von einem Polizisten das Knie in den Nacken gedrückt bekommt. Er kriegt keine Luft und sagt "I can't breathe". Wenige Stunden später ist er tot - das war am 25. Mai 2020.

Die Beschäftigten eines Lebensmittelgeschäfts hatten die Polizei gerufen, weil Floyd Zigaretten mit einem falschen 20 Dollar Schein bezahlt haben soll. George Floyd saß noch in seinem Auto, als die Polizisten etwa eine halbe Stunde später eintrafen.

Zwei Tage später ging das Video der Festnahme durch die Welt.

George Floyd war auf der Suche nach einem Job nach Minneapolis gekommen. Bekannte berichten, er habe von einem eigenen Restaurant geträumt. In der Corona-Krise hatte er seinen Job als Türsteher verloren.

Er war am 14. Oktober 1973 in Fayetteville in North Carolina geboren, doch seine alleinerziehende Mutter zog mit ihm nach Houston in Texas, als er noch klein war. Aufgewachsen ist George im Vorort Third Ward, in dem vor allem Menschen lebten, die sich anderswo keine Wohnung leisten konnten. Die Mutter ist vor zwei Jahren gestorben, doch vor seinem Tod ruft der 46-jährige Sohn nach ihr - und hat damit viele auf aller Welt bewegt.

Ein sportlicher Jugendlicher und "sanfter Riese"

Sein Spitzname war "Big Floyd". Ein Freund nannte ihn einen "sanften Riesen". George Floyd war über den Sport - als guter Basketball- und Football-Spieler - von der Yates High School an die Uni gekommen - wie viele afroamerikanische Jugendliche.

Donnell Cooper - der George Floyd aus der High School kennt - beschreibt ihn als "quiet personality but a beautiful spirit", als jemanden, der eine ruhige Persönlichkeit hatte - und sehr gutmütig war.

Es gibt offenbar sogar ein Video, das George Floyd 1992 beim Football zeigt.

Doch George Floyd blieb nicht lange an der Uni, er versuchte sich als Rap-Musiker und wurde 2007 bei einem Raubüberfall erwischt. Einer seiner fünf Kumpel hatte sich als Mitarbeiter der Wasserwerke ausgegeben und so Zutritt zur Wohnung einer Frau verschafft. Laut US-Justiz hat Floyd die Frau mit einer Waffe bedroht. 2009 wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Harris, ein Freund aus Kinderzeiten, sagte in THE GUARDIAN, er selbst und einige andere seien auf der Suche nach Jobs 2014 nach Minneapolis gezogen. Er habe Floyd dazu überredet, ebenfalls dorthin zu ziehen, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war. Floyd habe zeitweise zwei Jobs gehabt, einen als Lkw-Fahrer und einen anderen als Türsteher im Conga Latin Bistro.

"Er war bei allen meinen Mitarbeitern und Kunden beliebt“, sagt sein Chef in den US-Medien. Floyd habe ihn "Bossman" genannt, was Jovanni Thunstrom abgelehnt habe, er sei doch sein Freund gewesen.

Als Thunstrom das Video sah, habe er zunächst nicht glauben können, dass es sich um George Floyd handelt. Er sei ein "sehr netter Kerl und wirklich gut mit Kunden" gewesen.

George Floyd soll fünf Kinder gehabt haben, darunter einen erwachsenen Sohn und zwei Töchter im Alter von 22 und sechs Jahren, die in Houston leben.

13 Mio Dollar Crowdfunding für seine Kinder

George Floyds Schwester Philonise sammelt auf der Crowdfunding Plattform "Go Fund Me" Geld für die Familie und die Universitätsausbildung seiner Kinder. Dort sind bereits mehr als 13 Millionen Dollar eingegangen. Die Schwester schreibt dort: "Meine Familie und ich haben mit absolutem Entsetzen gesehen, wie sich das inzwischen berüchtigte und schreckliche Video schnell in den sozialen Medien verbreitete. Was wir darauf sahen, versetzte uns in einen Schock. (...) Dieser Fonds wurde eingerichtet, um die Beerdigungs- und Bestattungskosten, die psychologische und Trauerberatung, Unterkunft und Reisen für alle Gerichtsverfahren zu decken und um unsere Familie in den kommenden Tagen zu unterstützen, während wir weiterhin Gerechtigkeit für George suchen. Ein Teil dieser Gelder geht auch an den Nachlass von George Floyd zum Wohle und zur Betreuung seiner Kinder und ihres Bildungsfonds."

Die NZZ hat die Geschichte von George Floyd auch in einer Art Comic-Bericht nachgezeichnet.