Eilmeldung
Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Covid-19 in Indien: Nicht genug Krankenhaus-Betten, nicht genug Sauerstoff

Covid-19-Patientin mit Sauerstoffmaske in Indien
Covid-19-Patientin mit Sauerstoffmaske in Indien   -   Copyright  Ajit Solanki/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Schriftgrösse Aa Aa

In Indien ist den driten Tag in Folge mit mehr als 330.000 nachgewiesenen Ansteckungen ein weiterer Rekord an Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Zahlreiche lokale Medien berichten, dass in Neu-Delhi Familein verzweifelt nach Plätzen in Krankenhäusern für ihre schwer erkrankten Angehörigen suchen und dass viele Patientinnen und Patienten vor den Kliniken stundenlang warten müssen.

Auch über die sozialen Medien versuchen viele, Krankenhaus-Betten und Sauerstoff zu finden wie die Ärztin Dr. Radhika Bansal, deren Schwiegermutter an Covdi-19 erkrankt ist.

Dr. Atul Gogia erklärt der BBC, dass Krankenwagen mit schwer Erkankten vor dem Sir Ganga Ram Hospital in Neu-Delhi darauf waren müssen, dass Betten frei werden, weil es keinen Platz mehr gibt. Es werde versucht Covid-19-Patientinnen und Patienten zu entlassen, sobald ihr Zustand relativ stabil sei.

AP/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
An Covid-19 Verstorbene werden verbranntAP/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Die Krematorien sind wegen der vielen an Covid-19-Verstorbenen überlastet. Die Aufnahmen des Verbrennens vieler Leichen gehen um die Welt.

Probleme mit dem Sauerstoff

Der Mediziner Gogia bestätigt auch, dass es Probleme mit der Sauerstoff-Versorgung gibt.

Sauerstoffhändler Anjan Prasad Majumdar in Kolkata sagt laut dpa, er erhalte 250 bis 300 Anrufe pro Tag, könne der Nachfrage aber nicht nachkommen. Ein Behälter für 115 Atemzüge koste bei ihm 7 bis 11 Euro. Seine Kunden hätten erzählt, dass sie schon Angebote erhalten hätten, die um ein Vielfaches höher gewesen seien.

Beim Brand auf einer Intensivstation in Virar sind mindestens 13 Menschen gestorben. In der Stadt Nashik gab es Probleme mit undichten Sauerstoff-Flaschen, die zum Tod von mindestens 20 Covdi-Patientinnen und -Patienten führten.

AP/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Schlangestehen für Sauerstoff in Neu-DelhiAP/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Nicht nur in den sozialen Medien kursieren Geschichten von einem Schwarzmarkt für Sauerstoff und Medikamenten. Offenbar werden 100 Milligramm Remdesivir für umgerechnet 330 Euro, das Sechsfache des offiziellen Preises, angeboten. Dabei ist die Wirkung dieses Medikaments gegen Covid-19 umstritten.

Auf Twitter fordert ein Mediziner aus den USA, wegen des "raketenhaften" Anstiegs der Fälle in Indien - die möglicherweise auf die Variante des Coronavirus zurückzuführen seien - sollten alle anderen Staaten dem Land helfen - zum Beispiel durch Impfstoffe.

"Kollaps des Gesundheitssystems"

Im Guardian ist vom "Kollaps des Gesundheitssystems" die Rede - und von der "Covid-Hölle". In Mumbai, der ersten Stadt, die von der zweiten Welle betroffen war, sagte Dr. Jalil Parkar vom Lilavati Krankenhaus, dass "das gesamte Gesundheitssystem zusammengebrochen ist und die Ärzte erschöpft sind". Es gebe nicht genug Betten, nicht genug Sauerstoff, nicht geng Medikamente, nicht genug Tests.

K Srinath Reddy, der Präsident der Public Health Foundation, macht die Poltik für die Lage verantwortlich. Er sagt: "Im Kampf gegen Corona wurde der Sieg vorzeitig verkündet, und diese überschwängliche Stimmung übertrug sich auf das ganze Land, vor allem auf die Politiker, die die Wirtschaft ankurbeln wollten und wieder in den Wahlkampf ziehen wollten. Und das gab dem Virus die Chance, wieder hochzukommen."

Weitere Quellen • BBC, Guardian