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Verbrennung von Covid-19-Todesopfern in Neu-Delhi

315.000 Ansteckungsfälle innerhalb von 24 Stunden: Mit dieser Zahl hat Indien einen weltweiten Höchstwert innerhalb der Coronavirus-Pandemie aufgestellt. Gemeldet wurde dieser am Donnerstag.

Viele Krankenhäuser sind vollkommen überlastet, gewarnt wird vor Sauerstoff-Knappheit, die dafür sorgen könnte, dass viele weitere Menschen, die in Krankenhäusern behandelt werden, ums Leben kommen.

Das Gesundheitssystem und die Bestatter:innen sind völlig überlastet. Jeden Tag sterben derzeit rund 2000 Menschen in Indien an Corona. Immer mehr Leichen werden verbrannt - aus Platzmangel. Der Bestatter Rajesh Kumar sagt: "Ich verbrenne jeden Tag 30 bis 40 Leichen. Vor ein paar Tagen bin ich dreimal umgekippt, weil ich so viel arbeiten muss."

In absoluten Zahlen hat Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern knapp 16 Millionen Infektionen erfasst. Das Land ist damit hinter den USA am härtesten von der Pandemie betroffen. Die USA haben insgesamt 31 Millionen Infektionen gemeldet. Mehr als 184.000 Menschen starben in Indien nach offiziellen Zahlen in Verbindung mit dem Coronavirus. Die Dunkelziffer, also die Zahl nicht erfasster Fälle, unterscheidet sich von Land zu Land stark.

Die Gesundheitsversorgung in mehreren Teilen Indiens ist am Limit. Im ganzen Land versuchen Menschen verzweifelt, Krankenhausbetten, medizinischen Sauerstoff und Medikamente für ihre Verwandten zu finden. Gesundheitsminister Harsh Vardhan kündigte am Mittwochabend an, dass die Zentralregierung dafür sorgen werde, dass besonders betroffene Gebieten, darunter auch die Hauptstadt Neu Delhi und die Finanzmetropole Mumbai, mehr medizinischen Sauerstoff erhielten.

Die Coronazahlen nehmen in Indien seit Wochen immer schneller zu. Schuld daran dürfte eine verbreitete Sorglosigkeit sein. Es gab lange Massenveranstaltungen für anstehende Regionalwahlen und religiöse Feste, bei denen Menschen keine Masken trugen und keinen Abstand hielten. Auch Virusmutationen dürften eine Rolle spielen. Die indische Variante B.1.617 steht bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Beobachtung. Auch in Deutschland wurden bereits einige Infektionen mit dieser Variante registriert.