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600 Kandidaten, kein Superman? Was Sie zur Wahl in Iran wissen sollten

Erbrahim Raisi gilt als aussichtsreicher Bewerber bei der Präsidentenwahl
Erbrahim Raisi gilt als aussichtsreicher Bewerber bei der Präsidentenwahl   -   Copyright  Ebrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Fast 600 Kandidaten und Kandidatinnen - ja auch 40 Frauen - haben sich eintragen lassen, um die Nachfolge von Präsident Hassan Ruhani als Präsident des Iran anzutreten. Ruhani darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Und nur sehr wenige Bewerber werden nach der Validierung durch den Rat der Verfassungshüter, - einem nicht gewählten Gremium, das für die Überwachung der Wahl verantwortlich ist - tatsächlich zur Wahl am 18. Juni zugelassen.

Laut der Tageszeitung Shargh zeigen "verschiedene Umfragen", dass "mehr als die Hälfte" der Wählerinnen und Wähler nicht zur Wahl gehen wollen - wohl aus Frust. "Kein Präsident hat seinen Job richtig gemacht", schimpft Ladenbesitzer Massoud in Teheran, "die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Das Leben unserer Jugend ist sehr schlecht (...) Die Drogenabhängigkeit ist katastrophal. Deshalb sind viele unsicher, denn wenn man wählt und dann nichts getan wird, ist das ein Verrat."

Die Regierungszeitung ruft dazu auf, "die Anwesenheit von Kandidaten (verschiedener) politischer Ausrichtungen in der Endausscheidung zu garantieren", um eine "enorme Beteiligung" zu erreichen. Überschattet wird der Wahlkampf natürlich auch von der Corona-Pandemie. Offiziellen Angaben zufolge sind 76.936 Menschen (Stand 17. Mai 2021) in Iran - einem Land mit etwa 83 Millionen Einwohern - an Covid-19 gestorben. Inzwischen wird mehr und mehr geimpft.

Ali Larijani: Das Land braucht keine "Superman-ähnlichen Versprechungen"

Als einer der letzten ließ sich der im Ausland wohl bekannteste Bewerber eintragen: Ali Laridschani ist ein früherer Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen mit der EU. Der ehemalige Parlamentssprecher sagte zu seiner Bewerbung, das Land brauche in der gegenwärtigen schwierigen Lage mehr als "populistische und Superman-ähnliche" Versprechungen.

Der 64-Jährige gilt als moderater Konservativer und vor allem als Gefolgsmann von Ajatollah Ali Chamenei, dem geistlichen und politischen Oberhaupt der Islamischen Republik.

Kürzlich hatte Laridschani ein umfassendes Kooperationsabkommen zwischen China und dem Iran vermittelt.

Ali Laridschani ist eigentlich Informatiker, hat Mathematik und Philosophie studiert und kommt aus einer einflussreichen Familie in Teheran.

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Ali Laridschani bei der Registrierung für die ¨WahlEbrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Laridschani sagte, er hoffe, dass die laufenden Verhandlungen in Wien zur Wiederherstellung des Atomabkommens von 2015 zur Aufhebung der einseitigen US-Sanktionen führen würden.

Ebrahim Raisi: "Dem Land dienen und Hoffnung schaffen"

Bei Beobachter:innen als derzeit aussichtsreichster Kandidat gilt der ultrakonservative Chef der Justizbehörde Ebrahim Raisi. Der ehemaliger Generalstaatsanwalt wurde 2019 von den USA wegen Menschenrechtsverletzungen mit Sanktionen belegt. Der 60-Jährige hat starken Rückhalt bei einem breiten Spektrum von Konservativen und Hardlinern.

Raisi, der aus der 3-Millionen-Stadt Meshhad stammt, war bereits 2017 bei der Präsidentenwahl angetreten, hatte aber damals keine Chance gegen Hassan Ruhani. Er trete als Unabhängiger an, schrieben die Medien über die Ambitionen des Rechts- und Religionsgelehrten. Er wolle Veränderungen in der Führung des Landes vornehmen. Als Ziel nannte Raisi, Armut, Korruption, Demütigung und Diskriminierung zu bekämpfen.

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Ebrahim Raisi - Chef der Justizbehörde - trägt immer einen schwarzen TurbanEbrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Zu seiner Bewerbung schrieb Raisi: "Gott, du bist Zeuge, dass ich nie nach Position oder Macht gestrebt habe, und selbst in diesem Stadium habe ich das Feld gegen meinen persönlichen Willen und meine Interessen betreten, und nur, um meiner Pflicht zu dienen, dem Volk und den Eliten zu antworten und Hoffnung zu schaffen."

Einige sind allerdings der Meinung, dass Raisi eigentlich andere Ambitionen hat, nämlich die Nachfolge des geistlichen Oberhaupts im Staat. Ayatollah Ali Khamenei ist fast 82 Jahre alt.

Weitere Bewerber

Der erste Vizepräsident Eshaq Dschahangiri ist ein Reformpolitiker, der als chancenlos gilt, weil er für die Wirtschaftspolitik verantwortlich war. Und die wirtschaftliche Lage des Iran ist katastrophal - vor allem wegen der Sanktionen der USA. Zudem war Dschahangiris Bruder vor wenigen Monaten wegen Devisenschmuggels zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

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Vizepräsident Eshaq Jahangiri ist ebenfalls einer der KandidatenEbrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
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Ehemaliger Unterhändler Saed Jalii lässt sich für die Wahl eintragenEbrahim Noroozi/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Auch Mahmoud Ahmadinedschad, der von 2005 bis 2013 Präsident des Iran war, will sich erneut um das Amt bewerben. Doch er hatte schon 2017 ein Comeback versucht und war letztendlich nicht zur Wahl zugelassen worden.