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Nach 34 Jahren: Auftakt zum Mordprozess an deutschen Touristen auf Ostsee-Fähre

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Von Euronews mit dpa
Die "MS Viking Sally" in Stockholm. Das Schiff wurde 1993 an Nordström & Thulin (Estline) verkauft und sank 1994 bei einem schweren Unglück in der Ostsee.
Die "MS Viking Sally" in Stockholm. Das Schiff wurde 1993 an Nordström & Thulin (Estline) verkauft und sank 1994 bei einem schweren Unglück in der Ostsee.   -   Copyright  Maritime Museum, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Rund 34 Jahre ist es her, dass ein Pärchen deutscher Rucksacktouristen an Bord der "MS Viking Sally" angegriffen wurde, und einer der beiden die Tat nicht überlebte. An diesem Montag beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter, einem heute 51-Jährigen Dänen. Er muss sich wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Der Mann, der sich auf freiem Fuß befindet, hat die Tat bislang bestritten.

Grausame Tat an Bord

Der Prozess findet vor dem Bezirksgericht der finnischen Stadt Turku, rund 150 Kilometer westlich von Helsinki statt. Die Ortschaft war das Ziel der "MS Viking Sally", die 1987 von Stockholm dorthin unterwegs gewesen war, als es zu dem Vorfall kam. Die beiden Deutschen waren damals auf einer Skandinavien-Tour gewesen und hatten die Nacht der Überfahrt auf dem Außendeck der Fähre verbracht.

Mitreisende hatten in der Nacht das Pärchen entdeckt und eine große Blutlache bemerkt. Sie alarmierten die an Bord befindliche Krankenschwester. Die beiden wurden mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik Turku geflogen, doch für den damals 20-jährigen Deutschen kam jede Hilfe zu spät. Seine 22-jährige Freundin überlebte schwerverletzt.

Ermittler tappten lange im Dunkeln

Zum Hintergrund der Tat tappte die Polizei lange im Dunkeln. Erst 2016 wurden die Ermittlungen durch die finnische Polizei wieder aufgenommen, die zu dem damals 18 Jahre alten Dänen führten. Besonders erschreckend sei die Brutalität und Grausamkeit gewesen, mit der die Tat begangen wurde, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Demnach muss der Täter mehrfach auf die Köpfe der beiden Opfer eingeschlagen haben.

An diesem Montag soll nun die Anklageschrift verlesen werden und die Beweisstücke durchgegangen werden. Am Ende der Woche werden die Schlussplädoyers erwartet. Wann das Urteil letztendlich verkündet werden wird, steht noch nicht fest.

Fähre vom Pech verfolgt

Die skandinavische Fähre, auf der sich der Mord ereignete, wurde 1993 an das schwedisch-estnische Unternehmen EstLine verkauft und auf den Namen "Estonia" getauft. Ein Jahr später sank sie in der Ostsee. Ein Schiffsunglück, das bis heute in Europa als das schwerste der Nachkriegsgeschichte gilt. Die Fähre ging innerhalb von 30 Minuten unter - für 852 Menschen an Bord kam jede Hilfe zu spät.