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Totenruhe der Estonia-Opfer gestört? Freispruch für Dokumentarfilmer

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Auf diesem Archivbild vom 19. November 1994 wird die Bugklappe der gesunkenen M/S Estonia vor der Ostsee-Insel Utö in der Nähe von Finnland vom Meeresgrund gehoben.
Auf diesem Archivbild vom 19. November 1994 wird die Bugklappe der gesunkenen M/S Estonia vor der Ostsee-Insel Utö in der Nähe von Finnland vom Meeresgrund gehoben.   -   Copyright  Jaakko Avikainen/AP1994
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Schwedische Dokumentarfilmer hatten mit ihren Aufnahmen neue Details um den Untergang der 1994 gesunkenen Estonia enthüllt. Die Männer wurden angeklagt, den Grabfrieden der 852 Toten verletzt zu haben. Nun wurden sie von einem schwedischen Gericht freigesprochen.

Der Vorwurf lautete "Störung des Grabfriedens" - im Prozess um die aufsehenerregenden Funde an der 1994 gesunkenen Ostseefähre Estonia sind zwei schwedische Filmemacher am Montag vom Bezirksgericht Göteborg freigesprochen worden.

Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf nicht aufgesucht werden - das legt der Grabfrieden im schwedischen Gesetz fest.

Freispruch aus formalen Gründen

Mit dem Einsatz eines Tauchroboters und dem Filmen des Wracks hätten die beiden Männer zwar Handlungen ausgeführt, die nach dem sogenannten Estonia-Gesetz strafbar seien, die Angeklagten könnten aber nicht verurteilt werden, weil sie dies von einem unter deutscher Flagge fahrenden Schiff aus in internationalen Gewässern getan hätten, hieß es in der Begründung.

Nach Einschätzung des Gerichts lässt sich das Vorgehen nicht nach dem schwedischen Gesetz bestrafen, da Deutschland nicht an die zwischen Estland, Finnland und Schweden getroffene Grabfriedensvereinbarung gebunden ist. Das deutsche Schiff werde als deutsches Territorium betrachtet.

Der Dokumentarfilmer Henrik Evertsson und der Wrack-Experte Linus Andersson waren Teil des Filmteams, das im September 2019 einen Tauchroboter zu dem Wrack der gesunkenen Estonia auf den Meeresgrund geschickt hatte.

Durch die Filmaufnahmen kamen spektakuläre Details ans Licht. Auf den Bildern war unter anderem ein mehrere Meter großes Loch im Schiffsrumpf zu sehen. Im September 2020 wurde die Dokumentationsserie veröffentlicht und die neuen Einzelheiten zum Schiffsunglück enthüllt.

Behörden sollen die neuen Funde genauer untersuchen

Mittlerweile hat Schweden Änderungen am Gesetz des Grabfriedens auf den Weg gebracht, damit damit die Behörden die Funde genauer untersuchen können.

Der Untergang der Estonia gilt als Europas größte Schiffskatastrophe der Nachkriegsgeschichte. Die Fähre war 1994 mit 989 Menschen an Bord auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm in internationalen Gewässern vor der finnischen Südküste gesunken.

852 Menschen starben, nur 137 überlebten. Weil viele der Toten nicht geborgen werden konnten, steht das Wrack als Ruhestätte unter Schutz und darf nicht aufgesucht werden - das legt der Grabfrieden im schwedischen Gesetz fest.

Warum die Estonia unterging, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden.