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"Sie werden mich hinrichten": Sorge um Blogger (26) nach Festnahme in Minsk

Von Euronews mit dpa
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"Sie werden mich hinrichten": Sorge um Blogger (26) nach Festnahme in Minsk
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Mit mehreren Stunden Verspätung und weniger Passagieren als geplant landet ein Ryanair-Flieger aus Athen in Litauens Hauptstadt Vilnius. Am Gate warten litauische Abgeordnete und belarussische Oppositionelle. Auf ihren Schildern die Frage: „Wo ist Roman?!“

"Ihm droht die Todesstrafe"

Der belarussische Journalist und Regierungskritiker war zuvor an Bord der Maschine festgenommen worden. Belarus hatte mit einem Kampfjet eine Zwischenlandung in Minsk erzwungen.

Ein Augenzeugen berichtet: "Sie haben den Mann, den Journalisten, aus dem Flugzeug gezerrt und dann den Rest der Passagiere aussteigen lassen.“

Eine andere Passagierin sagt: "Er hat sich nicht gewehrt. Er hat sich zu uns anderen Passagieren gedreht und gesagt, ihm drohe jetzt die Todesstrafe.“

"Sie werden mich hinrichten", habe der junge Mann zitternd gesagt. Dann sei er von Soldaten abgeführt worden. Offenbar hatten sich belarussische KGB-Agenten seit Start der Maschine in Athen an Bord befunden.

Roman Protassewitsch ist 26 Jahre alt und Administrator des Telegram-Kanals „NEXTA“, Sprachrohr der belarussischen Opposition. Damit stand er schon länger ganz oben auf der Liste von Alexander Lukaschenkos Geheimdiensten.

Protassewitsch lebte seit Monaten im Exil. Er hatte in Athen am "Delphi-Forum" teilgenommen. In Vilnius wollte er andere belarussische Oppositionelle treffen.

Litauen spricht von "Staatsterrorismus"

Litauen, das vielen Regierungskritikern aus dem Nachbarland Belarus Schutz gewährt, spricht von einer „abscheulichen Aktion“.

"Wir brauchen eine sehr gründliche Untersuchung durch die internationale Zivilluftfahrtorganisation", sagte Präsident Gitanas Nauseda. "Wir müssen herauszufinden, wie dieser Staatsterrorismus in der Öffentlichkeit begangen werden konnte."

Entführung Thema beim EU-Gipfel

Das belarussische Militär nannte als Begründung für die Zwischenlandung, man habe Informationen über einen Sprengsatz an Bord des Fliegers erhalten. Doch eine Bombe wurde nicht gefunden.

Vergangenen August hatte sich der belarussische Langzeit-Machthaber Lukaschenko in einer weder fairen von freien Wahl zum sechsten Mal im Amt bestätigen lassen. Es folgten Proteste, die er brutal niederschlagen ließ. Die gesamte Oppositionsführung ist entweder im Gefängnis oder Exil.