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Händel in Salzburg: Cecilia Bartoli philosophiert über die Vergänglichkeit

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Händel in Salzburg: Cecilia Bartoli philosophiert über die Vergänglichkeit
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Das Gute siegt, und die Schönheit wird geläutert. Neben melodischem Reichtum und bewegenden Arien ist Händels erstes Oratorium "Der Sieg der Zeit und der Erkenntnis" eine philosophische Lehrstunde: "Il trionfo del Tempo e del Disinganno" - komponiert hat es Händel mit gerade mal 22 Jahren auf seiner ersten Italienreise. Das Oratorium gehört zu den Höhepunkten der diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele. Die künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli steht als teuflische Verführerin auf der Bühne. Musica präsentiert eine bewegende Inszenierung, die den Zeitgeist trifft.

Die verkappte Oper feiert am Ende den Sieg der Zeit und der Erkenntnis über Schönheit und Vergnügen. Diese vier allegorischen Figuren verhandeln existenzielle Fragen: Die Schönheit hat mit dem Vergnügen einen Pakt geschlossen, der ihr im "Spiegel der Täuschung" ewige Jugend vorgaukelt. Im Kampf mit der Zeit und der Erkenntnis kommt die Schönheit schließlich zu der schmerzlichen Einsicht, einen Blick in den "Spiegel der Wahrheit" zu wagen und ihre Sterblichkeit anzunehmen. Sie bereut ihre Ausschweifungen und fügt sich dem göttlichen Willen.

Eine Meditation über Vergänglichkeit - von Vergnügungssucht bis zur Erkenntnis. Händels erstes Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" ist ein Höhepunkt der Salzburger Pfingstfestspiele.

Was ist das Wichtigste im Leben?

Die künstlerische Leiterin Cecilia Bartoli hat die diesjährige Ausgabe ihrer Geburtsstadt Rom gewidmet: "Ich wollte meiner Heimat, Rom, der ewigen Stadt, Tribut zollen, aber auch dem großen Komponisten Händel, der im Alter von 19 Jahren nach Rom kam und dort auch das Oratorium schrieb. Man kann sich richtig vorstellen, wie Händel sich gefühlt hat, als er in Rom ankam, in dieser barocken Stadt, mit ihren verschiedenen Stilen. Seine Musik drückt all diese Energie aus."

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Cecilia Bartolieuronews

Dirigent Gianluca Capuano schwärmt von den vielen Nuancen der Klangsprache Händels.

"Händel ist der Shakespeare der Musik. Mit seinen musikalischen Mitteln kann er alles auf der Bühne darstellen."
Gianluca Capuano
Dirigent
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Händels Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno"euronews

Das ergreifende Stück wurde 1707 komponiert. Es gibt einen tiefen Einblick in die menschliche Psyche, so Cecilia Bartoli': "Das ganze Oratorium ist eine philosophische Lehrstunde über Schönheit, Vergnügen, Erkenntnis und Zeit. Was ist am Ende das Wichtigste im Leben?"

Philosophische Lehrstunde über die Vergänglichkeit der Zeit

Die allegorischen Figuren Zeit und Erkenntnis versuchen die Schönheit davon zu überzeugen, das Vergnügen zugunsten bleibender Werte aufzugeben. Cecilia Bartoli verkörpert das teuflische Vergnügen.

"Es ist ein Stück von tiefer Einsicht", meint Regisseur Robert Carsen. "Unser Zeitgeist ist geprägt von der Jagd nach ewiger Jugend und Erfolg. Dabei geht es viel mehr darum, dass jeder von uns in sich reinhört und seinen eigenen Weg findet, ohne etwas auf die Meinung anderer zu geben. Das umzusetzen, ist sehr schwierig. Darum geht es in diesem Stück."

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Regisseur Robert Carseneuronews

Zu den bewegendsten Momenten gehört die Arie "Lascia la spina, von der die Bartoli sagt:

"Lascia la spina" ist eine Lehrstunde fürs Leben: Das wahre carpe diem, im Moment zu leben. Denn irgendwann kommt die Zeit, in der wir alt werden. Man sollte sich wirklich an den kleinen Dingen erfreuen, nicht unbedingt an den großen. Darum geht es. Es ist ein Moment der Gnade."

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Cecilia Bartoli verkörpert das teuflische Vergnügen auf den Salzburger Pfingstfestspielen.euronews

Händels Oratorium "Il trionfo del Tempo e del Disinganno" steht auch auf dem Spielplan der Salzburger Sommerfestspiele, wo es vom 4. August - 17. August aufgeführt wird.