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Endlich wieder Flüge: Was ändert sich am 1. Juni bei der Einreise nach Algerien?

Von Kirsten Ripper mit AFP, Le Monde
Am Flughafen von Algier
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Viele Schicksale und herzzerreißende Geschichten verbergen sich hinter der Nachricht, dass Algerien wegen der Corona-Pandemie die Grenzen auch für die eigenen Bürgerinnen und Bürger seit 14 Monaten geschlossen hält. Wieviele Menschen tatsächlich verzweifelt darauf warten, wieder nach Algerien reisen zu können, dazu gibt es keine verlässlichen Angaben. Einige meinen, es seien mehrere Millionen.

"Ist Deine Mutter noch immer in Frankreich?", frage ich eine Kollegin am französischen Muttertag, den 30. Mai 2021. Ihre Mutter will eigentlich schon seit etwa einem Jahr zurück nach Algerien.

Sie war nur für ein paar Wochen zu Besuch in Lyon bei der Familie der Tochter, auch um die Enkel zu sehen. Dann kam die Coronakrise. "Sie bleibt jetzt bei uns und hat es wohl aufgegeben, nach Hause zurück zu wollen. Die Regeln sind zu kompliziert.", erklärt die Kollegin.

In den französischen Medien berichtet eine Betroffene, dass sie ihre Stelle verloren hat, weil sie seit Monaten nicht nach Algerien zurückkehren konnte. Andere Algerisch-Stämmige klagen, weil sie ihre Angehörigen seit mehr als einem Jahr nicht besuchen konnten.

Höchst komplizierte Regeln ab dem 1. Juni 2021

Ab dem 1. Juni soll es wieder Flüge von Frankreich nach Algerien geben. Aber die zunächst angekündigte Zahl von fünf Flugverbindungen pro Tag wurde zusammengestrichen. Dadurch kostet ein Flug derzeit mindestens 600 Euro. Eine Internet-Suche von Flügen von Deutschland nach Algerien ergibt noch deutlich höhere Preise.

Laut TourMag bleaufen sich zudem die Kosten für den fünftätigen Aufenthalt im Quarantäne-Hotel auf 41.000 DA - umgerechnet 252,21 Euro.

Weniger als 36 Stunden alter PCR-Test und Zwangsquarantäne im Hotel - auch für Geimpfte

Eine Einreise nach Algerien ist weiterhin an sehr strenge Regeln geknüpft. Alle Einreisenden, die über 12 Jahre alt sind, brauchen einen Nachweis über einen weniger als 36 Stunden alten negativen PCR-Test - und sie müssen im voraus den Aufenthalt in einem Quarantäne-Hotel bezahlen.

Dort sollen die Eingereisten permanent medizinisch überwacht werden. Wie die französische Zeitung LE MONDE berichtet, gelten diese Maßnahmen auch für Menschen, die bereits vollständig gegen Covid-19 geimpft sind.

Der Chef der Reiseagentur "Méditerranée Events et Travels" in Marseille ist verzweifelt. "Der Ansatz ist so abschreckend, dass er einer Schließung der Grenzen gleichkommt. Ich verstehe die Gründe nicht. Wir sind machtlos", sagt Brahim Djellouadji im Gespräch mit LE MONDE.

Proteste gegen strenge Regeln

Vor dem algerischen Konsulat in Metz und in zahlreichen anderen Städten in Europa hat es am Wochenende Proteste gegen die strengen Einreise-Regeln gegeben, wie der Republicain Lorrain berichtet.

Während Tausende Algerierinnen und Algerier darauf warten, in die Heimat reisen zu können, war der algerische Staatschef Abdelmadjid Tebboune zwei Mal zur medizinischen Behandlung in Deutschland. Er hielt sich wegen einer Covid-19-Erkrankung und zu einer Fuß-Operation in deutschen Krankenhäusern auf.

Den offiziellen Zahlen zufolge liegt die 7-Tage-Inzidenz in Algerien an diesem 30. Mai 2021 bei 4,1 pro 100.000 Einwohner. Insgesamt wurden 3.460 Todesfälle durch Covid-19 verzeichnet. Für Juni wurden weitere Impfstoff-Lieferungen erwartet.

Es häufen sich die Berichte von Menschen, die von Europa nach Tunesien gereist sind und dann illegal die Grenze nach Algerien überquert haben - zum Beispiel um bei der Beerdigung eines Angehörigen dabei zu sein. Viele hoffen allerdings auch, dass die Maßnahmen in den kommenden Wochen gelockert werden, so dass sie zumindest in den Sommerferien nach Algerien reisen könnten.