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Wahlkampf 2021: CDU/CSU stemmt sich gegen drohenden Machtverlust

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Von Euronews mit dpa, AFP
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Armin Laschet
Armin Laschet   -   Copyright  AFP
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Egal, welche Partei die Bundestagswahl gewinnt - die Deutschen werden sich an ein neues Gesicht im Kanzleramt gewöhnen müssen. Denn Angela Merkel zieht sich aus der Politik zurück. Je näher die Bundestagswahl am 26. September rückt, desto schlechter werden die Umfragewerte für Merkels CDU und deren bayerische Schwesterpartei CSU, die im Sommer noch wie die sicheren Sieger aussahen. Glaubt man den Meinungsforschern, dann deutet sich im Berliner Kanzleramt ein Machtwechsel an.

Die Wahl am letzten Septembersonntag markiert eine Zeitenwende in Deutschland. Nach 16 Jahren endet die Ära Merkel. Europas dienstälteste Regierungschefin, die seit 1990 im Bundestag sitzt und seit November 2005 Kanzlerin ist, tritt nicht mehr an. Sobald ein Nachfolger vereidigt ist, will sich die 67-Jährige aus der aktiven Politik zurückziehen. Zum ersten Mal seit 1949 tritt bei dieser Bundestagswahl kein Amtsinhaber mit entsprechendem Amtsbonus an.

In Merkels große Schuhe treten will Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, seit Januar CDU-Vorsitzender und seit April gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU und CSU. Doch von 30 Prozent Mitte Juli ist die CDU/CSU in Umfragen auf etwa 20 Prozent abgestürzt, in einem Fall sogar unter die 20-Prozent-Schwelle. Im Wahlkampf tat sich Laschet oft schwer.

In der CSU hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder kritische Töne in Richtung Laschet gegeben. Am Donnerstag noch hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume in einem Interview erklärt, mit Markus Söder stünde die Union in den Wahlumfragen "natürlich" besser da - später sagte er, dies sei auf Bayern gemünzt gewesen.

In einem ungeahnten Höhenflug segeln dagegen die Sozialdemokraten, die Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz als Kandidaten aufgestellt haben. Nachdem es mit Deutschlands ältester Partei in den Jahren der "GroKo" (großen Koalition) unter Merkel stetig abwärts gegangen war, hat die SPD in den Umfragen seit Jahresmitte nun um rund zehn Prozentpunkte auf etwa 25 Prozent zugelegt. Scholz hätte also Chancen, seine bisherige Chefin abzulösen.

Unwahrscheinlich ist dagegen, dass das Kanzleramt in weiblicher Hand bleibt: Die Grünen, die im Frühjahr nach der Nominierung ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zeitweilig in den Umfragen führten, rangieren derzeit mit rund 17 Prozent nur auf Platz drei.

Im künftigen Bundestag werden wahrscheinlich wieder sechs Fraktionen sitzen, neben CDU/CSU, SPD und Grünen sind das die Liberalen (FDP), die rechtspopulistische AfD und die Linke. Auf eine Mehrheit der Sitze werden wahrscheinlich nur Dreierbündnisse kommen.

Der Regierungschef wird in Deutschland nicht direkt gewählt, sondern von den Abgeordneten des neuen Bundestages. Die gut 60 Millionen Wahlberechtigten, von denen nicht wenige jetzt schon per Briefwahl abgestimmt haben, entscheiden nur über die Stärke der Parteien im Parlament. Allerdings spielt die Person des Spitzenkandidaten bei der Entscheidung oft eine markante Rolle. Und Merkel, die immer noch populärste Politikerin im Lande, steht den Christdemokraten nicht mehr als Zugpferd zur Verfügung.