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Erstes TV-"Triell": Forsa-Umfrage sieht Scholz als Sieger (36%)

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Von Euronews mit dpa
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Das 1. TV-Triell bei RTL
Das 1. TV-Triell bei RTL   -   Copyright  Michael Sohn/AP Photo
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Vier Wochen vor der Bundestagswahl haben sich am Sonntagabend die drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen einen ersten direkten Schlagabtausch im Fernsehen geliefert. Stichwort "Triell", eine Wortneuschöpfung für diese spezielle Dreierkonstellation.

Denn Bisher gab es in Deutschland nur TV-Duelle - zwischen Kanzler bzw. Kanzlerin und einem bzw. einer Herausforderer:in. Diesmal ist alles anders: Im September gibt es das zweite Triell bei ARD und ZDF, danach folgen die Fernsehsender Prosieben, Sat.1 und Kabeleins mit einem letzten TV-Dreikampf.

And the winner is....

Einer ersten Forsa-Umfrage für RTL und ntv direkt im Anschluss zufolge hieltem 36 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer Olaf Scholz zumindest dieser Schnellerhebung zufolge für den Gewinner der TV-Debatte, 30 Prozent Baerbock und nur 25 Prozent Laschet.

Erste Reaktionen

CSU-Chef Söder sprach in einem Tweet von einem "starken Auftritt und klaren Sieg" Armin Laschets. Die Grünen die hielten Baerbock für "die einzige Kandidatin, die für einen Aufbruch" stehe, "für ein Ende einer Weiterso-Politik und des Wegduckens". Die CDU unterstrich, Deutchland brauche "einen klaren Werte-Kompass & Standhaftigkeit". Beides habe die Union und der Kanzlerkandidat.

Doch bis zur Wahl sind es noch vier Wochen. Und klar ist: Jetzt befinden sich die Parteien wirklich in der viel zitierten heißen Wahlkampfphase. Beim Triell von RTL und ntv schonten sich die Kanzlerkandidaten Scholz, Laschet und Baerbock nicht. Es wurden aber auch Gemeinsamkeiten sichtbar.

Stärkung der sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands

Beim Thema Afghanistan zeigten die Kandidaten zunächst Einigkeit: So forderten Laschet, Scholz und Baerbock übereinstimmend eine Stärkung der sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands. Laschet bekräftigte seine Forderung nach einem Nationalen Sicherheitsrat, angebunden an das Kanzleramt.

Baerbock kritisierte, die Bundesregierung habe bei der zögerlichen Visavergabe für afghanische Ortskräfte innenpolitische Motive über außenpolitische Verantwortung gestellt. Scholz, dessen Parteifreund Heiko Maas an der Spitze des Auswärtigen Amtes steht, forderte, auch künftig Bundeswehrsoldaten für Auslandseinsätze bereitzustellen. Er nahm für sich in Anspruch, dass mit ihm als Finanzminister der Verteidigungshaushalt über 50 Milliarden Euro gestiegen sei.

3G-Regel auch in Fernzügen?

Wichtiges Thema in dem Streitgespräch war das Management der Corona-Krise. Alle drei Kanzlerkandidaten sprachen sich dafür aus, erneute weitreichende Alltagsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie zu vermeiden. Zwischen den Kandidaten wurden aber Unterschiede bei konkreten Krisenmaßnahmen deutlich. Scholz und Laschet lehnten eine mögliche Impfpflicht für bestimmte Berufe wie medizinisches Personal oder Polizisten ab. Baerbock schloss das für die Zukunft nicht aus.

Scholz und Baerbock sprachen sich dafür aus, auch für Fahrten mit Fernzügen einen Nachweis als Geimpfter, Genesener oder negativ Getesteter zu verlangen, in anderen europäischen Ländern ist das bereits der Fall. Die Bundesregierung prüft dies gerade. Laschet verwies unter anderem auf rechtliche Bedenken und sagte: "Erst sorgfältig prüfen und dann entscheiden."

Steuern: Stärkere Schultern stärker belasten

Beim Thema Steuern offenbarten sich wieder einmal tiefe Gräben zwischen den Parteien. SPD-Kanzlerkandidat Scholz betonte, es sei jetzt nicht die Zeit für Steuersenkungen für Menschen mit hohen Einkommen. Er plädierte für eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes um drei Prozent. Auch Baerbock sprach sich dafür aus, Gutverdiener stärker zu belasten. Man könne nicht einfach hinnehmen, dass jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut lebe. Laschet hingegen sprach von einer fundamental anderen Haltung seiner Partei. Es sei töricht und grundfalsch, einfach zu sagen, die Steuern für Reiche müssten erhöht werden.

Erstes TV-Triell könnte Briefwahl entscheidend beeinflussen

Die TV-Trielle vor Millionen von Zuschauern könnten eine immense Wirkung haben. Denn die Briefwahl hat bereits begonnen. Für den Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen besitzt der Zeitpunkt des Schlagabtausches einen hohen Stellenwert: “Da die Anzahl der Briefwähler deutlich steigt, ist es potenziell möglich, nach der Sendung gleich zu wählen“. Das erhöhe die Wirkung der Trielle, so der Experte.