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Kuscheltherapie: Umarmung gegen Bezahlung

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Von Giorgia Orlandi
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Kuscheltherapie: Umarmung gegen Bezahlung
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Eine einfache Umarmung- das ist in Pandemiezeiten keine Selbstverständlichkeit. In Italien kann man nun Umarmungen buchen, als Kuscheltherapie gegen Einsamkeit und Depression. In einer Praxis im Zentrum Roms fallen die Kunden in die Arme eines dafür bezahlten Fremden- eine Art professionelles Kuscheltier.

Laura Nardini, die Gründerin des "Kuschelplatz": "Die Pandemie hat es uns ermöglicht zu verstehen, worauf es im Leben wirklich ankommt - wie zur richtigen Zeit an die Hand genommen zu werden oder einfach nur ein Schulterklopfen. Doch einige dieser Gesten sind nicht mehr selbstverständlich. Einen Ort oder eine Person zu finden, die es Ihnen ermöglichen, Seelenfrieden zu finden, ist ein Mehrwert für unser Leben. Deshalb ist die Nachfrage auch gestiegen."

Die Sitzungen dauern eine halbe bis eine Stunde, die ersten 30 Minuten kosten etwa 60 Euro.

Walter Tabbi ist Stammkunde und kommt seit Beginn der Pandemie hierher: "Der Nutzen ist langfristig. In einer Situation zu sein, in der Sie nichts tun müssen, außer sich selbst zuzuhören und präsent zu sein, ist auch sehr nützlich, wenn es um Fokussierung und Zielsetzung geht."

"Der Auslöser für diese Art von Geschäft war die Pandemie. Denn sie hat den Menschen gezeigt, was es bedeutet, keinen Körperkontakt mehr zu haben. Das Leben hat sich fast wieder normalisiert, der menschliche Kontakt jedoch nicht", kommentiert Euronews-Korrespondentin Giorgia Orlandi.

Die strengsten Corono-Maßnahmen sind mittlerweile vorbei- doch warum sehnen sich die Menschen weiterhin nach Umarmungen?

Sebastiano Maffettone, Professor für Politische Philosophie von der Luiss Universität erklärt: "Das Bedürfnis nach Zuneigung war vorher schon da. Die Pandemie hat dazu beigetragen, dass es zu einem akuten Problem geworden ist, weil sich die Menschen selbst isolieren mussten. Aber eigentlich ist es ein chronisches Problem."

Italien war das erste westliche Land, das vom Virus getroffen wurde. Vielleicht erklärt dies auch, warum dieses Geschäftsmodell hier auftaucht ist und funktioniert.

"Niemand hätte gedacht, dass diese Art von Geschäft in Italien existieren könnte. Doch dass wir als erste von der Pandemie getroffen wurden, hat die Italiener dazu gebracht, zu reagieren und Lösungen zu finden - vor allen anderen", so Maffetone.

Angst und depressive Störungen werden in der Zeit nach der Pandemie voraussichtlich zunehmen. Der Mangel an menschlichen Kontakten als Folge der Pandemie wird wohl noch länger anhaltende psychologische Auswirkungen auf die Menschen haben, als wir uns vorstellen können.

Journalist • Julika Herzog