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Strandfotos mit junger Freundin: Wer hat Angst vor dem extrem Rechten Eric Zemmour?

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AFP, Libération, Le Figaro
TV-Moderator und Rechtsaußen Eric Zemmour
TV-Moderator und Rechtsaußen Eric Zemmour   -   Copyright  Bertrand Guay/AP

Der rechtspopulistische Journalist Eric Zemmour darf in vielen Sendern, in denen er vorher in Frankreich tätig war, nicht mehr auftreten. Denn seit dem 8. September zählt die Medienaufsicht die Zeit, die Zemmour als Kommentator zu sehen ist, als Wahlkampf. Immer wieder macht er mit scharfen Worten Schlagzeilen. So kritisierte er kürzlich die Regierung für deren "kriminellen Wahnsinn, Millionen Immigranten aus der arabisch-islamischen Zivilisation ins Land zu holen".. 2016 hatte er Schlagzeilen gemacht, als er im Fernsehen sagte, die Menschen müssten sich "zwischen dem Islam und Frankreich entscheiden".

Der Nachrichtensender BFMTV zitiert die Agentur Odoxa, Dentsu Consulting, die meint, Zemmour sei eine "mediale Bombe". in seinem neuen Buch "La France n'a pas dit son dernier mot" ("Frankreich hat sein letztes Wort nicht gesagt") wettert Zemmour gegen politisch korrekte Sprache, gegen die Zerstörung der Statuen von kolonialistischen Herrschern und gegen den Kampf gegen Rassismus. Er stellt sich hinter Colbert, de Gaulle und Napoléon.

Die Mehrheit lehnt ihn ab, aber eine Minderheit scheint bereit, Zemmour zu wählen

Bisher hat Zemmour nicht offiziell angekündigt, dass er bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr antreten will. Doch bei vielen Wahlforschungsinstituten wird er bereits als möglicher Kandidat aufgeführt - und in einer neuen Umfrage von Harris Interactive liegt Zemmour vor den koservativen Mitberwerbern und kommt auf 13 Prozent der Wählerinnen und Wähler. Die Partei des einstigen Präsidenten Sarkozy hat noch nicht entschieden, wen sie ins Rennen schickt - sogar die Auswahlmethode ist noch umstritten. Xavier Bertrand, der auf jeden Fall antreten will, schafft es auf 14 Prozent. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen erreicht 16 Prozent. Emmanuel Macron liegt stabil bei 23-24 Prozent.

Einer anderen Umfrage zufolge ist Eric Zemmour der mögliche Kandidat, den die meisten Französinnen und Franzosen ablehnen. Mit 59 Prozent Ablehnung liegt er laut LE FIGARO "vor" dem Linken Jean-Luc Melenchon (54 % lehnen ihn ab) und der rechtspopulistischen Marine Le Pen (52% lehnen sie ab).

Französische Medien bezeichnen Eric Zemmour meist als "polémiste". Mit seiner harten Haltung gegen den Islam und gegen Zuwanderung steht der 63-Jährige für Spaltung - und er gilt als der Mann, der Marine Le Pen gefährlich werden könnte. Während sich die 53-jährige Parteichefin des Rassemblement National bemüht, das Image ihres rechtsextremen Vaters Jean-Marie Le Pen loszuwerden, setzt Eric Zemmour auf Worte ohne Umschweife. 2011 wurde Zemmour wegen rassistischer Diskriminierung und 2018 wegen Hetze gegen Muslime verurteilt.

Falsche Paparazzi-Fotos?

In der vergangenen Woche war Eric Zemmour auf der Titelseite von "Paris Match" - am Strand und im Wasser - zusammen mit seiner jungen Freundin und Mitarbeiterin Sarah Knafo. Dabei ist Zemmour mit einer etwa gleichatrigen, als diskret geltenden Anwältin verheiratet. Die Spezialistin für Familienrecht arbeitet unter ihrem Mädchennamen Mylène Chichportich, die beiden haben drei Kinder: Thibault, Hugo und die 2004 geborene Clarisse.

Die Boulevardmedien berichten vom Altersunterschied zwischen dem langjährigen Talkshow-Kommentaror und der Elite-Studentin: Zemmour ist 63, Knafo 28. Doch die beiden kennen sich seit Jahren und treten inzwischen offen zusammen auf.

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Eric Zemmour mit Sarah Knafo auf den Titelseiten der MagazineEuronews

Doch die Fotos, die aussehen, als seien es Paparazzi-Fotos, wurden in Wirklichkeit in Absprache mit Eric Zemmour aufgenommen. Das vermutet die linke Tageszeitung LIBERATION. Tatsächlich hat Zemmour offenbar sehr gute Beziehungen zu den Chefs der Medienhäuser, die die Fotos veröffentlicht haben.

In den Artikeln in PARIS MATCH und VOICI ist kaum die Rede von politischen Inhalten. Es geht vor allem um die Beziehung zwischen Zemmour und seiner jungen, intelligenten Mitarbeiterin. Die Rede ist von der "compagne de campagne" - der Partnerin im Wahlkampf.

Knafo hat die ENA besucht - wie die meisten französischen Präsidenten - auch Emmanuel Macron. Zemmour hat die Aufnahmeprüfung nicht bestanden.

Morddrohungen gegen Zemmour

Zuletzt gab es Morddrohungen gegen Eric Zemmour, wie er am Montag, den 27. September, bekannt gab. Le Figaro und Europe 1 berichten, dass er auf der Straße von einem Mann angegriffen wurde, der ihn anschrie mit den Worten "Auf den Koran, ich werde Dich rauchen" und "Du dreckiges rassistisches Stück Scheiße".

Die Politikwissenschaftlerin und ehemalige Integrationsbeauftragte Malika Sorel-Sutter kritisiert in einem Artikel in MARIANNE Zemmours Buch wegen der Passagen zum ehemaligen Finanzminister Dominique Strauss-Kahn und dem Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan. Beide standen bzw. stehen vor Gericht, weil sie Frauen vergewaltigt haben sollen. Malika Sorel-Sutter zitiert aus Zemmours Buch, Dominque Strauss-Kahn in Handschellen sei die "Kastration aller französischen Männer".