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Wie kommt Kurz' Schachzug bei den Wiener:innen an?

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Von Euronews
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Sebastian Kurz
Sebastian Kurz   -   Copyright  Lisa Leutner/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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Er wolle Platz machen, um Chaos zu verhindern, so begründete Sebastian Kurz seinen Rücktritt als österreichischer Bundeskanzler. Nach Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe gegen ihn, hatten die Grünen Kurz mit einem Misstrauensvotum gedroht. Wie ist sein Schachzug in Wien aufgenommen worden?

"Ich glaube es ist eine geschickte Finte", sagt der Rentner Wolfgang Graswander. Er sei der Meinung, dass sich Kurz damit geschickt der rechtlichen Verfolgung entziehen kann.

"Ja ich war defintiv überrascht, aber ich betrachte es eben auch nicht als einen wirklichen Rücktritt", meint Celine Wawruschka. "Denn er hat einfach einen Stellvertreter vorgeschickt, der würde ich mal sagen in seinem Sinne handeln wird, wie er das auch schon die letzten zwei Jahre getan hat."

"Nun, der ÖVP würde sonst der Sturz aus der Regierung drohen und für diese Partei gäbe es nichts Schmerzhafteres. Deshalb haben sie es vorgezogen, dieses Szenario zu erzwingen, anstatt Kurz mit all seinen Eskapaden davonkommen zu lassen", sagt Christian Muhr.

Absetzung oder Wladimir-Putin-Move?

"Der Rücktritt von Sebastian Kurz kann unterschiedlich gedeutet werden. Entweder als Absetzung, sprich der Druck vonseiten des Koalitionspartners, der Opposition aber auch innerhalb seiner Volkspartei wurde zu groß - gleich zwei Ermittlungen vonseiten Korruptionsstaatsanwaltschaft seien bei einem Regierungschef nicht vertretbar", meint Euronews-Korrespondent Johannes Pleschberger.

"Oder aber der Rücktritt war vielmehr ein Wladimir-Putin-Move. Auch der russische Staatschef setzte für vier Jahre seinen treuen Parteifreund Dmitri Medwedew ein, um danach wieder selbst an die Spitze zurückzukehren. In gleicher Manier setzt Sebastian Kurz nun vorübergehend seinen Vertrauten Alexander Schallenberg als Kanzler ein. Kurz selber trotz Rücktritt Parteichef und wird die Geschicke seiner Partei und die der Regierung weiterhin leiten und das trotz der Ermittlungen wegen möglicher Bestechung, Untreue und Falschaussage.

Das stößt der Opposition sauer auf, die grüne Koalitionspartner gibt sich aber vorerst besänftigt. Um weitere Ermittlungen zu ermöglichen will Kurz offenbar die Aufhebung seiner nunmehrigen parlamentarischen Immunität selbst beantragen. Es bleibt abzuwarten ob für Kurz trotz der unangenehmen Ermittlungen alles nach Plan verläuft."