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"Mist-Corona": Bayern verhängt Lockdown in Kreisen mit Inzidenz über 1000

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Von Euronews  mit DPA
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Impfbus in Unterschleißheim
Impfbus in Unterschleißheim   -   Copyright  CHRISTOF STACHE/AFP or licensors

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist weiter angestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) Freitagmorgen mitteilte, erhöhte sich der Wert auf 340,7 und erreichte damit den zwölften Tag in Folge einen neuen Höchststand. Am Donnerstag hatte die Inzidenz bei 336,9 gelegen und vor einer Woche bei 263,7.

In Bayern, wo besonders viele Landkreise Rekordinzidenzen vermerken und die Impfquote niedrig ist, hat Ministerpräsident Markus Söder nun einen harten Lockdown angekündigt. Er soll für alle Landkreise mit einer Inzidenz von über 1000 gelten. Das greift derzeit für acht Landkreise in Bayern. Alle Restaurants, Gaststätten, Clubs und Hotels machen dicht.

Nur noch maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen sich in ganz Bayern treffen. Das gilt für Ungeimpfte. Sie dürfen etwa köpernahe Dienstleistungen nicht mehr wahrnehmen. Söder sprach von einem "de-facto-Lockdown" für Ungeimpfte. Auf sie solle jetzt weniger Rücksicht genommen werden.

Auch Universitäten, Bundesligaspiele, Kulturveranstaltungen und vieles andere ist für Ungeimpfte nicht mehr möglich.

2G für den Einzelhandel wurde nicht eingeführt. Am Ende seiner Pressekonferenz sprach Söder von "diesem Mist-Corona".

Bayern und auch Sachsen haben eine niedrigere Impfquote als andere Bundesländer. Dort haben sich die Fallzahlen in den vergangenen fünf Wochen verachtfacht. Daher werden auch in Sachsen am Montag weitere Einschränkungen in Kraft treten, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

Eine Regelung mit 2G+ reiche nicht aus, um das Infektionsgeschehen zu bremsen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er machte klar, dass von den Einschränkungen alle Menschen im Freistaat betroffen sein werden, also auch die vollständig Geimpften und Genesenen. Das Wort "Lockdown" vermeidet Kretschmer.

Bundesweit wurden binnen 24 Stunden 52.970 Neuinfektionen registriert. Vor einer Woche waren es 48.640 Ansteckungen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 201 Todesfälle verzeichnet (vor einer Woche 191).

Hospitalisierungsinzidenz bundesweit bei 5,3

Besondere Aufmerksamkeit liegt fortan auf der Hospitalisierungsinzidenz. Am Donnerstag lag diese laut RKI bundesweit bei 5,3.

Die Hospitalisierungsinzidenz ist der neue Maßstab für Corona-Regeln in Deutschland. Ab einem Wert von drei gelte in einem Bundesland flächendeckend für Veranstaltungen die 2G-Regel, ab einem Wert von sechs die 2G-Plus-Regel. Ab einem Wert von neun sollen noch weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen hinzu kommen.

Die Hospitalisierungsinzidenz gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen.

RKI: Kein Treffen mit Gefährdeten ohne Test

Das RKI stuft die aktuelle Entwicklung weiterhin als "sehr besorgniserregend" ein und rät vor Treffen mit Gefährdeten unabhängig vom Impfstatus zum Test. Das geht aus dem Wochenbericht des Instituts vom Donnerstag hervor.

Zudem rät es "dringend dazu, größere Veranstaltungen und enge Kontaktsituationen wie zum Beispiel Tanzveranstaltungen und Clubs abzusagen beziehungsweise zu meiden".

Bundesrat stimmt über Corona-Gesetz der Ampel ab

Der Bundesrat kommt an diesem Freitag zu einer Sondersitzung zusammen, um über Änderungen am Infektionsschutzgesetz zu beraten.

Der Bundestag hatte diese am Donnerstag beschlossen. Die Länderkammer muss dem Gesetz zustimmen, damit es in Kraft treten kann. SPD, Grüne und FDP hatten es gemeinsam eingebracht, um die Corona-Maßnahmen auf eine neue Rechtsgrundlage zu stellen.

Die Union hatte ursprünglich eine Blockade angedeutet: Ohne die Länder mit CDU und CSU in der Regierung gibt es im Bundesrat keine Mehrheit.

Nach einer Bund-Länder-Runde am Donnerstag zeichnete sich jedoch ein Kompromiss ab: Es wurde vereinbart, dass das von SPD, Grünen und FDP eingebrachte Gesetz bereits in drei Wochen evaluiert und gegebenenfalls nachgebessert werden soll.

Jens Spahn sprach von einer "nationalen Notlage"

Die Dynamik ist ungebrochen, so der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Bundespressekonferenz am Freitagmorgen. "Die Inzidenz hat sich verfünffacht, traurig hohe Werte bei Infektionen und Todeszahlen." Die Welle könne jetzt nicht mehr mit Boostern gebrochen werden, deswegen müssten jetzt Kontaktbeschränkungen greifen.

Spahn brachte auch einen Lockdown für Ungeimpfte ins Gespräch, also starke Kontaktbeschränkungen für diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen. Das sei auch gestern bei der Konferenz mit den Ministerpräsidenten besprochen werden.

Moderna für Booster

Von Moderna habe man große Mengen und damit diese nicht verfallen, werden bei den Drittimpfungen genauso Moderna wie Pfizer/Biontech verimpft, so Spahn.

Der Gesundheitsminister appellierte erneut an das entschlossene Handeln der Bevölkerung im Alltag. Viele würden das tun aber sehr viele seien es eben auch Leid so langsam. Das sei verständlich, es falle schwer anzuerkennen, dass die Pandemie noch sehr präsent ist. Aber es sei jetzt wichtig, die empfohlenen Regeln einzuhalten. Grund für die erneute Pandemie-Welle seien die vielen Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, sowie die Delta-Variante. Experten zufolge ist die Impfung gegen die Delta-Variante des neuen Coronavirus weniger wirksam. Deswegen wird in vielen Ländern - darunter auch Deutschland - jetzt zu einer dritten Auffrisch-Impfung geraten.

"Das Ruder herumreißen" - aber wie?

Kinder und ältere Menschen müssen geschützt werden, vieles Leid könne man nicht mehr verhindern, aber wie schlimm es in der Zukunft wird, könne man noch beeinflussen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler.

Die Impflücken müssten geschlossen werden und Kontakte reduziert werden. Das RKI rät erneut, private Kontakte zu reduzieren, Clubs und Bars zu schließen und Großveranstaltungen abzusagen.

Auch Geimpfte und gleichzeitig Getestete sollten die Abstandsregeln weiter respektieren, Maske tragen und sich an die AHA-Regeln halten, so Wieler.

Ein genereller Lockdown?

Warum geht Deutschland nicht sofort in den Lockdown, fragten Journalisten Spahn bei der BPK. Generell ausschließen wollte Spahn diese Option nicht. Deswegen wolle man den Ländern auch weiter die Entscheidungsfreiheit lassen, etwa Hotels und Restaurants zu schließen oder lokale Lockdowns zu beschließen.