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Was sind CHIP-Mutationen und warum sind sie für ältere Herzpatienten besonders gefährlich?

An der Charité in Berlin laufen Forschungen zu den sogenannten CHIP-Mutationen - Symbolbild
An der Charité in Berlin laufen Forschungen zu den sogenannten CHIP-Mutationen - Symbolbild Copyright  Markus Schreiber/Copyright 2022 The AP. All rights reserved
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Von Euronews
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An der Charité in Berlin und an der Uniklinik Freiburg wollen Ärzteteams Veränderungen der DNA - also der Erbsubstanz - bei älteren Herzpatienten entschlüsseln. Diese sogenannten CHIP-Mutationen betreffen laut Herzstiftung vor allem Menschen, die unter Vorhofflimmern leiden.

Krankhaft veränderte Blutzellen können nicht nur von Eltern an Kinder vererbt werden, Mutationen der DNA und der blutbildenden Stammzellen entstehen auch bei älteren Menschen. Besonders für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen diese sogenannten CHIP-Mutationen eine Gefahr da, weil sie Entzündungsprozesse verschlimmern.

Die Abkürzung CHIP steht für "clonal hematopoiesis of indeterminate potential", auf deutsch: "klonale Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial". Hämatopoese ist der Fachbegriff für die Blutbildung, besonders der roten Blutköperchen.

Zwei Millionen Menschen in Deutschland besonders betroffen

Besonders häufig kommen CHIP-Mutationen bei Patienten mit Vorhofflimmern vor, wie die Deutsche Herzstiftung erläutert. Deshalb unterstützt sie Forschungsarbeiten zu diesen DNA-Veränderungen an der Charité in Berlin und am Universitätsklinikum Freiburg.

Das Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die die Betroffenen oft gar nicht bemerken. Sie sind oft erschöpft, müde und haben Schlafstörungen. Symptomatische Patienten leiden in den meisten Fällen unter Herzrasen. Vorhofflimmern tritt auf, wenn Herzkammern und Vorhöfe nicht synchron pumpen. Die Vorhöfe "flimmern" nur noch. Das Blut fließt so langsam durch den Vorhof, dass es verklumpen kann – es kann ein Blutgerinnsel entstehen.

Besonders ältere Menschen sind von CHIP-Mutationen betroffen
Besonders ältere Menschen sind von CHIP-Mutationen betroffen Martin Meissner/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

"Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Vorhofflimmern – und sind damit dem Risiko schwerer Folgeerkrankungen ausgesetzt. So wird das Auftreten von Schlaganfall oder Herzschwäche durch das Vorhofflimmern begünstigt. Mit den CHIP-Mutationen wird ein zusätzlicher Risikofaktor für Patienten mit Vorhofflimmern und viele andere chronisch herzkranke Menschen vermutet". Das erklärt Prof. Dr. Heribert Schunkert, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung. "Weitere Erkenntnisse zu CHIP-Mutationen und ihren Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System sind deshalb enorm wichtig."

Auch an der Charité in Berlin wird zu CHIP-Mutationen geforscht
Auch an der Charité in Berlin wird zu CHIP-Mutationen geforscht Markus Schreiber/Copyright 2020 The AP. All rights reserved

CHIP-Mutationen sind "Brandbeschleuniger"

Eine CHIP-Genforscherin unterstreicht die enorme Bedeutung des Problems. "Mit zunehmendem Alter treten im Körper CHIP-Mutationen auf; dabei entstehen mutierte Blutzellen, die, so unsere Annahme, das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen zusätzlich begünstigen. Man könnte sagen, sie wirken wie eine Art Brandbeschleuniger“, sagt Dr. Tsai-sang Dederichs vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen.

Und CHIP-Mutationen kommen bei Herzpatienten sehr häufig vor. "Auffällig ist, dass etwa jeder dritte Herzpatient zusätzlich von CHIP betroffen ist. Wir sehen einen Zusammenhang zwischen Alter, Vorhofflimmern und CHIP, den wir in unserer Studie untersuchen möchten. Langfristiges Ziel ist es, von CHIP betroffene Herzpatienten effizienter behandeln zu können,“ erklärt Dr. Dederichs.

Die Forscherteams wollen auch herausfinden, ob alle oder nur bestimmte CHIP-Mutationen das Risiko beeinflussen – unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck.

"Wir werden untersuchen, (...) ob bei den CHIP-Trägern tatsächlich häufiger beispielsweise Schlaganfälle, Herzinfarkte oder sogar Todesfälle auftreten“, sagt Dr. Carolin Ehlert, Forscherin und Assistenzärztin am Universitäts-Herzzentrum Freiburg/Bad Krozingen. Auf lange Sicht könnten Patienten mit CHIP-Mutationen anders und individueller behandelt werden als zur Zeit.

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