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Italien: US-Investor KKR bietet 11 Milliarden für Telekom-Konzern

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Von su  mit AP, AFP
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Der US-Finanzinvestor KKR (vormals Kohlberg Kravis Roberts & Co.) will den italienischen Telekommunikationskonzern TIM (vormals Telecom Italia) übernehmen.

KKR biete 50,5 Eurocent je Anteil und wolle den Konzern letztlich von der Börse nehmen, teilte das italienische Unternehmen nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Das Kaufinteresse sei "nicht bindend und indikativ", so die frühere Telecom Italia.

Die Aktie stieg an der Mailänder Börse im Montagshandel zwischenzeitlich um 22,97 Prozent auf 42,7 Euro-Cent. Sie war am Freitag mit 34,65 Cent aus dem Mailänder Handel gegangen. Als Folge stiegen auch die Titel der Deutschen Telekom um 1,1 Prozent und wurden Teil der Spitzengruppe im Dax.

Insgesamt ist die TIM-Offerte knapp elf Milliarden Euro schwer. Das Angebot ist noch nicht bindend, KKR will auch das Einverständnis des Telecom-Italia-Managements sowie der großen Aktionäre einholen - der französische Medienkonzern Vivendi hält der 24 Prozent an TIM. Zudem wird eine Einschätzung der Behörden erwartet; ein "Golden Power" genanntes Gesetz erlaubt es der Regierung beispielsweise, Deals ausländischer Investoren in für den Staat strategischen Bereichen zu verhindern.

KRITIK AN UMSATZ UND ERGEBNISSEN

TIM steht in Italien unter Druck: Der Umsatz ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel geschrumpft. Die jüngsten Quartalsergebnisse waren enttäuschend, auch ein Deal mit der Streamingplattform DAZN zur Übertragung von Fußballspielen der Serie A in dieser Saison brachte nicht die erhofften Zuwachszahlen an Abonnenten. Der CEO von TIM, Luigi Gubitosi, war nach zwei Gewinnwarnungen in drei Monaten bei Vivendi unter Beschuss geraten. Vivendi hatte einst beim Einstieg 1,071 Euro pro TIM-Aktie gezahlt. Ein neuer Eigentümer müsste auch die Schulden der TIM von 29 Milliarden Euro mit übernehmen.

Gubitosi hatte KKR bereits 2020 an Bord geholt. Damals hatte der US-Investor 1,8 Milliarden Euro für 37,5 Prozent am Unternehmen FiberCop (TIM und Fastweb) gezahlt, in dem TIMs Geschäft mit der „letzten Meile“ der Netze von den Verteilerkästen in den Straßen bis zu den Haushalten gebündelt ist.

Die Regierung ist am zügigen Ausbau des Breitbandnetzes in Italien interessiert. Dazu sind Milliardeninvestitionen erforderlich. Das aktuelle Kupfernetz muss auf Glasfaser umgestellt werden, damit Datenübertragungsraten möglich sind, die die Industrie benötigt.

Das Finanzministerium in Rom unterstrich in seiner Reaktion, dass der Breitbandausbau Priorität haben müsse, auch um die Anforderungen des milliardenschweren europäischen Wiederaufbaufonds zu erfüllen.

Das Unternehmen TIM entstand 1994 durch die Fusion von fünf Unternehmen (SIP, IRITEL, Italcable, Telespazio, SIRM) der ehemaligen Staatsholding IRI-STET. In den Jahren danach kam es zu zum Teil drastischen Rationalisierungen, in deren Folge der Personalbestand mehrmals stark abgebaut wurde. Im Oktober 1997 begann die italienische Regierung mit der Privatisierung. Das Unternehmen gehört nach Marktanteil zu den größten Mobilfunk- und Festnetzbetreibern Italiens.

su mit AP, AFP