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Covid-19 Rekordzahlen: Wenn Infizierte zusammen Weihnachten feiern - Delta trifft auf Omikron

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Von Kirsten Ripper  & Euronews  mit AP, AFP, Le Parisien, Libération
Weihnachtsessen auf der Covid-Intensivstation im Krankenhaus La Timone in Marseille
Weihnachtsessen auf der Covid-Intensivstation im Krankenhaus La Timone in Marseille   -   Copyright  Daniel Cole/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

In Frankreich ist an Heiligabend 2021 ein weiterer Rekord an Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Mehr als 94.000 Menschen wurden positiv getestet. Allerdings wurden auch noch nie zuvor so viele Tests durchgeführt, der Apothekenverband spricht von mehr als einer Million Tests in 24 Stunden. Denn viele haben sich testen lassen, bevor sie zu Weihnachten ihre Familien treffen - oder auch nicht. Dabei gibt es in Frankreich so gut wie keine Selbsttests mehr zu kaufen, die nur in Apotheken angeboten werden dürfen - und der Trend geht dieser Tage offenbar zum Feiern unter Infizierten.

An diesem Montag oder Dienstag hält Staatspräsident Emmanuel Macron einen weiteren sogenannten "Verteidigungsrat" zur Coronakrise ab. In einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video (siehe weiter unten) hatte Macron alle dazu aufgefordert, sich impfen und boostern zu lassen - und auch zu testen.

Auf Intensivstationen in französischen Krankenhäusern werden derzeit mehr als 3.000 schwer an Covid-19 erkrankte Patientinnen und Patienten verzeichnet. Viele Ärztinnen und Ärzte, Intensivschwetern und -pfleger sind ausgebrannt nach fast zwei Jahren Pandemie. An Weihnachten haben die Beschäftigten im Gesundheitswesen versucht, sich zumindest eine Pause zu gönnen und - wie auf der Covid-Intensivstation im Krankenhaus La Timone in Marseille - zumindest gemeinsam zu essen.

Daniel Cole/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Auf der Covid-Intensivstation im Krankenhaus La Timone in MarseilleDaniel Cole/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved

Weihnachten unter Infizierten feiern?

Tatsächlich ist es dieser Tage in Frankreich offenbar angesagt, die Feiertage zusammen mit anderen Infizierten zu verbringen. So müssen die, die gerade Covid-19 haben, Weihnachten wenigstens nicht alleine sein. Doch die Gesundheitsbehörden warnen davor: auf dem Weg zu anderen Erkrankten können andere Menschen angesteckt werden. Wer wegen Covid-19 in Quarantäne ist, solle zu Hause bleiben und sich ausruhen. LE PARISIEN sagt der Mediziner Gérald Kierzek zum gemeinsamen Feiern unter Erkrankten: "Das ist eine sehr schlechte Idee! Die Tatsache, dass man sich unter Menschen befindet, die Covid haben, wird die Viruskonzentration im selben Raum erhöhen, die Viruslast in der Atmosphäre wird größer sein und man riskiert eine Rekontamination. Wenn diese Kranken dann auch noch Viren aus verschiedenen Stämmen haben, kann es zu einer Koinfektion kommen und die Situation verschlimmern. Wenn man krank ist, bleibt man zu Hause, nimmt Paracetamol und ruht sich aus. Ruhe ist das beste Mittel, um die Immunität zu steigern."

In LIBERATION hatte Jean-Paul Stahl, Professor für Infektiologie am Universitätsklinikum Grenoble, auf das Prinzip des "Cohorting" verwiesen, "eine Technik, die in der Krankenhaushygiene und Infektiologie wohlbekannt ist (...) Ich mache daraus keine Empfehlung, aber es ist technisch möglich und es sind bislang keine zusätzlichen Risiken bekannt."

Alexandre Bleibtreu von der Pitié-Salpétrière in Paris meint allerdings, dass es theoretisch "ein Superinfektionsrisiko für eine mit der Delta-Variante infizierte Person geben könnte, wenn eine mit Omicron infizierte Person anwesend ist". Nachweise solcher Doppelinfektionen gibt es aber offenbar noch nicht.

In der Hauptstadtregion in und um Paris ist die Omikron-Variante offenbar schon dominant. In ganz Frankreich lag der Anteil zuletzt bei geschätzten 20 Prozent.

Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen beträgt landesweit mehr als 600 - in vielen Städten aber deutlich mehr.

In Frankreich wird derzeit auch beraten, ob die Quarantänezeit bei der Omikron-Variante verkürzt werden kann, damit infizierte Beschäftigte weniger lange bei der Arbeit fehlen. Die Zeit für die Booster-Impfung ist bereits auf vier Monate nach der zweiten Dosis verkürzt worden, über eine Verkürzung auf drei Monate wird diskutiert.