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Keine Waffen für Kiew? Ukraine erinnert Deutschland an 2. Weltkrieg

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Von Euronews  mit SkyNews
Demonstration zum Dank für britische Waffen für Kiew vor der Botschaft der Ukraine in London
Demonstration zum Dank für britische Waffen für Kiew vor der Botschaft der Ukraine in London   -   Copyright  Efrem Lukatsky/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Vor der Botschaft der Ukraine in London haben Demonstrantinnen und Demonstranten der britischen Regierung für die Waffenlieferungen für ihr Land im Konflikt mit Russland gedankt. In einem Interview mit SkyNews macht der ehemalige ukrainische Außenminister Vadim Prystaiko Deutschland heftige Vorwürfe.

Der ukrainische Botschafter Prystaiko wirft Deutschland vor, den NATO-Verbündeten Estland an der militärischen Unterstützung der Ukraine zu hindern, indem es sich weigert, den Export von Waffen deutscher Herkunft nach Kiew zu genehmigen. 

Viele Ukrainer erinnern sich noch daran, was Deutschland in unserem Teil der Welt, insbesondere in der Ukraine, getan hat.
Vadim Prystaiko
Botschafter der Ukraine in London

Auf SkyNews erklärte Vadim Prystaiko: "Wenn jemand in der NATO so etwas sagt, dann würde ich erwarten, dass die Deutschen die letzten sind, denn viele Ukrainer erinnern sich noch daran, was Deutschland in unserem Teil der Welt, insbesondere in der Ukraine, getan hat. Wir reden hier über beide Weltkriege. Es gibt keine ukrainische Familie, die nicht betroffen war. Wenn ich mir anhören muss, dass Ukrainer keine Waffen haben dürfen, dann sollte Deutschland erst ganz am Ende etwas sagen."

Das Wall Street Journal hatte berichtet, Deutschland blockiere die Lieferung deutscher Waffen durch Estland an die Ukraine. Dazu befragt antwortete der Botschafter der Ukraine: "Hier sind lauter Kameras, die es mir nicht erlauben zu sagen, was ich wirklich über Deutschland denke."

Im Zweiten Weltkrieg wurden in der Ukraine mehr als acht Millionen Menschen getötet, das Land verlor ein Viertel seiner Bevölkerung. Von der deutschen Wehrmacht und Hitlers Waffen-SS wurden mindestens fünf Millionen Zivilisten, Frauen und Kinder getötet - darunter 1,6 Millionen ukrainische Jüdinnen und Juden.

Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba kritisierte die Regierung in Berlin. Im Gespräch mit der WELT AM SONNTAG sagte er: "Wir sind enttäuscht über Deutschlands anhaltende Weigerung, die Lieferung defensiver Waffen in die Ukraine zu genehmigen, besonders in der derzeitigen Situation. (...) Wir wären noch enttäuschter, wenn Deutschland nicht nur ablehnte, uns defensive Waffen zu liefern, sondern auch noch andere daran hindern würde, dies zu tun."

Und auch Kuleba verwies auf das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer im Zweiten Weltkrieg: "Die Ukraine hat immense Verluste und Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erlitten. Nun, da wir erneut leiden und bedroht werden, ist die einzig angemessene Politik uns zu erlauben, uns zu verteidigen“. Deutschland habe "in der Vergangenheit Fehler gegenüber der Ukraine begangen“.

Botschafter Vadim Prystaiko forderte auch ein Ende von NordStream 2. In seinem Twitter-Profil zeigt der Diplomat das Logo der NATO und die Flagge der EU - und im Interview sagte Prystaiko auch, die Ukraine wolle selbstverständlich der EU und der NATO beitreten.

Weitere Quellen • WELT AM SONNTAG