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650 leere Stimmzettel: Italienische Präsidentenwahl muss in die 2. Runde

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Von Euronews  mit DPA
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Parlamentsangestellte öffnen die Wahlurnen am Ende der 1. Wahlrunde im italienischen Parlament in Rom.
Parlamentsangestellte öffnen die Wahlurnen am Ende der 1. Wahlrunde im italienischen Parlament in Rom.   -   Copyright  Yara Nardi/AP

Mitten in der Corona-Pandemie hat an diesem Montag in Italien die Präsidentenwahl begonnen. Wie erwartet gab es im ersten Wahlgang noch keinen Sieger.

Weil sich die großen Regierungsparteien im Vorfeld entschlossen hatten, weiße Stimmzettel ("Scheda bianca") ohne Namen von Kandidaten abzugeben, erreichte niemand die für eine Wahl nötige Zweidrittelmehrheit.

Immer wieder "bianca, bianca"

Das wurde schon während der öffentlichen Auszählung der einzelnen Stimmkarten durch Roberto Fico, den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, am Montagabend klar. Bei der öffentlichen Einzelauszählung der Stimmen in der Aula des Abgeordnetenhauses in Rom las Fico immer wieder "bianca, bianca" vor.

Am Ende waren mehr als 650 Stimmzettel leer. Ohne einen lagerübergreifenden Kandidaten ist es in den ersten drei Wahlgängen fast unmöglich, zwei Drittel der insgesamt 1009 Stimmen zu erhalten.

Am diesem Dienstag könnte sich ein ähnliches Szenario entwickeln. Ab dem vierten Wahlgang am Donnerstag reicht dann eine absolute Mehrheit.

Wer folgt auf Sergio Mattarella?

Bereits am Montag begannen die Chefs der Parteien mit intensiven Verhandlungen und der Suche nach einem gemeinsamen, weitestmöglich akzeptierten Kandidaten.

Mit den weißen Stimmkarten wollten sie ihre Bereitschaft zum Dialog signalisieren. Unter anderen Matteo Salvini von der rechten Lega und Enrico Letta als Chef der Sozialdemokraten trafen sich zu einem "langen und herzlichen" Austausch, wie von den Parteien zu hören war.

Als Favorit auf die Nachfolge von Sergio Mattarella, der nach seiben Jahren ausscheiden will, kristallisierte sich Pier Ferdinando Casini heraus. Der ehemalige Chef des Abgeordnetenhauses war früher am Mitte-Rechts-Bündnis des damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi beteiligt, sitzt aktuell aber für Mitte-Links im Senat, der zweiten Parlamentskammer. Er ist für beide politischen Spektren wählbar.

Auch Ministerpräsident Mario Draghi werden Chancen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt; auch er führte diesbezüglich Gespräche mit einflussreichen Politikern in Rom, wie am Montag zu hören war. Sollte der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank Staatspräsident werden, wäre allerdings offen, wie es mit der Regierung weitergeht. Die Legislaturperiode der aktuellen Vielparteienregierung läuft noch bis 2023.