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(Vorläufig) kein Gas mehr über Nord Stream 1

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Von su  mit dpa
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Die Gas-Pipeline Nord Stream 1 wird seit diesem Montagmorgen hat die schrittweise abgeschaltet - seit 6.00 Uhr werde die zuletzt wichtigste Verbindung für russisches Erdgas nach Deutschland für langfristig angekündigte Wartungsarbeiten heruntergefahren, so ein Sprecher der Nord Stream AG ("dpa").

Laut Betreibergesellschaft sollen die Arbeiten bis zum 21. Juli dauern. In diesen zehn Tagen werde kein Gas durch die Pipeline nach Deutschland befördert. Kanada will eine gewartete Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 nach Deutschland zurückschicken - gegen Einspruch aus der Ukraine. Dazu kündigte Ottawa "eine zeitlich begrenzte und widerrufbare Erlaubnis" für den Hersteller an - eine Ausnahme von den Russland-Sanktionen.

Unter anderem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte Bedenken geäußert, dass Russland den Gashahn auch nach Abschluss der Wartung nicht mehr aufdrehen könnte.

Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister:

„Nord Stream 1 wird immer im Sommer gewartet, dann wird die Pipeline runtergefahren, in der Regel für 10 Tage. Aber nach dem Muster, das wir gesehen haben, wäre es jetzt auch nicht so super überraschend, wenn irgendein kleines technisches Detail gefunden wird und dann sagt man: 'Das können wir halt nicht wieder anmachen. Jetzt haben wir bei der Wartung irgendwas gefunden und das war's dann.' Also insofern ist die Situation durchaus angespannt."

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine Ende Februar gilt die Versorgung Europas mit Gas aus Russland als gefährdet.

BANGES WARTEN

Im Jahr 2020 lieferte Russland insgesamt rund 168 Milliarden Kubikmeter Erdgas per Pipeline („Statista“) nach Europa – Deutschland war mit knapp einem Drittel (56,3 Milliarden Kubikmeter) der wichtigste Abnehmer. Eigentümer und Betreiber der Nord Stream 1 ist die Nord Stream AG, deren Anteile von Gazprom (51 %) sowie Wintershall Dea, E.ON, Gasunie und Engie gehalten werden.

Laut Unternehmen werden unter anderem Sicherheitssysteme, die Stromversorgung, der Brand- und Gasschutz sowie Absperr- und Isolierungsventile überprüft und gegebenenfalls instandgesetzt oder kalibriert. Auch Software-Updates sind demnach geplant. Laut Bundesnetzagentur finden die Arbeiten nicht direkt an der Leitung, sondern an den Verdichterstationen, etwa in Lubmin statt.

Das russische Staatsunternehmen Gazprom hatte die Liefermenge im Juni mit Verweis auf technische Probleme deutlich gedrosselt.  Eine dauerhafte Abschaltung könnte laut Modellen der Bundesnetzagentur unter Umständen zu einem Gasmangel in Deutschland im Winter führen. In der Vergangenheit wich die Dauer der Arbeiten teilweise leicht von der angesetzten Zeit ab.

Nord Stream, auch Ostsee-Pipeline, ist ein System von Unterwasser-Gasleitungen, die von Russland nach Deutschland verlaufen. Es besteht aus zwei Pipelines, Nord Stream 1 (auch Nord Stream, ehemals North European Gas Pipeline, NEGP) und Nord Stream 2, mit je zwei Strängen. Am 10. September 2021 war der Bau von Nord Stream 2 abgeschlossen. Bundeskanzler Olaf Scholz entschied, aufgrund des zu erwartenden russischen Überfalls auf die Ukraine, das Zertifizierungsverfahren zur Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu stoppen.

su mit dpa