Gefährliches Spiel: Killerwale greifen in Portugal Segelboote an

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Von Francisco Marques  & Euronews
Ein Killerwal taucht direkt neben einem Boot ins Wasser.
Ein Killerwal taucht direkt neben einem Boot ins Wasser.   -   Copyright  Arthur Skipper   -  

Allein dieses Jahr wurden an der portugiesischen Küste 46 Zwischenfälle mit Killerwalen gemeldet. Dabei werden immer wieder Boote beschädigt. Die Vorfälle begannen 2020, als der Schiffsverkehr gegen Null ging und es dementsprechend für die Orcas, die sich per Echolokation orientieren, deutlich ruhiger war.

Ein Segler beschreibt seine erste Begegnung mit einem Killerwal als furchteinflößend. Immerhin können die Tiere knapp acht Meter lang werden und mehr als fünf Tonnen wiegen. Seit er etwas mehr Erfahrung mit den Tieren hat, bezeichnet er die Zwischenfälle als "gefährliches Spiel": "Man ist ruhiger, weil man weiß, dass sie einen in Ruhe lassen, wenn man nicht reagiert."

Der Präsident der Umweltorganisation CascaiSea Miguel Lacerda erklärt: "Wenn sich nur ein Weibchen so vor ein, zwei oder drei Jungtieren verhält, werden diese Jungtiere sie nachahmen."

16 Killerwale kommen immer wieder mit Booten in Kontakt

Zunächst waren drei Killerwale bekannt, die Segelboote attackierten. Nun gibt es ungefähr 16 Tiere, die von der nordspanischen Atlantik-Küste bis zum Süden Portugals und sogar bis zur Straße von Gibraltar immer wieder mit Booten in Kontakt kommen.

Noch gibt es keine Erklärung für das Verhalten der Orcas. Ob sie nur spielen, ihre Jungtiere beschützen wollen oder aggressiv sind, ist nicht geklärt.

Alfredo López, der als Biologe für die Atlantic Orca Working Group arbeitet, ist sich sicher, dass die Tiere an den Küsten Spaniens und Portugals nicht aus Aggressivität, sondern aus Neugier handeln.

"Wir haben die Zwischenfälle studiert und konnten im Verhalten und in den Bewegungsabläufen der Tiere keine Anzeichen von Aggressivität erkennen", erklärt er.

Orcas sind sehr intelligente Tiere, die auch verspielt sein können. Einige von ihnen wurden dabei beobachtet, wie sie spielerisch Boote verfolgten oder ins Ruder bissen. Dennoch sind diese Interaktionen mit den gewaltigen Killerwalen für viele der Segler:innen angsteinflößend. 

Es kommt zu gefährlichen Zwischenfällen

Und nicht zuletzt auch immer wieder gefährlich:

Ende 2020 wurde beispielsweise das Boot eines deutschen Seglers auf offener See bis zur Fahruntüchtigkeit beschädigt. Der 60-jährige Mann musste gerettet werden.

Im Juli diesen Jahres mussten fünf weitere Menschen vor der Küste des Fischerdorfes Sines gerettet werden, nachdem ihr Segelboot in Folge eines Aufeinandertreffens mit einem Orca gekentert war.

Laut Biologin Marina Sequeira, die für die ICNF arbeitet, hat das spanische Umweltministerium eine Studie in Auftrag gegeben, um einen Lösungsansatz für das Problem zu finden. Im Rahmen der Untersuchung sollen wohl einige Killerwale markiert werden. Sequeira sieht darin allerdings keine Lösung, da sie es für unmöglich hält, alle Tiere zu markieren.

Die Untersuchung läuft also weiter, ebenso wie die teils gefährlichen Attacken.

Weitere Quellen • Portugal Resident