Russland schickt Schwerverbrecher an die Ukraine-Front - Hauptquartier der Wagner-Söldner eröffnet

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Von Euronews  mit AP, AFP, dpa
Eingang des neuen Sitzes der Wagner-Söldner-Truppe in St. Petersburg in Russland
Eingang des neuen Sitzes der Wagner-Söldner-Truppe in St. Petersburg in Russland   -   Copyright  Dmitri Lovetsky/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Das private russische Militärunternehmen der Wagner-Söldner hat sein Hauptquartier in Sankt Petersburg eröffnet und tritt damit endgültig aus dem (Halb-)Schatten. Erst Ende September hatte Jewgeni Prigoschin, der Oligarch, der als "Putins Koch" bekannt ist, öffentlich bekannt gegeben, was zuvor ein offenes Geheimnis war, nämlich dass er der Chef der PMC Wagner Group ist. PMC steht für "Private Military Company".

Wie Wladimir Putin kommt Jewgeni Prigoschin aus Sankt Petersburg.

Schon seit 2014 sind Wagner-Söldner in zahlreichen Konflikten - wie im Donbas in der Ukraine, in Syrien oder in Mali - im Auftrag des Kreml an der Seite der russischen Armee im Einsatz. Prigoschin bezeichnet seine Militärtruppe, die als besonders brutal berüchtigt ist, als "Säule des Vaterlandes".

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Hauptquartier der Wagner-Group in St. PetersburgDmitri Lovetsky/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

Reich geworden ist Jewgeni Prigoschin, der den Konzern Concord leitet, durch Kantinenessen, Restaurants und Catering - auch für den Kreml. und die Duma in Moskau Daher rührt auch sein Spitzname "Putins Koch".

An diesem Freitag besuchten vor allem Männer in Tarnkleidung das neue Gebäude der Wagner-Group und sahen sich eine Ausstellung mit Drohnen an.

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Im Hauptquartier der Wagner-Söldner in St. PetersburgDmitri Lovetsky/Copyright 2022 The AP. All rights reserved

"Die Aufgabe des PMC-Wagner-Zentrums besteht darin, ein komfortables Umfeld für die Entwicklung neuer Ideen zur Verbesserung der russischen Verteidigungsfähigkeit zu schaffen", erklärte Prigoschin in einer Mitteilung.

Schon seit Monaten tourt der 61-jährige Wagner-Chef auch in entlegenen Regionen durch russische Gefängnisse, um Männer für seine Truppe anzuheuern. Zuletzt waren offenbar viele seiner Söldner in der Ukraine ums Leben gekommen.

Jewgeni Prigoschin hat nach einem Raubüberfall und anderen Delikten selbst neun Jahre im Gefängnis verbracht. Er wurde 1990 aus der Haft entlassen.

Auch Schwerverbrecher sollen rekrutiert werden

Jetzt hat Russland - offenbar auf Anweisung des Präsidenten - die Regeln für die Rekrutierung für den Krieg in der Ukraine geändert. Auch verurteilten Mördern und Drogenhändlern, die vor Kurzem aus dem russischen Gefängnissen entlassen wurden, droht nach der Gesetzesänderung die Einberufung.

Präsident Wladimir Putin wollte die Regeln für die Einberufung von Reservisten ändern, um auch Männer einzuziehen, die wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurden. Ehemalige Häftlinge, die wegen Sexualverbrechen an Kindern oder Terrorismus verurteilt wurden, sind allerdings weiterhin vom Dienst in der russischen Armee ausgeschlossen.

An diesem Freitag erklärte Putin, dass bereits 49.000 der bei der Teil-Mobilmachung rekrutierten Reservisten in der Ukraine im Einsatz seien. Zudem hätten sich 50.000 Freiwillige gemeldet.

Westliche Militärexperten bezeichnen aber den fehlenden Kampfeswillen und die mangelnde Motivation der russischen Soldaten als Probleme von Putins Armee in der Ukraine.