Britische Regierung blockiert schottisches Transgender-Gesetz

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit dpa
Schottland will es trans Menschen leichter machen, ihr Geschlecht anzupassen - doch London ist dagegen.
Schottland will es trans Menschen leichter machen, ihr Geschlecht anzupassen - doch London ist dagegen.   -   Copyright  AP Photo/Hassan Ammar

Mit ihrer Blockade des schottischen Gender-Gesetzes sorgt die britische Regierung für Unmut. Mit der Reform will Schottland trans Menschen die Entscheidung über das eigene Geschlecht selbst überlassen. 

Was steht im neuen Gesetz?

Für eine Änderung des Geschlechts im Personalausweis braucht es laut dem neuen Gesetz kein ärztliches Attest mehr, bisher war eine medizinische Diagnose Pflicht. 

Als trans werden Menschen bezeichnet, die sich einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, als dem, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde. Bisher war der bürokratische Prozess für die Betroffenen enorm und sehr langwierig. 

Neben dem Wegfall des medizinischen Gutachtens sinkt in Schottland auch die Altersschwelle für die Änderung des Geschlechtseintrags von 18 auf 16 Jahre.

Gleichstellung in Gefahr?

Doch der britischen Zentralregierung in London ist das ein Dorn im Auge. Sie sieht die Gleichstellungsgesetze in Gefahr und stellt sich quer. 

In London haben sich am Dienstag Menschen versammelt, um gegen das britische Veto zu demonstrieren. Darunter Owen Hurcum: "Sie lügen, wenn sie behaupten, ihre Entscheidung hätte nichts mit Transphobie zu tun. Sie sagen, das Gesetz bringe das Gleichstellungsgesetz in Gefahr, doch das stimmt nicht."

Auch Laura Dale ist empört: "Die britische Regierung greift ein, um Schottland daran zu hindern, den Prozess der Geschlechteranerkennung zu vereinfachen. Dieses Veto bedeutet konkret: London will so sehr verhindern, dass sich die Rechte von trans Menschen in Großbritannien verbessern, dass es bereit ist die Beziehungen zu Schottland aufs Spiel zu setzen.“

Schottland spricht von "Frontalangriff"

Das Argument der britischen Zentralregierung: Durch das Gesetz bekämen biologische Männer etwa Zugang zu geschützten Räumlichkeiten, die für Frauen vorgesehen seien. Dazu gehören auch Unterkünfte für Opfer häuslicher Gewalt.

Der für Schottland zuständige Minister, Alister Jack, sagt: "Wir sind der Meinung, dass der Gesetzentwurf unter anderem schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Anwendung des Equality Act aus dem Jahr 2010 haben wird. Dazu gehören auch negative Auswirkungen auf den Betrieb von gleichgeschlechtlichen Vereinen, Verbänden und Schulen sowie auf Schutzmaßnahmen wie die Lohngleichheit."

Schottlands Premierministerin Nicola Sturgeon wirft London einen "Frontalangriff auf das schottische Parlament" vor und warnt, die Angelegenheit werde "unweigerlich vor dem Obersten Gerichtshof landen".

J.K. Rowling gegen Nicola Sturgeon

Erfolgsautorin Joanne K. Rowling zählt zu den prominentesten Kritikerinnen des Gesetzesvorhabens, mit dem die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon die Entscheidung über das eigene Geschlecht den Betroffenen selbst überlassen will.

Auf einem T-Shirt kritisierte die Schriftstellerin die Politikerin als "Zerstörerin von Frauenrechten", wiederholt machte sie sich über die Debatte lustig. Wochenlang diskutierten "Harry Potter"-Fans und auch die Darsteller, ob die Schöpferin des Zauberlehrlings transphob sei. Sturgeon antwortete, es gehe darum, einen "erniedrigenden und traumatischen" Prozess zu reformieren.

Kritiker:innen werfen Rowling vor, Feminismus als Vorwand für ihre Transfeindlichkeit zu benutzen. Mit ihren Äußerungen schließe sie trans Frauen aus den feministischen Kämpfen aus.