Ardern-Nachfolge: Polizei- und Bildungsminister Chris Hipkins soll es werden

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Von Serguei Doubine
Hipkins ist auf dem besten Weg, Neuseelands nächster Premierminister zu werden, nachdem er sich als einziger Kandidat für die Nachfolge von Jacinda Ardern beworben hat
Hipkins ist auf dem besten Weg, Neuseelands nächster Premierminister zu werden, nachdem er sich als einziger Kandidat für die Nachfolge von Jacinda Ardern beworben hat   -  Copyright  Nick Perry/Copyright 2023 The AP. All rights reserved.

Jacinda Ardern hat einen Nachfolger, nächster neuseeländischer Premierminister soll der bisherige Polizei- und Bildungsminister Chris Hipkins werden. Der 44-Jährige ist der einzige Kandidat für die Führung der regierenden Labour-Partei, muss aber noch bestätigt werden. 

Hipkins - bekannt unter dem Spitznamen "Chippy" - wurde während der Corona-Pandemie zu einer in Neuseeland bekannten Persönlichkeit. Er übernahm vor allem die Rolle des Krisenmanagers, der die Grenzen des Landes abriegelte, und erwarb sich einen Ruf für seine Kompetenz bei der Bekämpfung des Virus. 

Dennoch gab es auch den einen oder anderen Fauxpas. Auf einer Pressekonferenz im August 2021 sagte Hipkins, die Menschen könnten während einer Abriegelung immer noch nach draußen gehen und "ihre Beine spreizen" - was im Internet für viel Heiterkeit sorgte.

Im vergangenen Jahr gestand er ein, dass die Menschen von den strengen Pandemie-Beschränkungen die Nase voll haben, und bezeichnete die Grenzschließungen als "schwierig".

"Sensibel, sympathisch, hart und kompetent"

Hipkins ist seit Juni 2022 Polizeiminister und hat außerdem das Bildungsressort inne.

Er ist als politischer Problemlöser bekannt, der eine Vielzahl von Aufgaben übernimmt, um von anderen Politiker:innen verursachte Probleme zu lösen.

Die politische Kolumnistin Josie Pagani bezeichnete Hipkins als "sensibel, sympathisch, hart und kompetent".

Der 44-Jährige beschreibt sich selbst als "Outdoor-Enthusiast", der gerne Mountainbike fährt, wandert und schwimmt. Er studierte Politik und Kriminologie an der Universität von Victoria und arbeitete später im Bereich der Ausbildung in Unternehmen.

Streit mit Australiens konservativer Ex-Regierung

Obwohl Hipkins als freundlicher und lockerer Gesprächspartner bekannt ist, war er in öffentliche Auseinandersetzungen mit der ehemaligen konservativen Regierung Australiens verwickelt.

Im Jahr 2021 beschuldigte er Australien, "seinen Müll" nach Neuseeland zu exportieren - eine Anspielung auf die umstrittene Politik Canberras, Kriminelle in ihr Geburtsland abzuschieben.

Einige Jahre zuvor war Hipkins von Ardern wegen seiner Rolle in einem Skandal um die doppelte Staatsbürgerschaft im australischen Parlament ermahnt worden.

Der damalige stellvertretende Premierminister Barnaby Joyce wurde zum Rücktritt gezwungen, nachdem Hipkins Informationen erhalten hatte, aus denen hervorging, dass Joyce sowohl die australische als auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft besaß.

Australien verbietet es Politikern, im Parlament zu sitzen, wenn sie eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen.

Ardern erklärte damals, Hipkins' Vorgehen sei "inakzeptabel".

Hipkins' politische Erfahrung wird von einigen als Pluspunkt angesehen.

Zuvor war er mehr als fünf Jahre lang Bildungsminister und Minister für den öffentlichen Dienst. Bevor er 2008 Abgeordneter wurde, war Hipkins leitender Berater von zwei Ministern und der ehemaligen Premierministerin Helen Clark.

Er "wird ein unglaublich starker Premierminister sein", sagte Justizministerin Kiri Allan, eine Maori-Labour-Abgeordnete, die selbst für das Amt als Regierungschefin in Betracht gezogen wurde.

"Er ist äußerst fähig und hat sich in den letzten sechs Jahren als einer unserer wichtigsten Minister für Neuseeland bewährt."

Es ist nicht klar, wie er die Führung übernehmen wird, da Hipkins sich am Samstag nicht auf eine Diskussion mit Reportern über politische Pläne einließ.

Seine Anhänger:innen hoffen, dass er ein breites Spektrum von Wählern ansprechen wird.

Doch der Labour-Politiker hat angesichts der bevorstehenden Wahlen in diesem Jahr einen schweren Stand.

Meinungsumfragen zufolge liegt seine Partei hinter ihrem Hauptgegner, der konservativen National Party, zurück.

Eine der größten Herausforderungen für ihn wird es sein, die Wähler davon zu überzeugen, dass Labour die Wirtschaft voranbringen kann.

Hipkins könnte bis zu den Wahlen im Oktober übernehmen, leicht wird es aber nicht für ihn: Meinungsumfragen zeigen, dass seine Labour partei hinter der konservativen National Party zurückliegt. Jacinda Ardern hatte nach fünfeinhalb Jahren überraschend ihren Rücktritt angekündigt.