Skandalreicher Regierungschef: Pakistanischer Ex-Präsident Musharraf ist verstorben

Musharraf spricht in zahlreiche Mikrofone.
Musharraf spricht in zahlreiche Mikrofone. Copyright B.K. BANGASH/AP2000
Von Euronews mit AP
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Der ehemalige pakistanische Präsident Musharraf ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Seine Zeit als Regierungschef war von Skandalen geprägt.

WERBUNG

Der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf ist im Alter von 79 Jahren verstorben.

Bewegte Zeit als Präsident

Nach mehreren Militärputschen kam Musharraf 1999 in Pakistan an die Macht. Er erlebte in seiner Zeit als Präsident unter anderem Spannungen mit Indien, einen Notstand wegen Atomwaffen und einen Islamisten-Aufstand. 2008 trat er in Angesicht eines drohenden Amtsenthebungsverfahrens zurück.

Später lebte Musharraf im selbst auferlegten Exil in Dubai. Seine letzten Jahre waren von gesundheitlichen Problemen geprägt.

Shazia Siraj, eine Sprecherin des pakistanischen Konsulats in Dubai, hat Musharrafs Tod bestätigt. Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif drückte sein Mitgefühl aus: "Möge Gott seiner Familie die Kraft geben, diesen Verlust zu ertragen."

Pakistan nach den Angriffen des 11. Septembers

Nach den Terrorangriffen des 11. Septembers 2001 geriet Pakistan als Nachbarland Afghanistans unter Musharrafs Führung in eine gefährliche Situation. Von den USA massiv unter Druck gesetzt verkündete Musharraf, George W. Bushs Regierung vollumfänglich im Kampf gegen "Terrorismus in all seinen Formen" zu unterstützen. Zuvor hatte ein amerikanischer Amtsträger laut Pasharraf damit gedroht, Pakistan "zurück in die Steinzeit" zu bombardieren, sollte das Land nicht kooperieren wollen.

So wurde Pakistan zu einem Schlüsselpunkt für die Operationen der NATO gegen Afghanistan.

Verkaufte Geheimnisse zum Bau von Atomwaffen

Während seiner Regierungszeit verkaufte der pakistanische Atomwissenschaftler A.Q. Khan Pläne für eine Zentrifuge und andere Geheimnisse an den Iran, Libyen und Nordkorea und verdiente damit mehrere Millionen. Noch heute sind die dadurch entstandenen Zentrifugen im Iran in Einsatz, Nordkorea gelang es mit den Plänen, sich mit Atomwaffen zu bewaffnen.

Musharraf gab an, Khan zwar bereits verdächtigt zu haben, die Schwere der Situation aber erst 2003 erkannt zu haben, nachdem der damalige CIA-Direktor ihm detaillierte Pläne einer pakistanischen Zentrifuge vorlegte.

2004 gestand Khan im Staatsfernsehen, Musharraf begnadigte ihn.

Politisches Comeback scheitert

Nach weiteren Skandalen stand der pakistanische Präsident 2008 vor einem Amtsenthebungsverfahren und trat zurück.

Anschließend lebte er in Dubai und London. 2012 wagte er ein politisches Comeback, das allerdings in seiner Verhaftung und auferlegtem Hausarrest ein schnelles und harsches Ende fand. Ihm wurde unter anderem Landesverrat vorgeworfen. 2016 wurde Musharraf auf Kaution freigelassen, anschließend begab er sich zu medizinischer Behandlung zurück nach Dubai.

Im Juni 2022 verkündete seine Familie, dass er sich seit Wochen in einem Krankenhaus in Dubai befinde, da er an Amyloidose leide, eine Krankheit, bei der sich zusammengeballte Eiweiße, die der Körper nicht abbauen kann, im Gewebe ablagern.

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

Islamabad: Ex-Regierungschef Imran Khan erneut vor Gericht

Mörderischer Anschlag in Unruheprovinz Belutschistan: Mindestens 9 Polizisten sterben

Gegen den Smog anradeln: Umweltaktivisten im pakistanischen Lahore