"Wir hören Stimmen": Verzweifelte Suche in Erdbeben-Gebieten in Türkei und Syrien

Eine syrische Mutter küsst die Hand ihrer getöteten Tochter in Reyhanli, Türkei. 9. Februar 2023
Eine syrische Mutter küsst die Hand ihrer getöteten Tochter in Reyhanli, Türkei. 9. Februar 2023 Copyright Hussein Malla/AP
Von Yuliyan Stoyanov
Diesen Artikel teilenKommentare
Diesen Artikel teilenClose Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopierenCopy to clipboardCopied

Die Opferzahlen in der Türkei und Syrien steigen beständig, offiziell werden knapp 12.000 genannt, die UNO rechnet mit bis zu 20.000 Toten. Rettungsteams aus der ganzen Welt suchen nach Überlebenden. Die ersten 72 Stunden sind entscheidend.

WERBUNG

Die schlimmsten Erwartungen nach dem Beben, das Syrien und der Türkei erschüttert hat, haben sich bestätigt. Neuen, offiziellen Zahlen zufolge sind mehr als 16.000 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 66.000 Verletzte gab es in der Türkei und Syrien. Die UNO schätzt, dass es insgesamt mehr als 20.000 Todesopfer geben könnte. 

Rettungsteams aus der ganzen Welt suchen unter dem Schutt der eingestürzten Gebäude nach Überlebenden. Doch die Hoffnung, Menschen noch lebend zu finden, schwindet mit jeder Minute.

Die ersten 72 Stunden sind entscheidend, jede Minute zählt. Nurdagi liegt nur 10 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt. Die Stadt ist völlig zerstört. Serhan sucht dort, wo seine Großeltern und Cousins lebten.

"Alle liegen unter den Trümmern. Wir haben keine Hoffnung mehr, wir warten nur noch auf ihre Leichen."

Etliche Menschen in der Katastrophenregion warten seit Tagen auf Hilfe. Viele wissen genau, wo ihre Angehörigen, Freunde oder Nachbarn in den Trümmern vergraben sind, können teilweise sogar mit ihnen telefonieren oder ihre Stimmen hören. 

Auf Twitter wird millionenfach der Hashtag #SESVAR geteilt: "Wir hören Stimmen". Menschen teilen Standorte und flehen um Hilfe. Doch ohne das nötige technische Gerät hilft das alles nichts. 

Seit drei Tagen lebt Samet auf der Strasse, er glaubt nicht daran, seine Verwandten wieder zu sehen.

"Meine Tante und mein Cousin sind immer noch irgendwo da draußen. Hätten wir sie letzte Nacht gefunden , dann hätte es eine Chance gegeben. Aber jetzt ist es sehr kalt geworden... Es gibt keine Hoffnung mehr."

Ununterbrochen arbeiten sich Bagger und schwere Fahrzeuge durch den Schutt. Zur Zeit ist es noch sehr gefährlich, sich in der Stadt zu bewegen.

Seit Montagmorgen lebt eine Gruppe Mütter mit ihren Kindern auf der Straße. Alles, was sie haben, sind ein paar Decken und ein Feuer, um sich warm zu halten. Jede dieser Frauen hat erfahren müssen, dass sie jemanden aus ihrer Familie verloren haben. Sie sind unverletzt, sonst ist Ihnen nichts geblieben.

Wenn Sie spenden wollen...

Caritas International, Unicef, das Deutsche Rote Kreuz und die Diakonie Katastrophenhilfe haben sich zum Aktionsbündnis Katastrophenhilfe zusammengeschlossen. Spenden können Sie über IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600 BIC: COBADEFFXXX oder im Internet.

Schon vor Ort in der Türkei hilft ISAR Germany. Für die Rettungsteams können Sie ONLINE spenden. IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00 BIC: BFSWDE33xxx

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Krankenhäuser auch in Syrien. Spenden kann man auf der Webseite oder unter IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00; BIC: BFSWDE33XXX

In Österreich gibt es NACHBAR IN NOT - Erdbebenopfer Türkei und Syrien im Internet oder unter IBAN: AT75 2011 1400 4004 4001 BIC: GIBAATWWXXX

Diesen Artikel teilenKommentare

Zum selben Thema

"Wir hören nichts mehr": Kaum noch Hoffnung, Überlebende zu bergen

"Rose, meine Rose" - Dramen in der Großstadt Antakya

Im Zeichen des Frühlings: Millionen Tulpen blühen in Istanbul