Spanien erlaubt Änderung des Geschlechts ab 16 Jahren: Wie sieht es in anderen EU-Ländern aus?

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Von Alexandra Leistner
Demonstrant:innen gegen das "Transgender-Gesetz" mit Postern mit der Aufschrift "Verstümmelung ist nicht rückgängig zu machen" vor dem spanischen Kongress am 16. Februar.
Demonstrant:innen gegen das "Transgender-Gesetz" mit Postern mit der Aufschrift "Verstümmelung ist nicht rückgängig zu machen" vor dem spanischen Kongress am 16. Februar.   -  Copyright  OSCAR DEL POZO/AFP or licensors

Die spanischen Abgeordneten haben am Donnerstag endgültig ein Gesetz verabschiedet, das die Änderung des Geschlechts durch eine einfache administrative Erklärung ab 16 Jahren ermöglicht.

Durch das Gesetz ist es nicht mehr verpflichtend, ärztliche Atteste über Geschlechtsdysphorie und den Nachweis einer zweijährigen Hormonbehandlung vorzulegen - wie es bisher für volljährige Personen der Fall war.

Das vereinfachte Verfahren zur Selbstidentifikation als Transgender war auch innerhalb der regierenden Linkskoalition heftig umstritten gewesen. Der Gesetzentwurf war monatelang diskutiert worden.

"Spanien ist ein Land, das heute stolz sein kann, weil es die Rechte vorantreibt und zu einer besseren Gesellschaft wird", sagte die Ministerin für Gleichberechtigung Irene Montero von der Partei Podemos am Donnerstag im Radio. 

Der Text war Ende Dezember in erster Lesung verabschiedet worden. Das Recht auf die Veränderung des Geschlechts wird auch auf 14- bis 16-Jährige ausgeweitet, sofern sie im Verfahren von ihren gesetzlichen Vormündern begleitet werden, sowie auf 12- bis 14-Jährige, wenn sie von der Justiz grünes Licht erhalten. 

Spanien ist eines der wenigen Länder, in dem es allen Personen ab 16 Jahren erlaubt ist, das Geschlecht in ihrem Personalausweis zu ändern. Nur Dänemark ist dem südeuropäischen Land voraus: Dort hatte man 2014 als erstes Land in Europa Transgendern dieses Recht zugestanden.

Debatte um Geschlechtsdysphorie

Mit Geschlechtsdysphorie ist die Notlage, die durch ein Missverhältnis zwischen dem biologischen Geschlecht und dem Geschlecht, mit dem sich eine Person identifiziert, verursacht wird, gemeint.

Die Debatte hat in den letzten Jahren in vielen Ländern an Bedeutung gewonnen, da die Zahl der Anträge auf Geschlechtsumwandlung, insbesondere bei Minderjährigen, gestiegen ist.

Wie ist die Lage in Deutschland?

In Deutschland wird im sogenannten Transsexuellengesetz (TSG) geregelt, wie man seinen Namen oder die Geschlechtsangabe in Ausweispapieren ändert. In Deutschland kann man die Änderung des Vornamens sowie der Geschlechtszugehörigkeit bei einem Gericht beantragen. Voraussetzung ist, dass sich Antragsteller dem anderen Geschlecht als zugehörig empfinden und das seit mindestens drei Jahren ändern möchten. 

"Zusätzlich muss mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen sein, dass sich sein Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird", wird auf der entsprechenden Internetseite des Innenministeriums präzisiert. 

Ein Gericht darf einem Antrag auf Namensänderung oder Änderung der Geschlechtszugehörigkeit nur stattgeben, wenn zusätzlich zwei Gutachten von Sachverständigen vorliegen.

Es ist möglich, das Geschlecht zu ändern ohne den Vornamen zu verändern. Nach Angaben des Regenbogenportals dauert ein TSG-Verfahren im Durchschnitt neun Monate und kostet durchschnittlich 1.868 Euro.

Eine Altersuntergrenze für ein solches Verfahren gibt es nicht, Minderjährige können durch Erziehungsberechtigte vertreten werden.

Schweden, Finnland, Frankreich

In Schweden haben die Behörden vor einem Jahr beschlossen, die Hormontherapie für Minderjährige außer in sehr seltenen Fällen einzustellen, und dies mit der Notwendigkeit begründet, "Vorsicht walten zu lassen". 

Außerdem hat Stockholm vor kurzem drastische Einschränkungen für die Entfernung der Brüste bei Teenagern eingeführt.

In Finnland wurde 2020 eine ähnliche Entscheidung getroffen. In Frankreich hat die Académie de Médecine zu "großer medizinischer Vorsicht" bei der Behandlung junger Patient:innen und zu "größter Zurückhaltung" bei der Hormonbehandlung aufgerufen.

Schottland: Vom Parlament in London blockiert

Großbritannien blockierte im vergangenen Monat ein schottisches Gesetz über die Rechte von Transgendern, das dem spanischen ähnlich ist und Ende Dezember nach heftigen Debatten vom Parlament in Edinburgh verabschiedet worden war.

Die Entscheidung galt als Niederlage für die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, die am Mittwoch ihren Rücktritt angekündigt hatte.