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Nach Selbstmord von Lindsay (13): Was tun gegen Cybermobbing in Frankreich?

Mutter und Vater von Lindsay, die sich mit 13 das Leben genommen hat
Mutter und Vater von Lindsay, die sich mit 13 das Leben genommen hat Copyright DENIS CHARLET/AFP
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Von Heloise UrvoyEuronews mit AFP
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Die 13-jährige Lindsay wurde gemobbt: in der Schule und in den sozialen Medien im Internet - bis sie sich das Leben nahm. Jetzt versucht Frankreich, die Lehren aus dem Selbstmord zu ziehen.

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In Frankreich sind alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse in der vergangenen Woche über die Folgen von Cybermobbing aufgeklärt worden. Einen Monat nach dem Selbstmord der 13-jährigen Lindsay, die von Mitschülerinnen und Mitschülern im Internet verspottet worden war.

Lindsay hatte sich am Abend des 12. Mai in Nordfrankreich zu Hause umgebracht. Laut ihrer Mutter Betty war sie seit dem Schulanfang im vergangenen September Anfeindungen ausgesetzt. Die Mutter meint, die anderen seien neidisch und eifersüchtig auf Lindsay gewesen, weil das Mädchen sehr hübsch und gut in der Schule war. Im Gespräch mit den Eltern habe Lindsay so getan, als machte ihr das Mobbing nichts aus. Wie sehr sie wirklich unter den Hänseleien litt, wurde erst deutlich, als Lindsay nicht mehr leben wollte.

DENIS CHARLET/AFP
Mutter und Vater von Lindsay bei einer Pressekonferenz in Vendin le VieilDENIS CHARLET/AFP

"Irgendwann hat sie aufgehört, in die Schule zu gehen"

Nora Tirane-Fraisse - deren Tochter Marion sich 2013 ebenfalls mit 13 das Leben nahm - hat einen Verein gegründet, um gegen das Problem anzukämpfen. "Marion la Main Tendue" ist der Name des Vereins, mit dem die Mutter im Namen der toten Tochter "eine Hand ausstrecken" möchte.

Auch diese Mutter hat erst sehr spät bemerkt, wie schlecht es der Tochter ging. Irgendwann habe Marion aufgehört zu spielen, aufgehört, in die Schule zu gehen. "Ich gehe nicht mehr in die Schule, wo nichts getan wird, obwohl ich die Taten angezeigt habe. Aber niemand hat reagiert.", erinnert sich Tirane-Fraisse.

Lindsays Eltern fühlten sich selbst von Frankreichs Erziehungsminister nicht ernst genug genommen. Ein wenig beruhigt hat sie erst ein Treffen mit der First Lady Brigitte Macron, die früher Lehrerin war und die jetzt oft im Hintergrund agiert.

Selbstmordversuche oder Gedanken an Selbstmord betreffen 12 bis 36 Prozent der Opfer von Mobbing in der Schule in Frankreich. Bei der Gesamtbevölkerung liegen sie bei 9 bis 27 Prozent.

Schulen spielen Mobbing herunter - es geht um den "guten Ruf"

In einigen Schulen weigern sich die Verantwortlichen, von Mobbing zu sprechen. Auch in Spanien wird das Problem teilweise heruntergespielt.

Enrique Perez-Carrillo ist Präsident der spanischen Organisation AEPAE, die sich den Kampf gegen Mobbing zum Ziel gesetzt hat. Er erklärt, dass die Schulen oft nicht für die Opfer Partei ergreifen, sondern die Probleme eher herunterspielen. "Sie wollen das Problem unsichtbar machen, damit es den guten Ruf der Schule nicht gefährdet und damit die Aufsichtsbehörden nicht informiert werden.

Dabei ist es wichtig, den Opfern Gehör zu verschaffen und den Täterinnen und Tätern das Problem vor Augen zu halten, um Abhilfe zu schaffen.

Fast 130 Millionen Schülerinnen und Schüler zwischen 13 und 15 Jahren - etwas mehr als eine oder einer von drei - sind laut Atlasocio weltweit Opfer von Mobbing in der Schule.

Die Gruppendynamik zerschlagen

Jean Pierre Bellon ist Philosoph und Direktor des Zentrum RESIS, Centre de Ressources et d’Etudes Systémiques contre les Intimidations Scolaires, das gegen Einschüchterungen in der Schule ankämpft. Bellon sagt: "Wir re-individualisieren die Schülerinnen und Schüler, wir reißen sie aus der Gruppendynamik. Wir versuchen, sie in die Lösung des Problems einzubinden, was aber nicht heißt, dass es in bestimmten Fällen nicht doch Strafen geben sollte." Der Philosoph erklärt, die wichtigen Fragen, die den Schülerinnen und Schülern gestellt werden müssen, sind: "Ich sorge mich um Deinen Mitschüler oder Deine Mitschülerin, ihm oder ihr geht es nicht gut. Was kannst Du mir dazu sagen? Was könnten wir tun?"

Wenn Sie an Selbstmord denken oder unter Depressionen leiden, können Sie sich in Deutschland per Chat, Mail oder telefonisch kostenlos und anonym unter 0800/111 0 111 beraten lassen. Ein muslimisches Beratungstelefon gibt es rund um die Uhr unter 030 - 44 3509 821 (oder wenn nicht in Deutschland: 0049 - 30/44 35 09 821). In Österreich können Sie sich unter der Telefonnummer 142 beraten lassen oder im Internet. In der Schweiz hilft die Dargebotene Hand im Internet und unter der Telefonnummer 143.

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