21 Tote bei Angriff auf westrussische Grenzstadt Belgorod

Feuerwehrleute löschen brennende Autos nach einem Beschuss in Belgorod, 30. Dezember 2023
Feuerwehrleute löschen brennende Autos nach einem Beschuss in Belgorod, 30. Dezember 2023 Copyright Telegram-Kanal des russischen Zivilschutzes via AP
Von Christoph Debets mit dpa, AP
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Nach russischen Angaben schlugen Raketen tschechischer Bauart und Streubomben im Zentrum Belgorods ein. Dabei seien achtzehn Erwachsene und drei Kinder getötet und über einhundert Menschen verletzt worden. Russland beantragte eine Sitzung des Weltsicherheitsrates.

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Bei einem Artillerieangriff auf die russischen Grenzstadt Belgorod sind am Samstag nach Angaben der Regionalverwaltung 21 Menschen getötet und 1108 weitere verletzt worden. 

Das russische Verteidigungsministerium sagte, es habe die bei dem Angriff verwendete Munition als in Tschechien hergestellte Vampire-Raketen und Olkha-Streumunition identifiziert.  „Dieses Verbrechen wird nicht ungestraft bleiben“, sagte das Ministerium in einer Erklärung in den sozialen Medien.

Unabhängig überprüft werden konnten die Angaben zunächst nicht. Aus Kiew gab es erst einmal keine offizielle Reaktion.

Die russische Regieeung beantragte eine Dringlichkeitssitzung  des Weltsicherheitsrates. "Der Terroranschlag auf Belgorod wird Gegenstand eines Verfahrens im UN-Sicherheitsrat», sagte Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Samstag. Gleichzeitig beschuldigte sie die Europäische Union der Mittäterschaft an dem Angriff. Auch Großbritannien trage eine Mitverantwortung. 

"Hinter dem Terroranschlag steht Großbritannien, das in Abstimmung mit den USA das Kiewer Regime zu terroristischen Aktionen anstachelt, da es erkannt hat, dass die Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte gescheitert ist", wurde Sacharowa weiter von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zitiert.

Ukrainische Medien berichten, dass die ukrainischen Streitkräfte gegen russische Militäreinrichtungen in der Region Belgorod vorgegangen seien, aber "aufgrund des unprofessionellen Vorgehens der russischen Luftverteidigung" seinen Wrackteile auf die Innenstadt gefallen.

In den sozialen Netzwerken waren auf Aufnahmen aus Belgorod brennende Autos und schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen beschädigten Gebäuden aufstiegen, während Luftangriffssirenen erklangen. Ein Geschoss schlug in der Nähe einer öffentlichen Eisbahn im Herzen der Stadt ein.

In Moskau wies unterdessen Präsident Wladimir Putin den russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko an, mit einem Team nach Belgorod zu fliegen. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax vor Journalisten.

Zwischenzeitlich waren die Menschen in Belgorod dazu aufgerufen worden, sich in Schutzkellern zu verstecken. Zugleich gab es Beschwerden von Anwohnern, dass mehrere Luftschutzräume offenbar abgesperrt und somit nicht zugänglich waren.

Am Samstagmorgen hatte das russische Verteidigungsministerium berichtet, dass 32 ukrainische Drohnen über den Regionen Moskau, Brjansk, Orjol und Kursk des Landes abgeschossen wurden.

Es hatte auch vermeldet, dass bei grenzüberschreitenden Beschuss zwei weitere Menschen in Russland getötet worden seien. Ein Mann starb und vier weitere Menschen wurden verletzt, als am späten Freitagabend eine Rakete ein Privathaus in der Region Belgorod traf, und ein 9-Jähriger wurde bei einem anderen Vorfall in der Region Brjansk getötet.

Städte in ganz Westrussland werden seit Mai regelmäßig von Drohnen angegriffen, wobei russische Offizielle Kiew dafür verantwortlich machen. Die Ukraine hat bislang niemals die Verantwortung für Angriffe auf russisches Territorium oder die Halbinsel Krim übernommen. Allerdings folgten größere Luftangriffe auf Russland stets Angriffen auf ukrainische Städte.

Belgorod liegt in der Grenzregion und ist deshalb immer wieder von den Kampfhandlungen betroffen. Schäden und Opferzahlen stehen dabei allerdings in der Regel in keinem Verhältnis zu denen in der von Russland angegriffenen Ukraine. 

Russland setzte seine Drohnenangriffe gegen die Ukraine am Samstag fort. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte berichtete, dass zehn im Iran hergestellte Shahed-Drohnen in den Regionen Cherson, Chmelnyzkyj und Mykolajiw abgeschossen worden seien.

Am Freitag hatten die russischen Streitkräfte 122 Raketen und mehrere Dutzend Drohnen auf Ziele in der ganzen Ukraine ab. Es handelte sich um den bislang schwersten Angriff des Krieges. Dabei waren ein Entbindungsheim, Wohnblöcke und Schulen getroffen und 39 Menschen getötet und mindestens 160 Menschen verletzt worden. Eine unbekannte Zahl Menschen wurde unter Trümmern begraben.

Westliche Militärexperten und Regierungskreise Analysten wiesen unlängst warnend darauf hin, dass Russland seine Angriffe mit Marschflugkörpern über Monate hinweg eingeschränkt habe, offenbar um Vorräte für massive Angriffe im Winter anzulegen, in der Hoffnung, damit dann den Durchhaltewillen der Ukrainer zu brechen.

Aufgrund des Winterwetters sind die Kämpfe entlang der etwa 1.000 Kilometer langen Front weitgehend ins Stocken geraten, nachdem schon der Ukraine bei ihrer Gegenoffensive im Sommer kein bedeutender Durchbruch gelungen war.

Die anhaltenden Luftangriffe Russlands haben auch bei den Nachbarn der Ukraine Anlass zur Sorge gegeben.

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Die polnischen Streitkräfte teilten am Freitag mit, dass ein unbekanntes Objekt in den Luftraum des Landes eingedrungen sei, bevor es vom Radar verschwunden sei, und dass alles daraufhindeute, dass es sich um eine russische Rakete gehandelt habe.

In einem Gespräch mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti am Samstag sagte der Charge d’affaires Russlands in Polen, Andrei Ordash, dass Moskau sich zu dem Vorfall nicht äußern werde, bis Warschau dem Kreml Beweise für eine Luftraumverletzung vorgelegt habe.

„Wir werden keine Erklärungen abgeben, bis uns konkrete Beweise vorgelegt werden, da diese Anschuldigungen unbegründet sind“, betonte Ordash.

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