Haiti versinkt im Chaos: Regierungschef tritt zurück, Bandenboss fordert Unterstützung

Seit Wochen wird Haiti durch Bandengewalt erschüttert
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Von Euronews mit AP
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Während Haiti im Chaos versinkt, ist Regierungschef Ariel Henry nach Druck aus dem Ausland bereit zurückzutreten.

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Wegen Chaos und Bandengewalt in seinem Land hat Haitis Regierungschef seinen Rücktritt erklärt. Ariel Henry hält sich derzeit in Puerto Rico auf und kann nicht in seine Heimat zurückkehren, da bewaffnete Gangs die Hauptstadt kontrollieren.

In einer Videoansprache am Montagabend sagte Henry, er werde "unmittelbar nach der Einsetzung eines Rates" zurücktreten, dessen Mitglieder von Vertretern aus verschiedenen Bereichen der haitianischen Gesellschaft gewählt werden sollen. Seine Regierung werde bis zur Ernennung eines Nachfolgers und einer neuen Regierung die laufenden Geschäfte weiterführen.

Bandenchef fordert Unterstützung für Haiti von internationaler Gemeinschaft

Der Bandenchef Jimmy Chérizier - Spitzname Barbecue - forderte die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, "Haiti eine Chance zu geben". Barbecue vergleicht sich in Interviews mit Martin Luther King, auf Wandbildern wird er als Che Guevara dargestellt. Er wolle den Armen helfen, erklärt der Bandenboss.

In Haiti war bis 1986 der Diktator Jean-Claude Duvalier - genannt Baby Doc - an der Macht. Doch auch danach kam der Staat nicht zur Ruhe. Neben der politischen Instabilität ist Haiti von Erdbeben - wie im Jahr 2010 - und häufig von Stürmen betroffen.

USA stellen Finanzhilfe für Eingreiftruppe in Aussicht

Am Montag hatten sich die Staaten der Region, in der sogenannten CARICOM-Gruppe - in Jamaica getroffen und den Druck auf Ariel Henry erhöht. Der Ministerpräsident ist seit 2021 im Amt, nachdem der Präsident des Landes ermordet worden war.

Die USA haben Finanzhilfen für eine multinationale Eingreiftruppe für Haiti in Aussicht gestellt. Alleine eingreifen - wie bei vorherigen Krisen - will Washington aber nicht.

Durch die seit Monaten andauernde Gewalt auf Haiti sind Hunderte Menschen ums Leben gekommen, mehr als 15.000 sind aus ihren Wohnorten geflohen. 

Seit Jahren fliehen zahlreiche intellektuelle Haitianerinnen und Haitianer ins Ausland. Auch Journalisten, die in Paris leben, berichten davon, dass sie in ihrer Heimat bedroht wurden und nicht über die katastrophalen Zustände berichten konnten.

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