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AfD-Chef auf China-Mission – was will Chrupalla wirklich in Peking?

AfD-Co-Parteivorsitzender Tino Chrupalla beim AfD-Parteitag in Essen, 29. Juni 2024
AfD-Co-Parteivorsitzender Tino Chrupalla beim AfD-Parteitag in Essen, 29. Juni 2024 Copyright  (c) Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Treffen mit chinesischen Eliten, keine Auskunft zur Finanzierung: AfD-Chef Chrupalla reist im Alleingang nach China – Weidel bleibt außen vor.

Erstaunlich ruhig ist es um den Co-Parteivorsitzenden der AfD in diesen Tagen. Und das, obwohl Tino Chrupalla wohl viel zu berichten hätte: Seit Anfang der Woche reist der AfD-Chef durch China – mit Stationen in Shanghai, Peking und Hongkong.

Dort sucht Chrupalla offenbar die Nähe zur Kommunistischen Partei um Staatschef Xi Jinping. Der AfD-Abgeordnete plane, sich mit "hochrangigen chinesischen Regierungsvertretern" zu treffen, wie er der Berliner Zeitung erzählt, die ihn auf der Reise als anscheinend einziges Medium begleitet. Einen Austausch mit Wirtschaftsvertretern sowie ein wenig Kultur würden ebenfalls auf dem Programm stehen.

Bei der Reise nach Fernost gehe es vor allem darum, sich "außenpolitisch stärker zu profilieren", sagt der Soziologe und Experte für Rechtsextremismus Felix Schilk zu Euronews. Als zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt sei China mächtig und bedeutungsvoll. "Der Erfolg rechter Parteien wie der AfD funktioniert auch über die Suggestion von Macht und Einfluss. Durch solche Kontakte kann die Partei ihre eigene Bedeutung aufladen. Das imponiert der Anhängerschaft", so Schilk.

Unterstützung bekommt Chrupalla auf seinem Trip von Enrico Komning, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD und Teil der völkisch-nationalistischen parteiinternen Gruppierung "Der Flügel". Ein Mitglied des Arbeitskreises Außen, dem außenpolitischen Gremium der AfD, ist hingegen nicht dabei.

Zuletzt hatte der Arbeitskreis Außen Aufmerksamkeit mit mehreren Reisen in die USA erregt. Dessen Vorsitzender Markus Frohnmaier und weitere Parteivertreter suchten wiederholt die Nähe zur Trump-Administration, wie Euronews berichtete. So sprach AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch nach eigener Aussage unter anderem mit Vertretern von Außenminister Marco Rubio.

Machtstreit mit Weidel?

Frohnmaier nahm wenig später in New York persönlich eine Auszeichnung vom Young Republicans Club entgegen, einer Nachwuchsorganisation der Republikanischen Partei. Ziel der Kontaktsuche in Übersee könnte sein, im Falle eines Verbotsverfahrens auf Rückendeckung aus der MAGA-Bewegung zählen zu können, wie Experten vermuten.

Auf China könne die AfD jedenfalls im Falle eines Verbotsverfahrens nicht setzen, erklärt Schilk. Für die Volksrepublik sei es vor allem "interessant, Kontakte zu machtopportunistischen Parteien auszubauen." Seit Längerem suchten chinesische Vertreter den Kontakt zur deutschen Parteienlandschaft.

In seinem Bericht aus dem Jahr 2024 warnt der Verfassungsschutz vor "harmlos wirkender Kontaktpflege", bei der "sich die chinesische Seite" bemühe, "gut vernetzte (aktive und ehemalige) Parlamentarier als Lobbyisten für ihre Interessen zu gewinnen".

Dass ausgerechnet Chrupalla nach China reist, könne ein Zeichen "parteiinterner Rivalität" sein, sagt Schilk. "Wahrscheinlich geht es aber auch um ein Signal an die stärker antiamerikanisch eingestellte Basis in Ostdeutschland."

Chrupalla könnte ebenfalls versuchen sich von seiner Co-Parteivorsitzenden Alice Weidel abzugrenzen. Eigentlich gilt sie in der Partei als China-Expertin schlechthin. Weidel sagt von sich selbst, Mandarin sprechen zu können. Sechs Jahre lang arbeitete sie ihrer Biografie zufolge als Bankerin in Shanghai und Hongkong.

2023 reiste sie als Teil der ersten Delegationsreise der AfD-Fraktion in die Volksrepublik – so steht es auf der Website der AfD-Fraktion im Bundestag. Chrupallas Reise wurde dort hingegen nicht angekündigt.

Mehrfach soll Chrupalla China bereits besucht haben, wie er der Berliner Zeitung sagte. Möglicherweise gehen seine Reisen auf die engen Verbindungen seines sächsischen Landesverbands zur Volksrepublik zurück.

Auf eine Anfrage von Euronews dazu, mit wem Chrupalla sich konkret in China trifft und wie die Reise finanziert ist, antwortete der AfD-Co-Parteivorsitzende bis Redaktionsschluss nicht.

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