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Todes-Falle von Crans-Montana: Fluchtweg war blockiert – Disco-Besitzer festgenommen

Jacques und Jessica Moretti, Besitzer der Bar Le Consetallation in Crans-Montana, Schweiz, wo das Silvester-Massaker stattfand
Jacques und Jessica Moretti, Besitzer der Bar Le Consetallation in Crans-Montana, Schweiz, wo das Silvester-Massaker stattfand Copyright  © KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Copyright © KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Von Marco Fazzini
Zuerst veröffentlicht am
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Das Gericht in Sitten bestätigte die vorsorgliche Massnahme gegen Jacques und Jessica Moretti. Nach dem Disco-Brand an Silvester mit 40 Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Mordes, Körperverletzung und Brandstiftung.

Das Gericht für Massnahmevollzug in Sitten hat die vorsorgliche Festnahme von Jacques Moretti, dem Besitzer der Bar-Disco Le Constellation in Crans-Montana, für drei Monate bestätigt. In dem Lokal war in der Silvesternacht ein verheerender Brand ausgebrochen, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen und 116 verletzt wurden.

Zur Begründung der Entscheidung, die nun veröffentlicht wurde, führt das Gericht insbesondere Fluchtgefahr an. Die Festnahme erfolgte auf Antrag der Walliser Staatsanwältin Beatrice Pilloud, die am Freitag nach einem mehr als sechsstündigen Verhör von Morettis Ehefrau Jessica die entsprechende Anordnung erließ. Die Frau steht derzeit unter Hausarrest und trägt eine elektronische Fußfessel.

Bereits am Freitag waren Zwangsmaßnahmen ergriffen worden, um – wie es hieß – „die Fluchtgefahr zu begrenzen“. Gegen das französische Ehepaar wird wegen Mordes, schwerer Körperverletzung und Brandstiftung ermittelt.

Nach Angaben des Schweizer Senders RTS räumte Jacques Moretti bei seiner Vernehmung ein, dass eine Hintertür im Keller von innen verschlossen gewesen sei. Als er die Tür später von außen öffnete, habe er mehrere leblose Körper vorgefunden. Die Staatsanwaltschaft untersucht nun die genauen Umstände dieses Vorgangs, da mehrere Gäste der Bar versucht haben sollen, durch diese Tür zu fliehen, als das Feuer ausbrach. Da der Ausgang jedoch blockiert war, seien sie in dem später vollständig ausgebrannten Lokal eingeschlossen gewesen. Eine mögliche Verantwortung der Eigentümer für das Verschließen der Tür könnte ihre rechtliche Lage erheblich verschärfen.

Trauerveranstaltung in Crans-Montana, Schweiz, 4. Januar 2026
Trauerveranstaltung in Crans-Montana, Schweiz, 4. Januar 2026 Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.

Parallel dazu nehmen die Ermittler die verwendeten Baumaterialien unter die Lupe. Besonderes Augenmerk gilt den schallschluckenden Deckenplatten, die laut ersten Rekonstruktionen extrem schnell Feuer gefangen haben sollen, nachdem einige Gäste Wunderkerzen angezündet hatten, die auf Flaschen platziert waren.

Frühere Ermittlungen gegen die Besitzer

Das Ehepaar Moretti war bereits in der Vergangenheit ins Visier der Walliser Behörden geraten. Eine erste Strafuntersuchung aus dem Jahr 2020 im Zusammenhang mit Covid-Hilfsgeldern wurde eingestellt. Die Zeitungen Le Matin Dimanche und SonntagsZeitung berichteten damals, dass die beiden einen Kredit über 75.500 Euro – rund zehn Prozent des Firmenumsatzes – aufgenommen und davon 33.000 Euro für den Kauf eines Maserati verwendet hätten, der später an Jacques Morettis Vater verkauft worden sei. Laut den Ermittlungen konnten die Morettis jedoch nachweisen, dass das Fahrzeug nicht ihr privates Eigentum war, sondern dem Unternehmen Le Constellation gehörte.

Eine weitere Untersuchung folgte im Jahr 2022, nachdem französische Angestellte Unregelmäßigkeiten gemeldet hatten. Dabei ging es unter anderem um nicht eingehaltene Arbeitszeiten, unbezahlte Nachtarbeit und fehlende Ruhezeiten, was ein Einschreiten der Arbeitsaufsichtsbehörde nach sich zog.

Zwölf Verletzte in Mailand behandelt

Unterdessen kämpfen mehrere Opfer weiterhin um ihr Leben. Der 16-jährige Leonardo Bove, der zunächst in ein Krankenhaus in Zürich eingeliefert worden war, wurde am Sonntagabend in das Niguarda-Krankenhaus in Mailand verlegt. In der lombardischen Klinik werden derzeit insgesamt zwölf Verletzte behandelt. Der Jugendliche erlitt Verbrennungen an mehr als 50 Prozent seines Körpers sowie schwere Schäden durch das Einatmen giftiger Rauchgase. Sein Zustand wird als ernst eingestuft, die Prognose bleibt zurückhaltend.

Für Montag ist die Autopsie von Riccardo Minghetti geplant, dem 16-jährigen Jungen aus Rom, der bei dem Brand ums Leben kam. Die Untersuchung wurde von der Staatsanwaltschaft Rom angeordnet, die in den vergangenen Tagen ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Brandstiftung und schwerer Körperverletzung unter Verletzung der Unfallverhütungsvorschriften eingeleitet hat.

Die römische Staatsanwaltschaft bereitet zudem ein Rechtshilfeersuchen an die Schweizer Behörden vor, um Zugang zu den Vernehmungsprotokollen, Ermittlungsunterlagen und zur Liste der Verdächtigen zu erhalten. Darüber hinaus wurden die Staatsanwaltschaften von Mailand, Bologna und Genua beauftragt, die Autopsien der fünf weiteren italienischen Todesopfer zu veranlassen. Die Ergebnisse sollen anschließend nach Rom übermittelt werden.

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