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Zug-Tragödie in Adamuz: Sechsjährige überlebt als einziges Familienmitglied

Zerbrochene Scheiben eines verunglückten Zuges, fotografiert am 19. Januar 2026 an der Absturzstelle in Adamuz, Südspanien.
Zerbrochene Scheiben eines verunglückten Zuges, fotografiert am 19. Januar 2026 an der Absturzstelle in Adamuz, Südspanien. Copyright  AP
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Von Rafael Salido
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Mit drei Stichen am Kopf kam sie davon, doch für ihre Familie kam jede Hilfe zu spät. Ein sechsjähriges Mädchen ist die einzige Überlebende einer Familie nach dem Zugunglück von Adamuz im Süden Spaniens. Jetzt lebt sie bei ihrer Großmutter. Die Zahl der Toten ist mittlerweile auf 41 angestiegen.

Das Zugunglück bei Adamuz in der Provinz Córdoba hat tiefe Spuren im ganzen Land hinterlassen. Für eine Familie aus Huelva endete die Heimreise tödlich – nur die sechsjährige Tochter überlebte.

Ihre Eltern, ihr Bruder und ein Cousin kamen bei der Kollision ums Leben. Bei dem schweren Unglück stieß ein Alvia-Zug auf dem Weg von Madrid nach Huelva mit einem anderen Hochgeschwindigkeitszug aus Málaga Richtung Madrid zusammen.

Die Familie Zamorano Álvarez stammt aus Punta Umbría und lebt in Aljaraque. Sie war auf dem Heimweg, nachdem sie das Wochenende in Madrid verbracht hatte. Dort hatte sie ein Spiel von Real Madrid besucht. Nach dem Aufprall, der sich am Sonntag um 19.45 Uhr ereignete, brach der Kontakt zu den Reisenden ab. Es folgten Stunden der Ungewissheit für die Angehörigen, die verzweifelt nach Informationen suchten.

Die Minderjährige wurde von Beamten der Guardia Civil gerettet. Sie fanden sie allein an der Unfallstelle. Das Mädchen blieb nahezu unverletzt. Sie wurde ins Krankenhaus Reina Sofía in Córdoba gebracht, in dem ihre Kopfverletzung mit drei Stichen genäht wurde. Anschließend wurde sie entlassen. Nun wird sie von ihrer Großmutter betreut.

Die Stadtverwaltung von Punta Umbría hat wegen des Todes der vier Familienmitglieder und anderer Opfer drei Tage offizielle Trauer angeordnet. Den Betroffenen wurde Unterstützung zugesagt. Währenddessen dauern die Ermittlungen zur Klärung der Unfallursachen an.

Ermittlungen zur Unfallursache halten an

Aufmerksamkeit erregt hat auch der Fall von Pablo B., dem Fahrer eines der verunglückten Züge. Der 28-Jährige stammt aus Alcorcón bei Madrid. Er saß an der Spitze des Alvia-Zuges, als dieser von den letzten Waggons des Iryo erfasst wurde. Der Iryo war entgleist und anschließend auf den zweiten Zug aufgefahren, der in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war.

Wie „El Mundo“ berichtet, war Pablo auch als Fotograf tätig. Er hatte einen Abschluss in Computertechnik an der Universität Carlos III erworben. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Lokführer in Madrid.

„Die Stadtverwaltung von Alcorcón möchte der Familie des jungen Mannes aus unserer Stadt, der bei dem Unfall in Adamuz ums Leben gekommen ist, ihr Beileid und ihr Mitgefühl aussprechen“, erklärte die Stadtverwaltung in einer Mitteilung im sozialen Netzwerk X.

Drei weitere Leichen gefunden

Derzeit gelten noch 43 Passagiere als vermisst. Die Rettungsarbeiten laufen weiter. Im Laufe der Nacht sank die Zahl der Hospitalisierten nach dem Zusammenstoß nahe Adamuz auf 39. Die offizielle Zahl der Todesopfer stieg auf 40.

Nach Angaben des Präsidenten der andalusischen Regionalregierung, Juanma Moreno, sollen nun die beiden Waggons entfernt werden, die durch den Aufprall in der Böschung eingeklemmt wurden. Dazu sollen Kräne eingesetzt werden. Moreno sagte, es sei „mehr als wahrscheinlich“, dass darin weitere Leichen entdeckt würden. Die Zahl der Toten könnte damit weiter steigen.

Es wird erwartet, dass die Techniker am Dienstag mit schwerem Gerät beginnen, die Waggons zu entfernen. Die Arbeiten könnten die Bergung von mindestens drei Leichen ermöglichen. Nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska wurden sie von den Rettungsteams bereits „gesichtet“. Geborgen werden konnten sie bislang jedoch nicht.

„Wir hoffen, dass die drei gefundenen Leichen dank der Arbeit und der schweren Maschinen bald befreit, geborgen und in das Forensische Anatomische Institut überführt werden können“, sagte Grande-Marlaska in einem Interview mit „RTVE“.

Ursache noch unklar – Verdacht auf Defekt am Gleis

Die Ursachen des Unglücks sind bislang unklar. Es handelt sich um das viertschwerste Zugunglück in der Geschichte Spaniens. Personen vor Ort vermuten, dass ein Riss in einer Schweißnaht des Gleises den Iryo-Zug zum Entgleisen gebracht haben könnte. Reisende berichteten, sie hätten vor dem Aufprall Vibrationen sowie ungewöhnliche Bewegungen wahrgenommen.

„Es stimmt, dass sich die spanische Gesellschaft fragt, was passiert ist“, erklärte Ministerpräsident Pedro Sánchez. „Nur die Zeit und die Arbeit der Techniker werden uns die Antwort geben. Wir werden die Wahrheit herausfinden und sie mit absoluter Transparenz der Öffentlichkeit mitteilen.“ Sánchez machte sich gestern in Adamuz ein Bild von der Lage. Er kündigte an, dass der Staat im Gedenken an die Opfer drei Tage offiziell trauern werde.

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