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„Peace“ oder „Piece“? Musk spottet in Davos über Trumps ‚Friedensrat‘

Elon Musk hat an der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in der Schweiz teilgenommen.
Elon Musk hat an der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in der Schweiz teilgenommen. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Maja Kunert
Zuerst veröffentlicht am
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Elon Musk sich hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos einen Seitenhieb erlaubt. Ausgerechnet gegen Donald Trumps neu gegründeten ‚Friedensrat‘, ein ohnehin umstrittenes Gremium. Der Kommentar trifft einen wunden Punkt: Das Verhältnis zwischen Trump und Musk gilt seit Monaten als wechselhaft.

Elon Musk verspottet beim Weltwirtschaftsforum in Davos Trumps neu gegründeten „Friedensrat“ mit einem Wortspiel und stellt damit das Prestigeprojekt des US‑Präsidenten infrage. Der Moment ist auch deshalb brisant, weil Musk und Trump seit 2025 eine sichtbar wechselhafte Beziehung pflegen – von Zusammenarbeit im Regierungsumfeld bis zur öffentlichen Schlammschlacht.

In Davos, wo Politiker und CEOs um Deutungshoheit ringen, reicht ein einziger Satz meist für ein neues Narrativ. Doch was genau sagte Musk eigentlich? Im Video, das auf X die Runde macht, nimmt er sich zunächst den offiziellen englischen Namen des Gremiums vor, „Board of Peace“, und setzt damit eine Stichelei.

Er habe beim Hören des Namens erst an „piece“ gedacht, also an ein „Stück“ statt an „peace“ („Frieden“). Diesen Gedanken spinnt er anschließend satirisch weiter und spielt darauf an, dass es dann eben um „ein kleines Stück Grönland“ oder „ein kleines Stück Venezuela“ gehe, also um territoriale Beute statt Diplomatie.

Weltwirtschaftsforum: Musk verdreht Trumps „Board of Peace“ zu „Piece“ und schießt damit öffentlich gegen den neuen Friedensrat

Was ist Trumps „Friedensrat“ – und warum gibt es Kritik?

Trump hat den „Friedensrat“ als „Board of Peace“ in Davos offiziell gegründet; das Gremium soll Konflikte adressieren und wird als möglicher Rivale oder Parallelformat zur UNO diskutiert.​

Kritisiert wird, dass Trump selbst an der Spitze steht und der Rat stark präsidentenzentriert konstruiert ist.​

International sorgt zudem die geplante Finanzarchitektur für Stirnrunzeln: Laut Reuters sollen Länder regulär nur befristet Mitglied sein, während eine Zahlung von 1 Milliarde Dollar eine Art dauerhaften Status ermöglichen könnte. Das verstärkt den Vorwurf, es handele sich weniger um klassische Diplomatie als um einen exklusiven Klub, bei dem Zugang und Einfluss auch vom Preis abhängen. Viele der Unterzeichnerstaaten werden autoritär geführt.

Gerade weil Trump das Projekt als außenpolitisches Aushängeschild verkauft, fällt jeder öffentliche Kommentar doppelt ins Gewicht – besonders wenn er ausgerechnet von Elon Musk kommt, der nicht nur Zuschauer ist, sondern in Trumps zweiter Amtszeit zeitweise selbst Teil des Machtapparats war.

Trump und Musk: Die On-off-Beziehung der Supermächtigen

Im Präsidentschaftswahlkampf stützte Musk Trump mit über 230 Millionen Dollar als größter Einzelspender und nutzte zugleich X als reichweitenstarkes Megafon zur Verstärkung von Trumps Botschaften.

Zu Beginn der Trump-Administration leitete der Tech-Milliardär dann die Effizienz-Behörde „Department of Government Efficiency“ (DOGE) und beendete seine Tätigkeit dort Ende Mai 2025, nachdem sein Status als „special government employee“ auslief.

Schon davor gab es Reibungen, etwa als Musk im Frühjahr 2025 Trumps Handelsberater Peter Navarro öffentlich beleidigte. Der große Bruch folgte kurz nach Musks DOGE-Abgang: Musk griff Trumps Steuer- und Ausgabengesetz frontal an und setzte damit eine Eskalationskette in Gang.​

Im Sommer 2025 wurde daraus eine offene Schlammschlacht, in der Trump sogar andeutete, Musks Ausweisung prüfen zu lassen, und zugleich Subventionen sowie Regierungsverträge für Musks Firmen ins Spiel brachte.

Im Februar 2025 galt Elon Musk noch als einer der engsten Vertrauten von US-Präsident Donald Trump.
Im Februar 2025 galt Elon Musk noch als einer der engsten Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved

Im Herbst 2025 deuteten beide dann wieder auf Entspannung hin: Musk tauchte beim Dinner für den saudischen Kronprinzen im Weißen Haus auf, Trump gab ihm dabei demonstrativ einen freundschaftlichen Klaps.​

Beobachter beschreiben das Verhältnis zuletzt eher als „fragilen Waffenstillstand“ bzw. misstrauisches Zweckbündnis, in dem beide wissen, wie sehr sie einander politisch und medial schaden können.

Und doch: Musk signalisierte bereits die Bereitschaft, vor den Kongresss-Zwischenwahlen im November 2026 wieder massiv Geld für republikanische Kandidaten mobilisieren zu wollen.

Warum der Davos-Satz jetzt so viel Gewicht hat

Vor diesem Hintergrund ist Musks Davos-Wortspiel mehr als ein ironischer Spruch. Es ist ein Signal, dass diese Beziehung sich zwar phasenweise taktisch beruhigen kann, aber jederzeit wieder kippen könnte. Musk scheut sich zumindest nicht davor, Trumps Prestigeprojekte öffentlich durch den Kakao zu ziehen.

Für Trump ist das besonders heikel, weil der „Friedensrat“ ohnehin erklären muss, wofür er steht, wie er legitimiert ist und welchen konkreten Mehrwert er gegenüber bestehenden Institutionen bieten soll. Für Musk ist der Moment eine Machtdemonstration eigener Art: Er zeigt, dass er trotz (ehemaliger) Nähe zur Regierung nicht auf die Rolle des loyalen Mitspielers festgelegt ist, sondern jederzeit zum Kommentator und Kritiker werden kann.

Konfliktmodus: Musk legt sich auch mit Ryanair an

Auch abseits dieses Davos-Moments wirkt Musk derzeit auffällig konfrontativ. Er lieferte sich gerade erst einen öffentlichen Schlagabtausch mit Ryanair-Chef Michael O’Leary über den Einsatz von Starlink-Internet an Bord: Nachdem O’Leary Musk einen „Idioten“ nannte, konterte Musk auf X, O’Leary sei ein „kompletter Idiot“ und solle gefeuert werden. In der Folge startete Musk sogar eine X-Umfrage mit der Frage, ob er Ryanair kaufen solle – was den Börsenkurs kurzfristig bewegte.

Ryanair-Chef Michael O’Leary lehnte Starlink-WLAN an Bord vor allem wegen den Kosten ab. Er sprach von bis zu 250 Millionen Dollar pro Jahr und stellte infrage, ob Passagiere auf kurzen Ryanair-Flügen überhaupt für Internet zahlen würden.

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