Friedrich Merz startet in Riad eine Blitzreise durch Saudi-Arabien, Katar und die Emirate. Der Kanzler wirbt um Energiepartnerschaften, Investitionen und Sicherheitskooperation – und kündigt zugleich einen weniger restriktiven Kurs bei Rüstungsexporten an.
Bundeskanzler Friedrich Merz setzt auf Tempo: In weniger als 72 Stunden besucht er drei Staaten am Arabischen Golf und wird dabei von führenden Wirtschaftsvertretern begleitet.
Ziel der Reise ist es, Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen, Energiepartnerschaften auszubauen und sicherheitspolitische Fragen zu besprechen – vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen in der Region.
Auftakt in Riad: Treffen mit Mohammed bin Salman
Erste Station war Riad in Saudi-Arabien. Dort führte Merz am Mittwochabend Gespräche mit Kronprinz Mohammed bin Salman. Nach Angaben aus Delegationskreisen dauerte das Treffen rund zweieinhalb Stunden. Anschließend gab es ein gemeinsames Abendessen. Öffentliche Presseauftritte waren nicht vorgesehen.
Nach Saudi-Arabien geht es weiter nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Reise steht im Kontext einer engeren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Golfstaaten, die politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Themen umfasst.
"Netzwerk von Partnerschaften": Weniger Abhängigkeiten, mehr Optionen
Merz ordnet die Golfreise in eine breitere Strategie ein. Nach Besuchen in Brasilien und Südafrika im vergangenen Jahr sowie in Indien im Januar soll sie die deutschen Beziehungen zu sogenannten Mittelmächten stärken und Abhängigkeiten reduzieren. Vor dem Abflug nach Riad sagte Merz: "In einem solchen Netzwerk von Partnerschaften reduzieren wir einseitige Abhängigkeiten, mindern Risiken und schaffen neue Chancen zu unserem gegenseitigen Nutzen." Gerade in einer Zeit, in der Politik zunehmend von Großmächten geprägt werde, sei der Bedarf an solchen Partnerschaften größer denn je.
Energie, Infrastruktur, Rüstung
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt der Reise klar auf wirtschaftlichen Kooperationen. Merz wird von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet, darunter Spitzen aus Energie-, Bau-, Logistik- und Industriekonzernen. Er verweist auf die großen Modernisierungs- und Infrastrukturprojekte in der Region, besonders in Saudi-Arabien. Dessen Programm "Vision 2030" solle das Königreich umbauen und neue Märkte schaffen – Merz sprach vor der Reise von einem "attraktiven Markt für die deutsche Industrie" und nannte als Beispiel Siemens, das am Ausbau des U-Bahn-Netzes in Riad beteiligt ist.
Ein weiterer Fokus: Energiepartnerschaften. Deutschland ist an zusätzlichen LNG-Optionen interessiert und setzt perspektivisch auf Wasserstoff, um Lieferketten zu diversifizieren und Energiesicherheit zu erhöhen.
Neuer Ton bei Rüstungsexporten
Merz kündigte an, die Bundesregierung werde bei Rüstungsexporten einen weniger restriktiven, dafür berechenbareren Kurs verfolgen. Zugleich betonte er, man sei "nicht unkritisch", stelle die Golfstaaten aber "nicht unter Generalverdacht". Damit markiert er auch eine Abgrenzung zu früheren Jahren – insbesondere zur Phase nach 2018, als Saudi-Arabien international stark unter Druck stand.
In Delegationskreisen wird allerdings auch über Konkurrenz aus den USA gesprochen: Bei Großaufträgen ist offen, ob Riad stärker auf US-Modelle setzt oder europäische Systeme weiterverfolgt. Die deutsche Seite hofft unter anderem auf Projekte rund um den Militärtransporter A400M.
Investitionen aus der Region: "Hier geht noch mehr"
Die Golfstaaten spielen mit ihren Staatsfonds schon heute eine wichtige Rolle für die deutsche Wirtschaft. Katar zählt zu den größten ausländischen Investoren in Deutschland und hält Beteiligungen an Unternehmen wie Volkswagen, RWE und Hapag-Lloyd. Merz warb dafür, zusätzliche Investitionen anzuziehen. Saudi-Arabien habe bereits "in beträchtlichem Maß" in Deutschland investiert, "aber hier geht noch mehr". Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und den Golfstaaten bezifferte er auf rund elf Milliarden Euro – mit steigender Tendenz.
Auch die Regionalkrisen sind Thema
Neben den Deals will Merz auch regionale Konflikte ansprechen. Dazu zählen die Lage im Iran sowie Krisen wie im Sudan. Zum Iran formulierte er drei Forderungen: Teheran müsse die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung beenden, sein militärisches Atomprogramm einstellen und destabilisierende Aktivitäten in der Region unterlassen.
Deutschland bleibt zudem einer der engsten europäischen Verbündeten Israels, während die Golfstaaten – auch vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs – eigene Akzente in der Iran- und Regionalpolitik setzen. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate gelten außerdem als wichtige Gesprächspartner, weil sie in mehreren Konflikten eine Vermittlerrolle spielen.
Merz sendet mit der Reise ein außenpolitisches Signal. Deutschland sucht zusätzliche Partner, setzt stärker auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und will in einer Welt wachsender Rivalitäten neue Spielräume gewinnen – am Arabischen Golf ebenso wie in anderen Regionen.