Einem Medienbericht zufolge haben sich bisher nicht genug Freiwillige für die Brigade Litauen gemeldet. Die Bundeswehr verspricht Prämien.
Die Bundeswehr sucht nicht nur nach Freiwilligen für den Wehrdienst, sondern auch nach Soldaten, die für Deutschland Teil der Litauen-Brigade werden wollen. Offenbar melden sich dafür allerdings nicht genug.
Anfang Februar noch teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, die Multinational Battle Group ist erfolgreich der Panzerbrigade 45, auch Litauen-Brigade genannt, unterstellt worden. Von etwa 5.000 Soldaten sind damit rund 1.800 Angehörige der Brigade Litauen vor Ort. "Wir kommen unserem Ziel einen großen Schritt näher", sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius. "Damit gehören der Brigade nun drei Kampftruppenbataillone an."
Freiwillige Soldaten für Litauen-Brigade fehlen
Doch jetzt stellt sich heraus: In zwei dieser Bataillone finden sich offenbar nicht genug Freiwillige, die für die zweijährige Mission nach Litauen gehen wollen.
"Freiwilligenbewerbungen sind nicht ausreichend", heißt es in einer vertraulichen Vorlage, die dem Spiegel vorliegt. Dem Medienbericht zufolge hätten sich insbesondere aus den unteren Dienstgraden der Mannschaften besonders wenig Freiwillige gemeldet.
Nach Angaben des Spiegels hätten sich aus dem Panzerbataillon 203 in Augustdorf erst 197 Soldaten freiwillig gemeldet. Nach Litauen sollten allerdings 414 Soldaten reisen. Für das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach seien für Litauen 640 Dienstposten vorgesehen, beworben hätten sich aber bislang nur 181 Soldaten.
Mit der Unterstellung der Multinational Battlegroup Lithuania Anfang Februar befinden sich nun knapp 1.800 Angehörige der Brigade Litauen vor Ort. Nach Ministeriumsangaben würden sie somit die Sichtbarkeit der Bundeswehr in Litauen deutlich erhöhen. Dazu zählen auch die rund 500 multinationalen Angehörigen der Battlegroup.
Mit den Angehörigen des Panzerbataillons 203 und des Panzergrenadierbataillons 122 in Deutschland habe die Brigade Litauen bereits eine Gesamtstärke von rund 2.800 Soldaten sowie zivilen Mitarbeitenden. Eine Verlegung erfolgt jedoch erst nach Fertigstellung der Infrastruktur.
Finanzzuschläge für Soldaten der Litauen-Brigade
Das Verteidigungsministerium hat im Januar 2025 ein Gesetzespaekt auf den Weg gebracht, das Angehörigen der Litauen-Brigade Zuschläge ermöglichen soll: Prämien, Zulagen, Absicherung.
Das Ministerium versprach sich dadurch mehr Attraktivität für die Bataillone. In Vilnius existieren bereits außerdem deutsche Schulen und Ehepartner, die ebenfalls an die Ostflanke gehen, werden bei der Jobsuche vor Ort unterstützt.
"Wir machen damit den Einsatz der Brigade in Litauen deutlich attraktiver", erklärte auch Pistorius. "Wir werden damit insbesondere die Leistung der Soldatinnen und Soldaten, die die NATO-Ostflanke stärken stärker honorieren."
Noch in diesem Jahr soll die Brigade weiter aufwachsen. Bis zur Verlegung der zwei zusätzlichen Kampftruppenbataillone nach Litauen sollen Verbände mit jeweils 500 Soldaten regelmäßig an längeren Übungen teilnehmen. Bis es soweit kommt, müssen jedoch die fehlenden Freiwilligen noch gefunden werden.
Militärexperte plädiert für Befehl statt Freiwilligkeit
Der Militärexperte Nico Lange schrieb auf der Plattform X: "Zu wenig Freiwillige für die Bundeswehr-Brigade Litauen? Die Lage ist ernst genug, dass wir auch Dinge machen müssen, die nicht freiwillig sind."
Noch deutlichere Worte findet er im Interview mit Welt: "Wenn es freiwillig nicht geht, muss man das befehlen. Das läuft doch bei der Bundeswehr so, oder?", sagte der Sicherheitsexperte.
Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat in einer Videobotschaft, die von der Präsidialkanzlei in Vilnius veröffentlicht wurde, reagiert. Er habe Gelegenheit gehabt, den Freiwilligenmangel "mit Bundeskanzler Friedrich Merz zu besprechen. Ich habe das Thema angesprochen und mir wurde versichert, dass Deutschlands Verpflichtungen unverändert bleiben und dass man sie sehr ernst nimmt", erklärte er weiter.
Demnach ist ein direktes Gespräch von Nauseda und Verteidigungsminister Pistorius am Rande der Sicherheitskonferenz in Vilnius geplant. Die Bundeswehr selbst erklärte über einen Sprecher nach Angaben von ntv, man sei beim Aufbau der Brigade "im Plan" und gehe davon aus, den Personalbedarf mit Freiwilligen decken zu können.
Bis Ende 2027 sollen mehrere Länder in Litauen eine gemeinsame Brigade an der NATO-Ostflanke stellen. Das Baltikum grenzt direkt an Russland, Belarus und Kaliningrad. Für den deutschen Beitrag der Brigade Litauen sind auch rund 4.800 Soldaten der Bundeswehr sowie etwa 200 Zivilisten geplant.