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Welt weiter unvorbereitet: Forschende fordern globale Klimarisiko-Bilanz

Das Kohlekraftwerk Jeffrey Energy Center raucht bei Sonnenuntergang nahe Emmett, unweit von Topeka im US-Bundesstaat Kansas, am dritten Januar 2026.
Das Kohlekraftwerk Jeffrey Energy Center läuft bei Sonnenuntergang nahe Emmett im US‑Bundesstaat Kansas am dritten Januar 2026. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Eine internationale Expertengruppe drängt auf einen globalen Bericht zu vermeidbaren Klimarisiken, damit Regierungen und Bürger fundierter handeln können.

Die Welt ist nach wie vor „nicht vorbereitet“ auf die Risiken der Klimakrise, obwohl die Belege erdrückend sind: Der Planet steuert auf unumkehrbare Schäden zu.

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Eine Gruppe von Fachleuten hat im Wissenschaftsmagazin Nature (Quelle auf Englisch) einen Beitrag veröffentlicht und warnt, der Welt fehle eine „maßgebliche und aktuelle Bewertung“ der Klimarisiken, die Regierungen und Bürgerinnen und Bürgern die Dringlichkeit drastischer Emissionssenkungen vor Augen führen würde.

Trotz der „enormen Folgen“ einer sich erwärmenden Welt gab es noch nie eine international abgestimmte, verbindliche globale Risikoanalyse. Dadurch unterschätzen politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger womöglich das Ausmaß der Bedrohung, setzen ihre Mittel falsch ein und investieren in ungeeignete Schutzmaßnahmen.

Warum die Welt eine globale Klimarisiko-Analyse braucht

Die Folgen steigender Temperaturen zeigen sich bereits in allen Regionen der Erde. Im vergangenen Jahr litt Europa unter einer Reihe von Hitzewellen, die Tausende Menschen das Leben kosteten und allein in Spanien mehr als 380.000 Hektar Land in Brand setzten.

Forschende am Imperial College London und an der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben Daten aus 854 europäischen Städten ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die Klimakrise war für 68 Prozent der geschätzt 24.400 Hitzetoten des vergangenen Sommers verantwortlich; sie hat die Temperaturen um bis zu 3,6 Grad steigen lassen.

Mit jedem Grad zusätzlicher Erwärmung kann die Luft etwa sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das begünstigt heftigere Regenfälle. So kam es im vergangenen Jahr in Asien zu sich überlagernden Tropenstürmen, die weite Landstriche verwüsteten.

Fachleute betonen jedoch, dass die Politik auf solche Katastrophen oft noch unzureichend reagiert. Steigende Meeresspiegel verlangen zwar mehr Investitionen in den Küstenschutz. Doch vielen Regierungen ist womöglich nicht bewusst, dass Teile großer Metropolen wie London oder New York auf lange Sicht ganz aufgegeben werden müssen, falls die klimaschädlichen Emissionen weiter ungebremst steigen.

„Sie wissen vielleicht, dass in einer heißeren Welt mehr Menschen in Hitzewellen sterben werden. Aber sie sind nicht darauf vorbereitet, dass es zu Massenopfern kommen könnte, wenn in einer Region Zehntausende Menschen unter Bedingungen sterben, die die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit überschreiten“, heißt es in dem Beitrag.

Professor Rowan Sutton, einer der beiden Hauptautoren des Kommentars und Direktor des Hadley Centre des britischen Wetterdienstes Met Office, betont, die Menschheit habe noch die Chance, die schlimmsten Folgen der Klimakrise abzuwenden und eine „wohlhabendere, lebenswerte Zukunft“ zu gestalten.

„Eine globale Bewertung der vermeidbaren Klimarisiken würde politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern sowie Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, das ganze Ausmaß der Bedrohung zu begreifen und uns alle motivieren, diese Chance zu nutzen – solange es sie noch gibt“, fügt er hinzu.

Wie könnte eine globale Klimarisiko-Analyse aussehen?

Eine gründliche globale Risikoanalyse würde Staats- und Regierungschefs einen „maßgeblichen Überblick“ über die wichtigsten Klimarisiken, ihre Folgen und die Wahrscheinlichkeit katastrophaler Entwicklungen liefern.

Sie wäre kein „Rat der Verzweiflung“, sondern würde der Welt klar vor Augen führen, welche Entwicklungen sich Gesellschaften noch ersparen können. Sie würde helfen, rechtzeitig wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln und zeigen, wie groß der Handlungsspielraum der Menschheit noch ist.

Eine derart umfassende Analyse zu erarbeiten, ist allerdings eine enorme Herausforderung.

„Die Komplexität der Klimawissenschaft, die Vielfalt der regionalen Auswirkungen, der Bedarf an sehr unterschiedlichen Fachkenntnissen und die sich rasch verändernde Risikolage sind große Hindernisse“, sagt Sutton.

„Hinzu kommen politische und wirtschaftliche Hürden sowie Probleme beim Datenaustausch. Sie haben bisher verhindert, dass ein einheitlicher Rahmen entsteht, der sich regelmäßig aktualisieren lässt und weltweit anerkannt wird.“

„Die Zeit dafür ist jetzt“

Professor Peter Scott, der zweite Hauptautor des Beitrags, ist Klimaforscher beim Met Office und an der Universität Exeter in England.

Er ist überzeugt, dass die Welt bei den globalen Bemühungen zur Senkung der Emissionen an einem Wendepunkt steht. „Die aktuelle Lücke bei der weltweiten Risikoanalyse zu schließen, hat höchste Priorität“, sagt er.

„Eine international mandatierte, transparente Bewertung der vermeidbaren Klimarisiken ist unverzichtbar“, so Scott weiter. „Nur so wird deutlich, wie groß die Gefahren sind und welche Chancen wir noch haben, die schlimmsten Szenarien abzuwenden und unsere gemeinsame Zukunft zu schützen. Die Zeit dafür ist jetzt.“

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