Die USA und Iran verbindet eine Geschichte von Revolutionen, Geiseln, Sanktionen, Attentaten und Bomben, die die Geopolitik im Nahen Osten bestimmt hat.
Am Morgen des 28. Februar 2026 haben die USA und Israel massive Luftschläge gegen den Iran gestartet. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Militäroperation in einer Ansprache.
1953: CIA stürzt demokratisch gewählte Regierung
Um den Hass zu verstehen, der den Nahen Osten heute erschüttert, muss man nicht ins Jahr 1979 zurückgehen, sondern an einen frühen Morgen im August 1953.
Die Feindschaft zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iranhat tiefere Wurzeln, die für Washington beschämender sind als die Geiselkrise, die oft als Ausgangspunkt genannt wird.
Mohammad Reza Pahleví, der Schah von Iran, war jahrelang von iranischen Nationalisten dafür kritisiert worden, dass er unter dem direkten Einfluss Großbritanniens und der USA regierte. Beide Staaten betrachteten Iran vor allem als ein riesiges Ölvorkommen, das es unter Kontrolle zu halten galt.
Irans Regierungschef Mohammad Mossadegh vertrat das genaue Gegenteil: Er war der Anführer der iranischen Ölverstaatlichungsbewegung, ein demokratisch gewählter Politiker, der es wagte, die Kontrolle über die Reserven seines Landes den anglo-amerikanischen Interessen zu entreißen.
Am 19. August 1953 wurde Mosaddeq durch einen von der CIA organisierten Staatsstreich mit dem Decknamen Operation Ajax gestürzt. Washington und London finanzierten und koordinierten den Sturz der einzigen demokratischen Regierung der modernen Geschichte des Iran. Ihr Ziel war es, die Regierung an den Schah zurückzugeben, der bereit war, den Ölhahn offen zu halten.
Mosaddeq wurde wegen "Hochverrats" vor ein Militärgericht gestellt, zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und anschließend bis zu seinem Tod in seiner Heimatstadt Ahmad Abad unter Hausarrest gestellt. Für Millionen Iraner war dieser Staatsstreich der endgültige Beweis dafür, dass die Vereinigten Staaten kein Verbündeter waren, sondern als imperiale Herrscher agierten.
Paradoxerweise unterzeichneten die beiden Länder nur vier Jahre nach dieser Intervention ein Abkommen über zivile nukleare Zusammenarbeit. Im Jahr 1957 verpflichtete sich Washington, den Iran bei der Entwicklung von Kernenergie für friedliche Zwecke zu unterstützen. 1967 - zehn Jahre später - schenkten die USA dem Iran einen Kernforschungsreaktor.
Und 1968 unterzeichneten die beiden Staaten ein Abkommen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, in dem sich Teheran verpflichtete, sein Programm ausschließlich zivil zu nutzen. Dieselbe Macht, die ihre Demokratie zerstört hatte, streckte nun die Hand aus, um Atomkraftwerke zu bauen.
Diese Ironie der Geschichte ist im Gedächtnis der Menschen in Iran verwurzelt: Jahrzehnte später sollte dasselbe Atomprogramm, das mit US-amerikanischer Technologie und Unterstützung initiiert worden war, der Hauptauslöser für die aktuelle Krise werden.
1979: Die Revolution, die alles veränderte
Im Januar 1979 floh Schah Mohammad Reza Pahlavi, der jahrzehntelang ein treuer Verbündeter Washingtons war, angesichts einer Welle von Protesten aus Iran.
Ayatollah Ruhollah Khomeini kehrte aus dem Exil zurück und rief die Islamische Republik aus. Die Welt, wie sie die Vereinigten Staaten in der Region kannten, brach auf einen Schlag zusammen.
Sieben Monate später, am 4. November 1979, stürmte eine Gruppe iranischer Studenten die US-Botschaft in Teheran und forderte die Auslieferung des Schahs, der sich in den USA in ärztlicher Behandlung befand. Sie nahmen 52 US-amerikanische Staatsbürger als Geiseln. Die Krise dauerte 444 Tage, die die Psyche beider Nationen prägen sollte.
Im April 1980 brach Washington die diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Neun Monate später wurde die letzte Geisel freigelassen, doch die Wunde ist nie wirklich verheilt.
Seitdem haben die beiden Länder keine Botschafter mehr, keinen direkten Draht, keine minimale Architektur der Diplomatie. Alle Verhandlungen zwischen ihnen mussten über Mittelsmänner, Oman, die Schweiz, Katar, geführt werden, als wären sie zwei Mächte aus einer anderen Zeit, die noch keinen Waffenstillstand unterzeichnet hatten.
Die 1990er Jahre und die Konsolidierung der Isolation
Im Laufe der 1990er Jahre verschärfte Washington seine wirtschaftlichen Strafaktionen gegen Iran. Am 30. April 1995 verkündete Präsident Bill Clinton ein vollständiges Handels- und Investitionsembargo gegen den Iran und beschuldigte Teheran, den internationalen Terrorismus zu finanzieren.
Die Liste der Gruppen, die Washington dem Einfluss Teherans zuschrieb, war lang: die Hisbollah im Libanon, die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad in den Palästinensergebieten.
Mit den Sanktionen gelang es nicht, den Iran vollständig zu isolieren, aber sie setzten seine Wirtschaft unter chronischen Druck, der auch Jahrzehnte später noch das wichtigste Zwangsinstrument der USA sein sollte.
2002: Die "Achse des Bösen" und das Atomprogramm
Am 29. Januar 2002, vier Monate nach den Anschlägen vom 11. September 2001, sprach Präsident George W. Bush vor dem Kongress die Worte, die eine neue Ära definieren sollten: Iran, Irak und Nordkorea bildeten eine "Achse des Bösen". Gemeint waren Regime, die den Terrorismus unterstützten und den Weltfrieden bedrohten.
Für Teheran war diese Aussage eine verdeckte Kriegserklärung.
Fast gleichzeitig begann die internationale Gemeinschaft, das wahre Ausmaß des iranischen Atomprogramms zu entdecken: Undeklarierte Anlagen, versteckte Zentrifugen. Im Jahr 2005 kündigte Präsident Mahmud Ahmadinedschad das Ende des Moratoriums für die Urananreicherung an.
Teheran beharrte darauf, dass sein Programm ausschließlich zivilen Zwecken diene. Doch ein Bericht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) aus dem Jahr 2011 sieht "weitgehend glaubwürdige" Erkenntnisse, wonach der Iran mindestens bis 2003 Aktivitäten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat.
2015-2018: Das Atomabkommen und sein Scheitern
Nach jahrelangen Verhandlungen wurde im Juli 2015 in Wien eines der komplexesten diplomatischen Abkommen der jüngeren Geschichte geschlossen.
Das sogenannte JCPOA band den Iran an die sechs Großmächte - China, Frankreich, Deutschland, Russland, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten - in einem Pakt, der das iranische Atomprogramm im Gegenzug für die Aufhebung der strengsten Sanktionen einschränkte. Die UNO unterstützte das Abkommen.
Es sah wie der Beginn verbesserter Beziehungen aus.
Doch das erhoffte "Tauwetter" war nur von kurzer Dauer. Im Mai 2018 kündigte Präsident Donald Trump den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Abkommen an und bezeichnete es als "katastrophal". Washington verhängte erneut Sanktionen in nie dagewesener Härte, die sich nicht nur gegen den Iran richteten, sondern gegen alle Unternehmen und Länder, die mit dem Land Geschäfte machen.
Ein Jahr später begann Teheran, seine Verpflichtungen aus dem Abkommen nach und nach zu brechen. Das Abkommen wurde nicht respektiert. Im September 2025 wurden die UN-Sanktionen wieder in Kraft gesetzt, und der Text lief im Oktober aus.
2019-2020: Staatsterrorismus und Vergeltungsmaßnahmen
Im April 2019 stufte die Trump-Regierung die Islamischen Revolutionsgarden, das Elitekorps der iranischen Streitkräfte, als terroristische Organisation ein. Es war das erste Mal, dass die USA diese Bezeichnung auf einen Teil der Streitkräfte eines souveränen Staates anwendeten.
Am 3. Januar 2020 wurde General Qasem Soleimani, der mächtigste Mann Irans nach dem Obersten Führer, der Architekt des regionalen Einflusses Teherans und Befehlshaber der Quds-Truppe, von einer US-Drohne auf dem Flughafen von Bagdad getötet.
Trump behauptete, Soleimani habe einen "unmittelbar bevorstehenden" Angriff auf US-Diplomaten und -Truppen im Irak geplant. Teheran antwortete mit ballistischen Raketen gegen irakische Stützpunkte, auf denen US-Truppen stationiert sind. Die Welt hielt den Atem an angesichts der Aussicht auf einen Krieg. Dazu kam es zwar nicht, aber die rote Linie war in beiden Richtungen überschritten worden.
2023-2025: Krieg rückt näher
Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1.200 Menschen getötet und 251 Geiseln genommen wurden, setzte eine neue Spirale in Gang.
Der Iran, der die Hamas jahrelang bewaffnet und finanziert hatte, und sein Netzwerk regionaler Verbündeter, die sogenannte "Achse des Widerstands", starteten Aktionen gegen Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen.
- Die Huthis im Jemen griffen den Schiffsverkehr im Roten Meer an, was US-Marineanalysten als die intensivsten Kämpfe der US-Marine seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichneten.
- Die Hisbollah feuerte Raketen aus dem Libanon ab.
- Iranische Milizen griffen mehr als 200 Mal US-Basen im Irak und in Syrien an.
Im Jahr 2024 ging die Konfrontation zwischen Israel und dem Iran von einer indirekten zu einer direkten Konfrontation über, bei der es zu einem Austausch von Angriffen zwischen den beiden Ländern kam. Und im Juni 2025, während des zwölftägigen Krieges zwischen Israel und dem Iran, griffen die USA am 21. Juni drei iranische Atomanlagen an.
Trump erklärte, die Anlagen seien "zerstört" worden, obwohl das tatsächliche Ausmaß des Schadens umstritten blieb.
Die geschwächte Achse des Widerstands reagierte kaum.
2026: "Operation Epic Fury"
Der Iran ging beschädigt, aber nicht besiegt aus dem Krieg 2025 hervor.
Mit einer am Boden liegenden Wirtschaft, einer Inflation von 60 Prozent, einem historischen Tiefstand des Rial (von 1,42 Millionen pro 1 Dollar) und einem beschleunigten Wiederaufbau der militärischen Infrastruktur sah sich das Regime von Ayatollah Ali Khamenei mit einer internen Krise von historischem Ausmaß konfrontiert.
Am 28. Dezember 2025 löste die Wirtschaftskrise Massenproteste auf den wichtigsten Märkten in Teheran aus. Im Januar 2026 rief der Sohn des Schah aus dem Exil zur Mobilisierung auf.
Das Regime schaltete das Internet und die internationale Kommunikation ab. Die Niederschlagung der Proteste war brutal, und Berichten zufolge wurden Zehntausende Zivilisten von Sicherheitskräften und Revolutionsgarden getötet.
Trump reagierte mit der Drohung, militärisch einzugreifen, um die Demonstrierenden zu schützen. Doch schon bald verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Warnungen auf das Atomprogramm. Am 28. Januar erklärte der US-Präsident auf Truth Social, dass "eine massive Armada auf den Iran zusteuert".
Washington entsandte die Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und USS Gerald Ford in die Region, zusammen mit Dutzenden Kampfjets, Tankflugzeugen und Luftabwehrsystemen - der größte Einsatz von Marineflugzeugen im Nahen Osten seit der Invasion des Irak 2003.
Ein letztes diplomatisches Fenster öffnete sich. Unter omanischer Vermittlung nahmen die beiden Seiten im Februar wieder indirekte Kontakte auf. Washington forderte das Ende der Urananreicherung und des Programms für ballistische Raketen sowie einen Abbruch der Beziehungen zu bewaffneten Gruppen in der Region. Teheran wollte die Gespräche nur auf die Atomfrage beschränken.
Am 3. Februar versuchten sechs Schnellboote der Revolutionsgarden, den Tanker Stena Imperative in der Straße von Hormuz abzufangen;eine amerikanische F-35 schoss eine iranische Drohne des Typs Shahed 139 ab, die sich der Abraham Lincoln näherte.
Die Gesprächsrunden in Oman und Genf im Februar 2026 führten zu keiner Einigung. Am 19. Februar warnte Trump, er gebe "zehn, höchstens 15 Tage", bevor "schlimme Dinge passieren".
Die IAEO bestätigte am 27. Februar, dass sie nicht überprüfen könne, ob der Iran seine Anreicherungsaktivitäten tatsächlich eingestellt habe.
Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel Angriffe der Operation Epic Fury - wie die US-Regierung die Angriffe nannte - 47 Jahre nachdem iranische Studenten in der US-Botschaft in Teheran Diplomaten als Geiseln genommen hatten.