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Klimasünder Business Class: Ist ihr Aus der Schlüssel für klimafreundliches Fliegen?

Foto eines großzügigen Business-Class-Sitzes im Flugzeug.
Foto eines großzügigen Business-Class-Sitzes im Flugzeug. Copyright  Frugal Flyer via Unsplash.
Copyright Frugal Flyer via Unsplash.
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Laut einer neuen Studie könnten Airlines mit dem Verzicht auf Business- und First-Class-Sitze ihre weltweiten Emissionen etwa halbieren.

Nur wenige Alltagsaktivitäten hinterlassen einen größeren CO2-Fußabdruck als das Fliegen. Trotzdem belasten manche Passagiere das Klima deutlich stärker als andere.

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Sitze in der Business- und First Class sind laut Daten des internationalen Luftfahrtverbands IATA bis zu fünfmal so CO2-intensiv wie Plätze in der Economy.

Wenn Airlines auf Premiumkabinen verzichten, könnten sie die weltweiten Emissionen des Luftverkehrs nahezu halbieren, zeigt eine neue Studie (Quelle auf Englisch).

Zusätzliche Einsparungen brächte ein Betrieb mit den effizientesten Flugzeugtypen und besser ausgelasteten Maschinen.

Zusammen genommen könnten diese drei Maßnahmen die Emissionen um 50 bis 75 Prozent senken – ohne darauf zu warten, dass schwer verfügbare nachhaltige Flugkraftstoffe (Sustainable Aviation Fuels, SAF) in großem Stil und zu vertretbaren Preisen auf den Markt kommen.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass sich solche Veränderungen nur schrittweise durchsetzen lassen. Gleichzeitig zeigen sie, dass sich die weltweiten Emissionen im Luftverkehr sofort um elf Prozent senken ließen.

Wie klimaschädlich ist Fliegen?

Der Luftverkehr verursacht rund vier Prozent der menschengemachten Emissionen weltweit.

Doch Flüge sind nicht gleich: Der CO2-Ausstoß pro Person hängt stark von Effizienz und Bestuhlung des jeweiligen Flugzeugs ab.

Die im vergangenen Monat im Fachjournal Nature Communications Earth & Environment (Quelle auf Englisch) veröffentlichte Studie hat mehr als 27 Millionen Linienflüge des Jahres 2023 ausgewertet – zwischen 26.000 Städtepaaren und mit fast 3,5 Milliarden Passagieren.

Im Schnitt kamen Fluggesellschaften 2023 auf 84,4 Gramm CO2 pro zahlendem Fahrgast und geflogenem Kilometer.

Die Spannbreite reichte von 30 Gramm CO2 je Passagierkilometer auf manchen Strecken bis fast 900 Gramm auf anderen.

Im Untersuchungszeitraum verzeichneten die USA die höchsten Emissionen weltweit: 144,6 Millionen Tonnen CO2, also 25 Prozent des globalen Luftverkehrsausstoßes, bei durchschnittlich 96,5 Gramm CO2 je Passagierkilometer. China folgt mit 49,7 Millionen Tonnen und 88,6 Gramm, das Vereinigte Königreich mit 24,1 Millionen Tonnen und 81,1 Gramm.

In Europa liegt das Vereinigte Königreich vor Spanien (16,8 Mio. t), Deutschland (16,7 Mio. t), Frankreich (14,8 Mio. t) und Italien (9,9 Mio. t). Norwegen fällt durch besonders ineffiziente Verbindungen auf, häufig zu kleineren Flughäfen und mit schwach ausgelasteten Maschinen – in einigen Ländern sind solche Routen staatlich bezuschusst und für die Anbindung entlegener Regionen unverzichtbar.

Die Flugnachfrage frisst Effizienzgewinne auf

Seit 1980 hat die Branche große Effizienzsprünge geschafft – damals lagen die durchschnittlichen Emissionen noch bei 280 Gramm CO2 pro Passagierkilometer. Laut Studie ist die Nachfrage nach Flügen jedoch noch schneller gestiegen und hat die Einsparungen immer wieder überholt.

Auch gesperrte Lufträume infolge von Konflikten wie Russlands Krieg gegen die Ukraine treiben die Emissionen nach oben, weil Umwege die Flugstrecken und damit den Kerosinverbrauch verlängern.

Künftige Entwicklungen könnten den Trend verstärken. Airlines testen Routen, die Kondensstreifen vermeiden sollen; dafür müssen sie jedoch ausweichen, was den Treibstoffverbrauch erhöht und Effizienzgewinne teilweise zunichte macht.

Die Rückkehr des Überschallverkehrs, die bereits für 2029 in Aussicht gestellt wird, würde die Treibstoffeffizienz weiter verschlechtern und die Erwärmungswirkung des Fliegens zusätzlich verstärken.

Weniger Business-Class-Plätze würden Emissionen deutlich drücken

Wenn Airlines ihre Flugzeuge ausschließlich mit Economy-Sitzen bestücken, können sie mehr Menschen pro Flug befördern. Laut Studie ließen sich die Emissionen so um 22 bis 57 Prozent senken.

Auch weniger Leerplätze hätten große Wirkung. 2023 lag die durchschnittliche Auslastung bei 79 Prozent, manche Maschinen starteten jedoch mit nur 20 Prozent Kapazität.

Eine Steigerung der durchschnittlichen Auslastung auf 95 Prozent würde die Emissionen demnach um weitere 16 Prozent verringern.

Umstieg auf effizientere Flugzeuge

Ersetzen Fluggesellschaften ältere Maschinen durch neue, leichtere, aerodynamischere und sparsamere Flugzeuge, sinkt der Treibstoffverbrauch laut Studie um 25 bis 28 Prozent.

Am effizientesten schneiden demnach die Boeing 787-9 auf der Langstrecke und der Airbus A321neo auf Kurz- und Mittelstrecken ab: Sie verursachen rund 60 Gramm CO2 pro Passagierkilometer. Am anderen Ende der Skala liegen die ineffizientesten Flugzeugtypen mit bis zu 360 Gramm pro Passagier.

„Realistischerweise ist das ein langfristiger Umbau – einer, den Politikinstrumente fördern könnten, die Effizienz belohnen, sodass bei Ersatzentscheidungen stets die sparsamsten Flugzeuge den Vorzug erhalten“, sagt Studien-Mitautor Dr. Milan Klöwer von der Universität Oxford.

Als Anreize für den Umstieg auf effizientere Flotten nennt das Team unter anderem SAF-Quoten, Obergrenzen für die CO2-Intensität, Emissionshandelssysteme und Klimaratings für Airlines. Außerdem ließen sich Luftverkehrssteuern und Landegebühren stärker an der Klimabilanz einzelner Flugzeugtypen ausrichten.

Schon kurzfristig könnten Airlines ihre Emissionen um etwa elf Prozent senken, wenn sie auf bestehenden Strecken konsequent die jeweils effizientesten Flugzeuge einsetzen.

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